Damals: Die letzte Fahrt eines Traktors zur Kehrrichtverwertung

Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Letzte Fahrt: Hürlimann-Traktor mit angehängtem Kehrrichtabfuhrwagen. (Bild: PD)

Letzte Fahrt: Hürlimann-Traktor mit angehängtem Kehrrichtabfuhrwagen. (Bild: PD)

Vor 100 Jahren

2. Oktober: Kanton St.Gallen. Instruktionskurs für weibliche Berufsberatung. Jedes Mädchen sollte wie jeder Knabe einen Beruf erlernen, denn der Kampf ums Dasein zwingt von Jahr zu Jahr neue Scharen von Mädchen und Frauen aller Stände, aller Altersstufen zur Erwerbsarbeit und drängt sie immer mehr in die ihnen unbekannte Vielgestaltigkeit eines andern als des häuslichen Berufslebens. Die Heirat ist ungewiss und bietet heute keine Garantie mehr für lebenslängliche Versorgung.

Erwerbs- und Berufsmöglichkeiten und Aussichten sind umfangreicher geworden und beständigen Wechsel unterworfen, sodass den Eltern der Ueberblick über alle in Betracht kommenden Verhältnisse bedeutend erschwert wird. Rechtzeitige Berufswahl und gründliche Ausbildung heisst Vorsorge treffen für Fälle unvermuteter Notlage und bedeutet zugleich Erziehung arbeitsfroher, verständnisvoller Gattinnen und Mütter.

2. Oktober: Bazenheid. Die allseits mehr oder weniger auftretende «Grippe» scheint auch hierorts ihren Einzug halten zu wollen und es mehren sich die Erkrankungsfälle sichtlich. Bereits ist auch schon der seit ca. einem halben Jahr hier wirkende Herr Dr. med. Cathomas von dieser Krankheit befallen worden, so dass Stellvertretung zur dringenden Tatsache wurde. In der Gemeinde Kirchberg sind schon mehrere Fälle mit dem Tode abgegangen.

5. Oktober: Lichtensteig. Die Grippe tritt im verschärften Masse auf. Nachdem beim Schulbeginn etwa 70 Kinder fehlten, wurde die Schliessung sämtlicher Schulen beschlossen.

5. Oktober: Hoffeld-Dicken. Infolge der heftigen Regenfüsse der letzten Zeit ist ein grösseres Stück Berghalde in Unruhe gekommen. Die Erdmasse, die abzustützen droht, ist etwa 60 Meter lang und 30 Meter breit. Die Spalten, die sich geöffnet haben, sind bis zu 10 Meter tief. Bereits ist ein kleiner Waldbestand der Bewegung zum Opfer gefallen. Ein Wohnhaus, mitten im gefährdeten Gebiet, musste abgebrochen werden. Es ist bereits geräumt worden.

Vor 50 Jahren

30. September: Toggenburg. Neue Zeit in der Kehrichtverwertung bricht an: Und selbst wenn auf einem Traktor geschrieben steht: Letzte Fahrt, wird der Beschauer etwas tiefsinniger. Trotzdem nun das vertraute Bild des Traktors mit dem angehängten Kehrichtabfuhrwagen der Vergangenheit angehört, wäre es des Guten zuviel, von einer weiteren verschwundenen Romantik zu berichten. Tatsache aber ist, dass, was vor 15 Jahren noch vollauf zu genügen vermochte, den heutigen Gegebenheiten nicht mehr Rechnung trägt. Den treuen Dienern, gemeint sind Hürlimann-Traktor und Kehrichtwagen, wird vielleicht bald anderswo wiederum genügend Arbeit warten.

2. Oktober: Wattwil. Eine Region steht für ihr Spital ein. Das St.Galler Volk hat den Staatsbeitrag an die Erweiterungsbauten des Gemeindekrankenhauses Wattwil mit überwältigenden Mehr beschlossen. Auch die Bürger der Gemeinde Wattwil stimmten der Restfinanzierung zu. Die Sammlung im Einzugsgebiet des Toggenburger-Spitals ist auf ein gutes Echo gestossen, und es sind namhafte Beiträge aus allen Kreisen der Bevölkerung eingegangen. Den Steuerzahlern der Gemeinde Wattwil verbleibt trotzdem noch ein respektabler Restbetrag an die Baukosten und die Betriebsdefizite.

Vor 20 Jahren

28. September: Toggenburg. Immer mehr Netzwerke sind gefragt. Mit dem Ziel, die regionalen Besonderheiten und Perspektiven unter Berücksichtigung der momentanen Wirtschaftslage und der Lehrlingsproblematik anzusprechen und brauchbare Alternativen zu entwickeln, organisierte der Kiwanis-Club Wattwil-Toggenburg das erste «Wirtschaftsforum Toggenburg». Das Wirtschaftsforum im «Kapplerhof», Ebnat-Kappel war in zwei Teile aufgeteilt.

Am Morgen stand hauptsächlich eine wirtschaftliche und bildungsmässige Standortbestimmung des Toggenburges im Vergleich mit dem Restkanton, aber auch mit der Gesamtschweiz im Zentrum. Nach dem Mittagessen versuchten die Teilnehmer, unter der Leitung von verschiedenen hochkarätigen Referenten, in fünf Themengruppen konkrete Thesen für Alternativvorschläge auszuarbeiten. Den Abschluss bildete die gegenseitige Präsentation der gewonnenen Erkenntnisse. Die TIGA hat sich etabliert. Mit gut 22 000 Besuchern etwa gleich gut besucht wie ihre Vorgängerin vor zwei Jahren.

Vor 10 Jahren

2. Oktober: Leichtathletik. Schweizer Meisterin im 1000m-Lauf. Jasmin Giger aus Wald-Schönengrund brachte das Selbstvertrauen von über 20 gewonnenen Rennen auf Strasse und Bahn mit. Sie musste gegen ältere Gegnerinnen antreten, da für ihren Jahrgang 1999 noch gar keine eigene Kategorie angeboten wurde. Das Tempo war von Anfang an hoch, Jasmin war am Start nicht bei den vordersten, holte aber kontinuierlich auf. Gegen Laufende kündigte sich ein spannendes Finale an, das in einem Sprint mit äusserst knappem Ausgang endete. Erst nach Konsultation des Zielfilms stand fest: Jasmin hatte das Rennen mit einer hundertstel Sekunde Vorsprung gewonnen und war Schweizer Meisterin. Nach dem Schweizer Meistertitel im Cross-Lauf vom vergangenen Februar war dies bereits ihr zweiter Meistertitel in diesem Jahr.