Interview

Irish-Openair-Präsident: «Wer will, kann irische Kultur erleben»

Das Irish Openair, das jeweils Anfang September stattfindet, ist aus dem Toggenburger Festivalkalender nicht mehr wegzudenken. OK-Präsident Peter Tanner verrät, warum die Irland-Fans den Anlass lieben und was ihn so besonders macht.

Sabine Schmid
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Der Tanz spielt beim Irish Openair eine wichtige Rolle. Im vergangenen Jahr folgte das Publikum dem Vorbild der Musikgruppe auf der Bühne. (Bild: Michael Hug, Ennetbühl, 2. September 2017

Der Tanz spielt beim Irish Openair eine wichtige Rolle. Im vergangenen Jahr folgte das Publikum dem Vorbild der Musikgruppe auf der Bühne. (Bild: Michael Hug, Ennetbühl, 2. September 2017

Fünf Pfeiler braucht es für das Irisch Openair in Ennetbühl. Die Idee, das Organisationskomitee, der Goodwill der Bodenbesitzer und der Anwohner, die Sponsoren und die rund 150 Helferinnen und Helfer. Würde einer dieser Pfeiler wegbrechen, könnte das Festival nicht mehr stattfinden, sagt OK-Präsident Peter Tanner, denn jeder in der Kette sei auf den anderen angewiesen. Am Wochenende findet die zehnte Austragung statt, und damit keinesfalls die letzte, wie er betont.

Peter Tanner, wie ist die Idee des Irish Openairs entstanden?

2007 feierte die örtliche Raiffeisenbank ihr 100-Jahr-Jubiläum und stellte dem Tourismusverein einen fünfstelligen Betrag für einen kulturellen Anlass zur Verfügung. Ich war damals als Eventmanager beim Tourismusverein tätig und konnte meine Idee eines Irish Openairs einbringen und verwirklichen. Diesen Musikstil wählte ich, weil ich die Musik aus Schottland und Irland von der Blasmusikszene und vor allem von der Militärmusik her kannte und schätzte.

In den Zeitungsberichten der Anfänge ist zu lesen, dass Sie von vielen namhaften Personen aus der Gemeinde unterstützt wurden. War es einfach, sie dafür zu begeistern?

Das Organisationskomitee ist ein absoluter Glücksfall. Viele OK-Mitglieder sind beruflich in dem Bereich tätig, den sie bei uns auch abdecken. Der verstorbene Hotelier Bruno Fumagalli war unser Festwirt, heute wird das Ressort vom Metzgermeister Reto Rust betreut. Ivan Louis macht unser Marketing und die Webseite, Hansjörg Huser kümmert sich um die Finanzen. Der Käsermeister Heinz Habegger ist Personalchef, der Bau liegt in den Händen von Andreas Lieberherr, der beruflich Gebäude umbaut. Max Kühni, der in Winterthur seit über 20 Jahren ein Pub führt und dort Livekonzerte organisiert, ist unser Musikchef. Mit seinen Verbindungen zu irischen Bands ist er also ein ganz wichtiger Pfeiler.

Wen engagiert er? Sind es irische Musiker oder Gruppen aus anderen Ländern, die irische Musik machen?

Das ist gemischt. Rund die Hälfte unserer Bands kommt direkt aus Irland. Die übrigen stammen aus der Schweiz oder aus Nachbarländern, auch schon hatten wir Holländer bei uns.

Peter Tanner ist seit Beginn OK-Präsident des Irish Openairs in Ennetbühl. (Bild: Sabine Schmid)

Peter Tanner ist seit Beginn OK-Präsident des Irish Openairs in Ennetbühl.
(Bild: Sabine Schmid)

Ist das Irisch Openair Ennetbühl inzwischen bei irischen Musikern bekannt?

Das müssen Sie die Musiker fragen. Bei den Liebhabern von irischer Musik ist unser Openair inzwischen sicher sehr gut bekannt. Wir sind das einzige irische Openair in der Deutschschweiz, das jedes Jahr stattfindet.

Von Beginn an waren Sie sehr erfolgreich, schon beim ersten Irish Open-air kamen fast doppelt so viele Besucher wie erwartet. Wie erklären Sie sich das?

Ich erkläre mir das mit zwei Faktoren. Zum einen merken wir, dass Irland-Fans an allem interessiert sind, was mit diesem Land zu tun hat. Sie lieben die Musik, das Flair und das ist, was sie bei uns mit unserer Liebe zum Detail finden. Das ist vergleichbar mit Harley-Fans, die ihrer Faszination ebenfalls bis ins letzte Details nachleben. Der zweite Erfolgsfaktor ist unsere Nische. In der Schweiz gibt es eine grosse Dichte an Festivals, sodass wir uns überlegen müssen, wie wir erfolgreich sein können. Ich habe vor kurzem im Radio ein Gespräch zu diesem Thema gehört. Die Quintessenz war: Festivals, die eine absolute Spartentreue verfolgen und nicht nach links oder rechts ausscheren und Musikstile vermischen, haben die grösste Chance auf Erfolg. Wir sind genau so ein Festival.

