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Weltklasse-Musiker an der Kanti Wattwil: Musikalische Gestalter der Liebe und des Schmerzes

Zum zweiten Konzert der Saison brachte der Konzertzyklus Pro Wattwil drei Weltklasse-Musiker in die Aula der Kantonsschule Wattwil. Intoniert wurde Kammermusik von Feinsten.
Peter Küpfer
Die drei Musiker des Feininger Trios: David Riniker (Violoncello), Adrian Oetiker (Klavier), Christoph Streuli (Violine), von links. (Bild: Peter Küpfer)

Die drei Musiker des Feininger Trios: David Riniker (Violoncello), Adrian Oetiker (Klavier), Christoph Streuli (Violine), von links. (Bild: Peter Küpfer)

Kurz vor Beginn entstand Unruhe im hinteren Aulabereich. Eiligst mussten noch neue Sitzplätze herbeigeschafft werden. Das Feininger Trio, bestehend aus dem St.Galler Meisterpianisten Adrian Oetiker sowie Christoph Streuli (Violine) und David Riniker (Violoncello), beide Mitwirkende im Ensemble der Berliner Philharmoniker, hatte Mobilisierungspotenzial. Das Trio sorgt national und international für beste Resonanz und war nicht zum ersten Mal Gast in den vom Konzertzyklus Pro Wattwil organisierten Konzerten.

Die Erwartungen an das Feininger Trio erwiesen sich als gerechtfertigt. Was da vom Podium herunterklang, war vom ersten Moment an mitreissend.

Stürmische Werbung mit Selbstzweifeln

Den Beginn machte ein Jugendwerk des russischen Genies Dmitri Schostakowitsch, sein Klaviertrio Nr. 1 in c-Moll (op. 8). Entstanden 1923, ganz aus einer schüchternen Jugendliebe des frühreifen Komponisten heraus, entfaltet es das ganze kompositorische Spannungsfeld des Musikers. Stürmische Werbung paart sich mit zurückgenommenen Selbstzweifeln, wie es denn dem Erlebnis manches Siebzehnjährigen entspricht, auch wenn er kein Komponist ist.

Die im Klaviertrio-Erstling angelegten Brechungen entfalteten sich im kontrolliert-entfesselten Spiel der drei Virtuosen in ihrer vollen Dynamik. Durchgehaltene Spannung elektrisierte den Vortrag von den ersten Tönen an und fand erst im Schlussklang ihr Ende.

Ein trauernder Vater trägt seine Tochter zu Grabe

Der zweite Programmtitel stand ebenfalls in Verbindung mit der Erlebniswelt des Komponisten: Es erklang Friedrich Smetanas Klaviertrio in g-Moll (op. 15). Als trauernder Vater trug Smetana im Herbst 1855 seine Tochter Bedriska (Friederike) zu Grabe. Es war das zweite von drei Kindern, die innerhalb von zwei Jahren starben, und das am meisten geliebte. Das aufgeführte Klaviertrio hat der Komponist zur Erinnerung an sein Töchterchen geschrieben, das mit viereinhalb Jahren sterben musste.

Die drei Musiker des Feininger Trios vermieden in ihrem ergriffenen und ergreifenden Spiel jedes falsche Pathos. Demonstrierend spielten sie den Schmerz, waren dabei aber nicht sein Opfer, sondern seine Gestalter. Sowohl die den väterlichen Schmerz nachzeichnenden Passagen des Kopfsatzes sowie das verklärte Bild des Töchterchens im Mittelsatz und der gespenstische Totentanz im Finale kamen nie aufgeheizt oder pathetisch daher, sondern eher analytisch, ohne der allgegenwärtigen Gemütsbewegung damit entgegenzuwirken, ganz im Gegenteil.

Diese Qualitäten waren auch beim dritten Programmpunkt gegenwärtig. Brahms’ Klaviertrio Nr. 2, C-Dur (op. 87) aus den Jahren 1880/1882 vermied in der Interpretation des Feininger Trios jede Schwülstigkeit, wurde quasi musikalisch «verschlankt».

Fast symphonische Dimensionen

Das tat seiner Massivität und Gefühlsdramatik keinerlei Abbruch. Im Gegenteil: Seine musikalische Grösse wurde in dieser detailgenauen Interpretation erst recht fass- und auslotbar. Das zeigte sich beim rhapsodisch ausgreifenden Kopfsatz mit seinem ständigen Pendeln zwischen zarten, liedhaften Klängen und wuchtiger Dramatik so gut wie in den beiden verspielten Mittelsätzen mit ihrem spukhaften Scherzo.

So gipfelte das Finale in seiner ganzen Klangfülle, wo die drei Kammermusik-Instrumente fast symphonische Dimensionen erreichten. Das Feininger Trio präsentierte sich an diesem Konzertabend auf packende Weise, was zahlreiche spontane Publikumsäusserungen in der Pause und nach dem Konzert bestätigten.

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