Weil Olympia, Fussball-Euro und Eishockey-WM ausfallen: Bestellrückgang bei Dopingfläschchen aus dem Toggenburg

Die weltweite Corona-Pandemie trifft indirekt auch die Firma Berlinger Special aus Ganterschwil.

Fabio Giger
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Die Dopingfläschchen von Berlinger Special sind dieses Jahr weniger stark gefragt als angenommen. Grund: Abgesagte Grossevents wie die Olympischen Sommerspiele oder die Fussball Europameisterschaft.

Die Dopingfläschchen von Berlinger Special sind dieses Jahr weniger stark gefragt als angenommen. Grund: Abgesagte Grossevents wie die Olympischen Sommerspiele oder die Fussball Europameisterschaft.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Der Spitzensport legt wegen dem Coronavirus eine Zwangspause ein. Dabei wären die nächsten vier Monate mit sportlichen Grossereignissen vollgepackt gewesen. Die Eishockey WM in der Schweiz, die Fussball-Europameisterschaften oder die Olympischen Sommerspiele in Japan – jeder Event wird verschoben.

Wettkämpfe und Meisterschaften in allen Sportarten auf der ganzen Welt wurden unterbrochen oder gar abgebrochen. Das belastet die Auftragsbücher der Firma Berlinger Special aus Ganterschwil. Sie beliefert die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, nationale Anti-Doping-Agenturen und internationale Sportverbände mit Flaschen für Dopingproben.

Jede dritte Probe wird an Wettkämpfen genommen

«Wegen den Olympischen Spielen in Tokyo, der UEFA-Fussball-Europameisterschaft und der Eishockey-WM hatten wir dieses Jahr viele Vorbestellungen», erklärt Mediensprecher und Berlinger-Verwaltungsrat Hans Klaus. Finden aber keine Wettkämpfe, Meisterschaften oder Grossanlässe statt, fallen auch zahlreiche Dopingtests weg.

Ernst König von Antidoping Schweiz

Ernst König von Antidoping Schweiz

Christian Beutler / KEYSTONE

«Unsere Kontrolltätigkeiten sind wegen der Coronakrise drastisch zurückgegangen», bestätigt Ernst König von Antidoping Schweiz. Es ist eine Tatsache, dass weltweit weniger getestet wird. Das liegt einerseits an abgebrochenen Meisterschaften und verschobenen Grossevents – in der Schweiz wird im Schnitt jede dritte Probe direkt nach Spielen oder Wettkämpfen genommen. Andererseits erschweren die politischen Massnahmen zur Eindämmung der Krankheit den üblichen Testbetrieb.

Die meisten Tests werden vor den Spielen durchgeführt

«Wir versuchen unsere Kontrolleure und die Athleten so gut wie möglich vor dem Virus zu schützen», erklärt König. Entsprechend braucht Antidoping Schweiz – so wie andere Anti-Doping-Agenturen weltweit – weniger Dopingfläschchen. «Die nächste Bestellung bei Berlinger Special wird kleiner als ursprünglich vorgesehen», sagt König.

Bei Olympischen Spielen ist das internationale Olympische Komitee (IOC) für die Dopingkontrollen verantwortlich. Bei jedem der über 300 Wettkämpfen werden alle Medaillengewinner sowie weitere, zufällig ausgewählte Sportler getestet. König:

«Die allermeisten Proben nehmen die Anti-Doping-Agenturen allerdings in den Monaten vor den Olympischen Spielen im Trainingsbetrieb.»

Wie viele Tests vor und während der Grossevents durchgeführt werden, weiss er nicht. Die meisten Kontrollen vor den Olympischen Spielen fallen jetzt jedoch aus, werden aber spätestens in einem Jahr nachgeholt.

Die Auftragsspitze verschiebt sich um ein Jahr

Ob die Fläschchen für Tokio schon geliefert sind oder noch produziert werden müssen, dazu darf Hans Klaus aus vertraglich vereinbarten Sicherheitsgründen nichts verraten. Noch produziert Berlinger Special aber wie gewohnt. Allerdings rechnet Klaus mit einer grösseren Nachfragedelle im Verlauf des Sommers. Er weiss:

«Wir müssen damit rechnen, dass die nationalen Anti-Doping-Organisationen dieses Jahr weniger testen als wenn die internationlen Wettkämpfe stattfinden würden.»

Momentan gingen weniger Bestellungen ein.Weil die Grossevents verschoben und nicht abgesagt wurden, verschiebt sich die Auftragsspitze lediglich und fällt nicht komplett weg.

Das diesjährige Geschäftsergebnis wird zwar zwangsläufig einbüssen, dafür dürften die Auftragsbücher im nächsten Jahr umso voller sein. Vorproduzieren kann und will Berlinger Special nicht. «Wir haben im Bereich Anti-Doping eine just-in-time Produktion», sagt Klaus.

Kurzarbeit ist bis jetzt noch kein Thema

Hans Klaus von Berlinger Special.

Hans Klaus von Berlinger Special.

PD

Das Unternehmen bezieht die Komponenten für die Dopingfläschchen aus der Schweiz und angrenzenden Ländern. Daher sind Lieferungsverzögerungen aktuell kein Problem. Kurzarbeit musste Berlinger Special noch nicht anmelden. «Wir beurteilen die Situation laufend, so dass wir der Lage angepasst reagieren können», sagt Klaus.

Wenn die Sportwelt aber länger stillsteht, müsste sich auch Berlinger Special mit Kurzarbeit auseinandersetzen. Zu einem kompletten Stillstand dürfte es aber nicht kommen: Weil Dopingsünder auch während der Coronapause nicht ruhen, sind die Fläschchen mit Sicherheitsverschluss aus Ganterschwil weiter gefragt.