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Digitalisierung machts möglich: Werbeagenturen können auch vom Obertoggenburg aus agieren

Wer seine Idee bekannt machen will, muss damit an die Öffentlichkeit. Dabei helfen Werbefirmen. Dank der Digitalisierung können diese aus dem Obertoggenburg agieren und brauchen keine Stadtnähe.
Christian Gauer
Leslie Gurtner, die Chefin von Konzeptplus in Unterwasser, bei der kreativen Arbeit am Computer. (Bild: Christian Gauer)

Leslie Gurtner, die Chefin von Konzeptplus in Unterwasser, bei der kreativen Arbeit am Computer. (Bild: Christian Gauer)

In Unterwasser zwischen der Post und dem Coop, unscheinbar an der Dorfstrasse, liegt die Firma Konzeptplus, eine von zwei Niederlassungen in der Schweiz. Ihr Credo: Den Kunden sichtbar machen in Web, Print und sozialen Medien. Zwischen Gastronomie, Landwirtschaft und Baugewerbe eine Rarität auf dem Land. Zu ihren Kunden zählen Vereine, Firmengründer und Kulturprojekte wie der Zeltainer.

Der Werkraum ist an vielen Orten belegt mit Visitenkarten, Broschüren und anderen Werbeartikeln. Computerbildschirme statt Holzbearbeitungsmaschinen, Altpapier statt Späne, Bits und Bytes statt Schaufel und Gabel. Die Leiterin der Agentur – wie sich das Gewerbe dieser Branche oft nennt – ist Leslie Gurtner. Zusammen mit ihrem Bruder Tobias Gurtner, der in der Zweigstelle tätig ist, führt sie den Betrieb seit 2011. Hergeführt hat Leslie die Beziehung zu ihrem Lebenspartner. Aber auch die geringe Konkurrenz und die tiefen Fixkosten sprechen für den ländlichen Standort in Unterwasser.

«Grosse Aufträge gehen an grosse Agenturen»

Auf dem Land herrsche weniger Hektik und es gefalle ihr hier im Toggenburg, sagt Leslie Gurtner. Um dann anzufügen: «Wir leben nicht von der Region.» Wenige hätten die finanziellen Möglichkeiten für Werbung, der Markt hier oben sei schnell mal ausgeschöpft. Und sie fügt an: «Grosse Aufträge gehen auch an grosse Agenturen.»

Das spürt auch das Werbeunternehmen Fontart in Wildhaus. Man habe kein Einzugsgebiet, es sei «gar nichts hier oben», denn es würden die Firmen fehlen. Sie werben vor allem ohne das Internet. Sichtbar sind sie durch das Logo auf dem Firmenauto. Kunden gewinnen sie vor allem durch Briefpost und Anzeigen in der Zeitung. Es würde auch ohne digitale Werbung gehen und am Anfang habe man Flyer verteilt, ist von der Geschäftsstelle in Wildhaus zu vernehmen.

Zentrale Position im Büro hat der Computer

Dass Werber kreativ sind, sieht man bei Leslie Gurtner von Konzeptplus. Die Bilder an der Wand: alle von ihr gemalt. Neben dem Computerarbeitsplatz steht der Kreativtisch für die Handarbeiten. Die meiste Zeit ist er verwaist. Die zentrale Position im Büro hat der Computer. An den Tasten leistet die Inhaberin die kreative Arbeit. Es ist ein Gestalten am Bildschirm. Firmenzeichen, Schriftzüge, Bildbearbeitung. Flyer, Visitenkarten, Broschüren.

Sie hätten deutlich mehr Aufträge für Digitalprodukte, allen voran das Erstellen einer Internetseite. Die Umsetzung und Publikation sei günstig und könne schnell an eine grosse Masse gestreut werden. Dagegen ist der Aufwand für die Erstellung eines Plakats um einiges grösser.

Dank der Digitalisierung im Obertoggenburg

Die Digitalisierung macht es möglich, dass ein Unternehmen wie Konzeptplus einen ländlichen Standort unterhalten kann. So sagt die Geschäftsführerin von Konzeptplus: «Eine Ansiedlung in Stadtnähe wäre ohne diese technische Errungenschaft unumgänglich.»

Der Blick auf die Unternehmenslandschaft im oberen Toggenburg bestätigt dieses Bild. Es sind wenige Firmen, die keinen Online-Auftritt vorweisen können. Ein Unternehmen ohne Website ist das Schuhhaus Näf in Unterwasser. Das Werbemittel des Inhabers Robert Näf ist sein guter Name.

Website als erste Kundenpräsentation

Bei den Unternehmen mit eigener Präsenz im Internet besteht eine unterschiedliche Gewichtung der Werbekanäle. Die in Alt St. Johann ansässige Nähstall GmbH setzt neben dem Online-Auftritt beispielsweise auf den persönlichen Kontakt. Kundengewinnung geschehe vor allem durch «Weitersagen», betonen aber alle angefragten Unternehmer. Der Gründer von Coffee-Time in Alt St. Johann beispielsweise schwört auf Mund-zu-Mund-Werbung.

Und trotzdem sei eine Website unabdingbar, sagt zum Beispiel Marin Sailer aus Unterwasser, Besitzer von Hundespiele.ch. «Dank des Internets kann ich den Job gut nebenbei machen», sagt er. Für die Firma Technowood mit Sitz in Starkenbach ist eine professionelle Website wichtig, denn es sei «die erste Kundenpräsentation der Geschäftsidee».

Idee muss erst genau ausgelotet werden

Am Sitzungstisch im Office in Unterwasser sitzt oft auch Daniel Kierdorf. In Teilzeitanstellung arbeitet er bei Konzeptplus als Grafiker und Berater. Dass er kein Vollpensum habe, sei für ihn kein Problem. «Wer hier oben arbeiten will, braucht immer irgendeine Kompromisslösung», sagt er.

Die Räumlichkeit, die einst die Touristinfo, dann einen Künstler und auch eine Bar beherbergte, sei die ideale Umgebung, um eine erste Besprechung vorzunehmen, findet Daniel Kierdorf. Dabei geht es um die Auslotung der Idee des interessierten Kunden. Darum, in mehreren Sitzungen Feinheiten zu erspüren, um die Werbemittel effektiv für die Idee nutzen zu können.

Websites, die sich wie Papier ausrollen

Bei der Website seien oft sogenannte «Onepager» gefragt, «Einseiter» also, die sich durch Scrollen wie eine Rolle Papier ausrollen. Ein Baukastensystem, das keine grossen Programmierkenntnisse verlangt. Was er als Grafiker genau mache, das sei den Leuten schwierig zu erklären, sagt Daniel Kierdorf. Es lohne sich aber, mit einem Profi zu arbeiten, sagt er.

Ein Hindernis, sich an eine Agentur zu wenden, sei der Preis. Schnell kosten die Namensfindung der Geschäftsidee, die Ausarbeitung des Logos und die Erstellung des Werbeauftritts ein paar tausend Franken. Viele, die Werbung brauchen, hätten das Gefühl, es sei zu teuer, man könne es selber. «Wer es selber macht, braucht viel Zeit für die Erstellung», sagt Daniel Kierdorf.

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