Werkstatt im Altersheim – «Mit ihrem aktiven Beitrag zum Heimbetrieb steigert sich das Selbstwertgefühl der Senioren»

Das Seniorenheim Neckertal in Brunnadern bietet mit seiner Seniorenwerkstatt seit kurzem eine sinnvolle Beschäftigung vor allem für dessen männliche Bewohner an. Die Senioren nutzen diese Möglichkeit gerne.

Urs M. Hemm
Drucken
Teilen
Werkstattleiter Martin Karrer richtet dem Heimbewohner M. B. die Bohrmaschine zum arbeiten ein. (Bild: Urs M. Hemm, 28.05.2019)

Werkstattleiter Martin Karrer richtet dem Heimbewohner M. B. die Bohrmaschine zum arbeiten ein. (Bild: Urs M. Hemm, 28.05.2019)

Geduldig erklärt Werkstattleiter Martin Karrer dem Senioren M. B. die Funktionsweise der Bohrmaschine und die Arbeit, die es zu erledigen gilt. «Ich bin froh, dass wir hier eine solche Beschäftigung haben», sagt der 73-Jährige und beginnt, Löcher in ein Kantholz zu bohren. «Darin können wir später Werkzeug versorgen, damit eine gewisse Ordnung in der Werkstatt herrscht», sagt Karrer.

Das sei wichtig, denn Martin Karrers Arbeit mit den Bewohnern des Seniorenheims Neckertal in der Seniorenwerkstatt ist eine Herausforderung für sich. Martin Karrer sagt:

«Ich muss die Augen überall haben, denn manchmal trauen sich die Senioren mehr zu, als noch für sie möglich ist.»

Aber Arbeit gebe es für jeden, der in der Seniorenwerkstatt mitmachen wolle. «Wir müssen einfach herausfinden, was noch geht.»

Rückmeldungen sind durchweg positiv

Roman Strübi, Heimleiter Seniorenzentrum Neckertal. (Bild: Urs M. Hemm, 06.02.2019)

Roman Strübi, Heimleiter Seniorenzentrum Neckertal. (Bild: Urs M. Hemm, 06.02.2019)

Die Angebote, sich während des Aufenthalts im Seniorenheim Neckertal zu beschäftigen, sind zwar zahlreich und vielfältig. «Jedoch», sagt Heimleiter Roman Strübi, «richten sich diese Aktivitäten fast ausschliesslich an unsere Bewohnerinnen. Für die Bewohner in unserem Heim gibt es bisher keine Alternative.» Daher stiess der Vorschlag von Martin Karrer, Seniorenwerken im Altersheim anbieten zu wollen, bei der Heimleitung auf offene Ohren.

Nach wochenlangen Vorbereitungsarbeiten − es mussten Werkbänke und Werkzeug organisiert und vor allem die vorläufige Finanzierung sichergestellt werden − ist die Seniorenwerkstatt seit Ende April in Betrieb. «Die Rückmeldungen der Senioren sind durchweg positiv», sagt Werkstattleiter Martin Karrer. Schade fänden sie nur, dass der betreute Betrieb nur an einem und nicht an zwei Halbtage pro Woche möglich sei.

Auf die Idee zur Seniorenwerkstatt sei Martin Karrer durch ein Ereignis in seinem Umfeld gekommen. «Mein Haus in Brunnadern habe ich einem ehemaligen Schreiner abgekauft, der jetzt Bewohner des Seniorenheims ist», erzählt er. Im ganzen Haus sei damals noch die Leidenschaft des Vorbesitzers für das Handwerk des Schreiners zu spüren gewesen. Und dieser Leidenschaft sollte er jetzt von einem Tag auf den anderen Tag nicht mehr nachgehen können?

«Im Wissen, dass der alte Schreiner bestimmt nicht der einzige in einer ähnlichen Situation ist, kam mir der Gedanke mit der Seniorenwerkstatt.»

Dabei gehe es ihm nicht nur um die Beschäftigung selbst. «Wichtiger ist, dass die Menschen wieder eine Aufgabe haben, die ihr Selbstwertgefühl steigert, sie ausfüllt und ihnen Befriedigung gibt.»

Nachdem Martin Karrer mit dem Heimleiter des Seniorenheims Neckertal das Vorhaben besprochen hatte, mussten zuerst ein Raum gefunden und die Werkstatt eingerichtet werden. «Der technische Hausdienst erwies sich als sehr hilfsbereit und räumte einen Teil eines Lagers im Untergeschoss des Heims frei, wo wir uns einrichten konnten», sagt Martin Karrer. Werkbänke und zahlreiche Werkzeuge wurden gespendet, so dass mit den Arbeiten begonnen werden konnte. «Wir sind aber noch immer um jeden Schraubenzieher und jede Bohrmaschine froh, die irgendwo ungebraucht im Keller liegen.» Auch auf Sachspenden von Verbrauchsmaterial wie Holz, Nägel oder Schleifpapier ist die Seniorenwerkstatt angewiesen, um den Betrieb dauerhaft gewährleisten zu können.

Ein aktiver Beitrag zum Heimbetrieb

In einer ersten Phase bauen die Senioren Regale oder stellen, wie M. B., Utensilien für den Gebrauch und den Betrieb der Werkstatt her. Daneben werden für das Sommerfest vom 22. Juni Wegweiser aus Holz gefertigt und das Holz der heimeigenen Sitzbänke im Garten aufpoliert. Martin Karrer erläutert:

«Die Senioren wollen mit ihrer Arbeit einen aktiven Beitrag zum Heimbetrieb leisten. So sind sie nicht einfach für ein paar Stunden beschäftigt, sondern werden gebraucht.»

Neben solchen Aufträgen kann sich der Werkstattleiter auch vorstellen, künftig mit den Senioren Arbeiten für den Verkauf am Basar herzustellen.

Zukunft für Werkstatt noch ungewiss

«Die Finanzierung», erläutert Heimleiter Roman Strübi, «ist bisher durch Beiträge von vier Stiftungen bis im kommenden Frühling gesichert.» Die Mittel würden jedoch nur für einen betreuten Halbtag ausreichen, damit der Betrieb überhaupt so lange aufrechterhalten werden könne. «Was danach geschieht, wissen wir zurzeit noch nicht. Wir werden aber unser Bestes geben, damit wir genügend Gelder auftreiben können, um die Werkstatt weiterführen zu können», versichert Roman Strübi.

Hinweis

Mehr Informationen gibt es auf: www.aphbrunnadern.ch