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Der Erfinder des «Klangweltorchesters» erhält 30'000 Franken Werkbeitrag

Musiker Stefan Baumann wurde für sein «Klangwaldlaboratorium» mit einem Werkbeitrag ausgezeichnet. Seine musikalische Karriere hat er unter anderem seiner alten Heimat, dem Toggenburg, zu verdanken.
Corinne Bischof
Musiker Stefan Baumann sitzt auf den Holzlatten seines «Lautsprecherorchesters» (Bild: Corinne Bischof)

Musiker Stefan Baumann sitzt auf den Holzlatten seines «Lautsprecherorchesters» (Bild: Corinne Bischof)

Der Toggenburger Stefan Baumann wohnt mit seiner Frau seit geraumer Zeit im appenzellischen Teufen. Hier erhielt er vor einigen Wochen einen Werkbeitrag für das von ihm erfundene «Klangwaldorchester». Stefan Baumann hat ein neues Instrument erfunden - und das nicht zum ersten Mal. Die Idee seines «Lautsprecherorchesters» war simpel, die Umsetzung ebenfalls, das Resultat überwältigend.

384 Holzlatten und über sechs Kilometer Kabel

Im Auftrag der Kulturlandsgemeinde verwandelte Stefan Baumann im Februar dieses Jahres das Sportzentrum in Herisau für einige Tage in einen sogenannten «Klangwald». 384 mannshohe Holzlatten wurden mit einem kleinen Lautsprecher ausgestattet und hingen im Raum verteilt von der Decke. Die mit rund sechs Kilometer Kabel verbundenen Lautsprecher konnten so 32 verschiedene Signale gleichzeitig abspielen. Sie gaben dem Besucher das Gefühl, in einem natürlichen Wald zu stehen.

Ein Projekt, das eine vielseitige Zukunft verspricht

Das Lautsprecherorchester kann aber noch vielseitiger verwendet werden. So hat Stefan Baumann vor, klassische Orchesterstücke in ihre instrumentalen Bestandteile auseinanderzunehmen und über die verschiedenen Lautsprecher abspielen zu lassen. Von aussen hört man das Musikstück in seiner originalen Form, während man im Innern zwischen den einzelnen Instrumenten wandeln kann. Für die Umsetzung seines Projektes erhielt Stefan Baumann einen Werkbeitrag und eine finanzielle Stütze von 30'000 Franken. Dies ermöglicht Baumann in Zukunft, trotz Familie und Beruf, viel experimentierfreudiger an dem «Klangwaldorchester» zu arbeiten. «Das Projekt befindet sich erst in der Anfangsphase. Da ist noch viel Luft nach oben», meint Stefan Baumann.

Es ist das zweite Mal, das Stefan Baumann die Musikwelt revolutioniert. Vor einigen Jahren erfand er das 6-saitige Cello, mit dem er bis heute auftritt und mittlerweile Stücke spielt, die mit einem normalen Cello nicht mehr zu spielen wären.

Alles begann mit einer Fahrradschraube

Stefan Baumann ist gebürtiger Toggenburger. Als Kind wohnte er in der Schwand in Ebnat-Kappel, später im Gurtberg bei Krinau. «Die Zeit im Gurtberg war die prägendste für meine Musikkarriere», erzählt Baumann. Seine Mutter unterrichtete Blockflöte, sein Vater war passionierter Bratschenspieler. Als seine ältere Schwester mit dem Geigenspiel begann, wollte Baumann mithalten – aber natürlich grösser, er wollte Cellist werden.

Mit einer Fahrradschraube baute sein Vater kurzerhand eine alte Geige zu einem Kindercello um. So war das Familienorchester gegründet. Das Handwerkeln mit Instrumenten liegt also in der Familie. «Ab und zu waren wir am Wochenende ununterbrochen gemeinsam am Spielen. Meine Familie hat mich stark beeinflusst», meint Baumann. Da es damals im Toggenburg keine Cellolehrer gab, reiste Baumann einmal in der Woche nach Winterthur in die Musikstunde.

Hermann Ostendarp und das «il mosaico»

Als Hermann Ostendarp als junger Musiklehrer an der Kanti Wattwil zu unterrichten begann, wurde Baumann Teil der Gründungsgeschichte des «il mosaico». Zu seinen Zeiten hiess das Kantiorchester noch das «Ensemble W». Über seine Zeit an der Kantonsschule Wattwil sagt Stefan Baumann: «Hermann Ostendarp habe ich unglaublich viel zu verdanken. Es gibt kaum ein Stück der grossen Komponisten, das ich nicht in meiner Kantizeit gespielt habe.»

Später spielte Stefan Baumann im schweizerischen Jugendorchester, studierte klassisches Cello und Audiodesign und begann als einer der ersten überhaupt, mit technischer Musik zu experimentieren. Lange Zeit lebte Stefan Baumann von Kompositionsaufträgen, arbeitete als Tonmeister im Theater Basel und reiste mit einer Band rund um Europa.

Eine (nicht) ganz normale Familie

Heute ist der Vater von drei Kindern Cellolehrer in Trogen und Zürich. «Irgendwann braucht man eine finanzielle und zeitliche Stabilität, auch meiner Familie zuliebe.» Stefan Baumanns Frau ist ausgebildete Theaterpädagogin und Schauspielerin – ebenfalls ein Beruf, der keine geregelten Arbeitszeiten vorschreibt. Das Familienleben aufrecht zu erhalten, erscheint auf den ersten Blick schwierig. Familie Baumann hat aber alles im Griff. Ihre drei Kinder sind ebenfalls schon musikalisch unterwegs. Die Tochter spielt Klavier, der ältere der beiden Söhne Saxophon und der jüngere Cello. Ganz nach dem Vorbild seines Vaters. «Mal schauen, wie lange er das durchzieht», sagt Baumann gelassen. Einen gewissen väterlichen Stolz kann er aber nicht verbergen.

Hinweis

Das Lautsprecherorchester ist ab dem 3. November für vier Monate im Zeughaus in Teufen zu erleben

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