Die Besucher erleben hier in Ennetbühl aber mehr als «nur» irische Musik.

Wir haben immer wieder Besucher, die nicht wegen der Musik zu uns kommen, sondern wegen des Ambientes.

Das Publikum ist betreffend des Alters sehr durchmischt. Fühlt sich hier jeder wohl?

Ich vergleiche unser Publikum mit den Besuchern der Pubs in Irland. Pubs sind dort eine Kulturinstitution im Dorf, wo sich alle im selben Raum treffen, vom Säugling bis zum Urgrossvater.

Kann man die Toggenburger Kultur und die irische Kultur vergleichen?

Die irische Musik wie auch jene aus dem Toggenburg sind sehr alt. Parallelen sehe ich auch bei der Instrumentalisierung mit Geigen. Die Hausmusik im Toggenburg war ja traditionell eine Streichmusik. Die Musik unseres Festivals ist im Bereich des irischen Folks angesiedelt.

Seit einigen Jahren bieten Sie Workshops an, um den Besuchern die irische Kultur näher zu bringen. Wie ist diese Idee entstanden?

Wir machen den Besuchern ein Angebot, das breiter abgestützt ist. So etwas kennt man von anderen Festivals, beispielsweise im Klassikbereich. Wer will, kann bei uns irische Kultur aktiv erleben.

Wie wird das Angebot angenommen?

Wir haben verschiedene Bereiche abgedeckt, wie Flöte und Bodhrán spielen, gälische Sprache oder Musikgeschichte. Seit dem vergangenen Jahr bieten wir zusammen mit der Brauerei St. Johann einen Bierworkshop an. Der Überflieger war und ist jedoch der Tanzworkshop. Dafür hatten wir immer genügend Anmeldungen.

Können die Besucher die im Workshop gelernten Tänze gleich an Konzerten tanzen?

Wir sind ein Openair, das auf der Wiese stattfindet und es tönt nicht wie der Steptanz in einem Pub. Im vergangenen Jahr ist es einer Gruppe gelungen, das Publikum zu einem einfachen irischen Tanz vor der Bühne zu gliedern. Das zeigt, wie sich unser Publikum begeistern lässt.

Das Irish Openair ist mit seiner Infrastruktur stets auch gewachsen. Stossen Sie irgendwann an Grenzen?

In den vergangenen Jahren hat unser Bauchef Andreas Lieberherr immer wieder etwas Neues gebaut, in seiner Kreativität ist er beinahe nicht zu überbieten. Das Publikum, das uns besucht, ist aber nicht enttäuscht, wenn es nichts Neues gibt. Es kommt wegen dem, was wir haben. Das ist wieder eine Parallele zu Irland. Dort bleibt ein Pub ein Pub, es wird einfach älter.

Sie haben aber noch Lust, um weiterzumachen?

Ja, wir werden auch weitermachen, das entgegen Gerüchten, die herumgeschwirrt sind. Wir sind uns aber bewusst, dass wir nicht unendlich weiterwachsen können, denn es ist schwierig genug, das Niveau zu halten, das wir nun erreicht haben. Wir wollen trotz unseres Erfolgs bescheiden bleiben.

Sind Sie bereit für das diesjährige Irish Openair?

Ja, die Vorbereitungen sind angelaufen und wir sind gut im Zeitplan mit dem Aufbau. Natürlich sind wir gespannt auf das Wetter. Wegen unseres Jubiläums findet am Samstag ein einmaliger Jubiläumsakt statt, bei dem der einheimische Jodlerclub auftritt. Wir wollen so einmal ein Fenster öffnen und unseren Besuchern aus Irland die Toggenburger Musik vorstellen. Willi Valotti und Roger Dubler von Pigeons on the Gates haben ein Arrangement aufgegleist, bei dem ein traditioneller Toggenburger Naturjodel in ein irisches Musikstück übergeht. Als ein weiterer Höhepunkt werden die irischen Nationalfarben mit bengalischen Fackeln am Stockberg leuchten, sofern es das Wetter zulässt.

Werden Sie wieder, wie in den vergangenen Jahren, während zwei Tagen im Kilt zu sehen sein?

Nein, zum VIP-Apéro und zum Jubiläumsakt ist der Kilt für mich ein Muss. Ansonsten behalte ich es mir vor, inkognito im Publikum unterwegs zu sein.