Weil Veranstaltungen nicht stattfinden können: Lichtensteiger Kulturschaffende lancieren neues Magazin

Die Lichtensteiger Kulturschaffenden bleiben auch während der Coronapandemie nicht untätig.

Sascha Erni
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Das «Distanzin» soll ein verbindendes Element zwischen Kulturschaffenden und der Bevölkerung bieten.

Das «Distanzin» soll ein verbindendes Element zwischen Kulturschaffenden und der Bevölkerung bieten.

Bild: Sascha Erni

Zwölf Seiten Umfang hat es, die erste Ausgabe des «Distanzin». Lanciert vom «Rathaus für Kultur», dem Verein «Dogo – Residenz für Neue Kunst» und der «mini.Wirkstadt» sammelt das schmale Heft Gedanken, Bilder, Texte und Fotos von kreativen Leuten in und um Lichtensteig. Das Projektteam habe sich schnell nach dem Lockdown überlegt, was man nun tun könnte, erzählt Sirkka Ammann im Gruppengespräch mit dieser Zeitung.

Sie und ihr Projektkollege Maurin Gregorin sitzen in Zürich vor den Rechnern, Maura Kressig in Wattwil. Distanz ist zur Zeit Programm – aber wie das «Distanzin» mit seiner Titelzeile betont, geht es weniger um eine soziale Distanz, als eine körperliche: Unter dem durchgestrichenen «Social Distancing» steht dort «Physical Distancing + Social Solidarity» geschrieben. «Wir wollen ja eigentlich ein Ort sein, wo man sich begegnet», so Ammann. «Vielleicht schaffen wir das auf diesem Weg, als verbindendes Element.»

Fragen auf Distanz: Sascha Erni, Maurin Gregorin, Sirkka Ammann und Maura Kressig via Zoom (im Uhrzeigersinn).

Fragen auf Distanz: Sascha Erni, Maurin Gregorin, Sirkka Ammann und Maura Kressig via Zoom (im Uhrzeigersinn).

Bild: Sascha Erni

Heft konzipiert statt Frust sitzen lassen

Ausgerechnet dieses Frühjahr seien besonders viele Veranstaltungen im und ums Rathaus geplant gewesen, berichtet Sirkka Ammann. Gut 15 Menschen im Umfeld von Dogo und dem Rathaus für Kultur liessen den Frust über die Absagen nicht auf sich sitzen und konzipierten das Heft. «Das ganze Haus ist beteiligt, aber selbstverständlich kann jeder und jede Inputs geben oder Artikel einreichen.»

Das «Distanzin» soll während des Lockdowns monatlich erscheinen, in physischer Form als Teil des Städtli-Anzeigers der Gemeinde Lichtensteig, parallel dazu im Web. Ebenfalls im Netz findet sich der «Kulturletter»: Das Projektteam verschickt jeden Freitag einen Email-Newsletter mit Kulturtipps aus der gesamten Region sowie Neuigkeiten rund ums Rathaus für Kultur und Dogo.

Künstler mit Residenzplatz bleiben in Lichtensteig

Und zu berichten gibt es einiges, denn die Kunstschaffenden sind trotz den massiven Einschränkungen alles andere als untätig. «Alle vier Künstlerinnen und Künstler, die ab März bei Dogo einen Residenzplatz erhalten haben, sind noch immer in Lichtensteig», erklärt Maura Kressig. Sie seien in der Situation überaus aktiv geworden, produzieren neben der eigentlichen Arbeit etwa Radiosendungen und Videostreams.

Der Dogo-Künstler Fabian Heller etwa hat einen Postkarten-Bestellservice eingerichtet, und Arabella Marsh-Hilfiker möchte ab Mitte April einen Kunstlieferdienst starten. Interessierte melden sich via Internet an, die junge Künstlerin kommt vorbei und diskutiert mitgebrachte Kunstwerke. «Quasi durchs Fenster», sagt Kressig und lacht.

Mietausfälle erschweren die Situation

Aber die ausgefallenen Veranstaltungen und Corona-Einschränkungen wiegen schwer. Dem Rathaus für Kultur fallen sämtliche Veranstaltungseinnahmen weg. Ebenso unter Druck stehen die Raummieten. Denn neben den eigenen Events führen auch viele Dritte Veranstaltungen im Rathaus durch. «Die sind jetzt alle verschoben oder ausgefallen, aber wir können die Räume nicht weitervermieten», erklärt Maura Kressig.

Bei den Fix-Mietern setze das Rathaus alles daran, kulant zu sein. «Unser primäres Ziel ist ja die Förderung des Kulturschaffens, also ist klar, dass wir keinen der Mieter unter Druck setzen wollen.»

Die versprochenen finanziellen Mittel von Bund und Kantonen für Kulturschaffende und -Veranstalter können wohl einen Teil des Schadens decken, denkt Maurin Gregorin. «Es ist Unterstützung da. Wie gut sie funktioniert, wird sich zeigen müssen.» Gregorin sieht aber nicht nur das Negative an der Corona-Krise. Man habe jetzt die Möglichkeit, ausserhalb der eingefahrenen Bahnen Dinge auszuprobieren, anders kreativ zu sein als gewohnt – einfach, weil die Situation uns allen ein Umdenken aufzwingt.

Ohne Filme, Musik und Bücher wäre es schlimm

Und auch Sirkka Ammann kann der Situation etwas Positives abgewinnen. «Ohne Filme, Musik, Bücher und so weiter wäre die jetzige Situation richtig schlimm. Dass Kultur sehr wichtig ist und einen Wert hat, erfährt man jetzt sehr direkt.»