Weil der Goodwill ausgenutzt wurde: Parksünder in Wildhaus-Alt St.Johann erhalten jetzt Bussen statt netter Hinweise

Parkgebühren gibt es in Wildhaus seit einem Jahr, Bussen aber nicht. Weil das ausgenutzt worden ist, erlässt die Gemeinde ein Reglement.

Sabine Camedda
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Seit rund einem Jahr steht die Parkuhr auf dem Parkplatz im Chuchitobel in Wildhaus. (Bild: Sabine Camedda)

Seit rund einem Jahr steht die Parkuhr auf dem Parkplatz im Chuchitobel in Wildhaus. (Bild: Sabine Camedda)

Rund ein Jahr ist es her, dass die Gemeinde Wildhaus-Alt St.Johann auf dem Parkplatz im Chuchitobel eine Parkuhr aufgestellt hat. Diese spüle Geld von den Tagestouristen in die Gemeindekasse, auch wenn die Parkgebühren moderat sind, sagt Gemeindepräsident Rolf Züllig. Die Gemeinde habe den Parkplatz Chuchitobel qualitativ massiv aufgewertet, was Investitionen voraussetzte und künftig Unterhalt erfordere.

Rolf Züllig, Gemeindepräsident.

Rolf Züllig, Gemeindepräsident. 

Es gehe dem Gemeinderat aber nicht darum, die Touristen zu schröpfen. «Wir sind überzeugt, dass die Touristen bereit sind, für das tolle Erlebnis hier in unserer Gemeinde einen bescheidenen Beitrag in Form einer Parkgebühr zu entrichten», sagt Rolf Züllig.

Wie gross diese Bereitschaft der Gäste effektiv ist, kann der Gemeindepräsident jedoch nicht beurteilen. Denn Bussen wurden keine ausgestellt, auch wenn die Parkgebühr nicht bezahlt worden war. «Wenn wir ein Auto entdeckt haben, das kein Ticket hinter der Windschutzscheibe hatte, haben wir einen Zettel angebracht. Darauf stand sinngemäss, dass wir davon ausgehen, dass der Autofahrer vergessen habe, die Parkgebühr zu bezahlen und wir ihn bitten, diese noch zu entrichten», sagt Rolf Züllig.

Positive Rückmeldungen von den Erwischten

Wie viele der so Nicht-Gebüssten die Parkgebühr nachbezahlt haben, weiss Rolf Züllig nicht. Er habe aber die eine oder andere positive Rückmeldung erhalten.

«Die Leute fanden es sympathisch, dass wir ihnen ihren schönen Tag nicht mit einer Parkbusse verdorben haben.»

Dies sei eine einfache Lösung gewesen, doch leider sei der Goodwill der Gemeinde ausgenutzt worden. «Wir wissen von einem Leistungsträger, der seine Gäste informiert hat, dass sie keine Busse riskieren, auch wenn sie die Parkgebühr nicht zahlen», erzählt Rolf Züllig.

Der Gemeinderat hat darauf reagiert und ein Reglement über das Parkieren auf öffentlichem Grund erlassen. In diesem wird unter anderem geregelt, dass die Gemeinde für das Parkieren und das dauerhafte Abstellen von Fahrzeugen und Anhängern auf öffentlichem Grund eine Gebühr erheben kann.

Festgeschrieben sind auch die Tarife. «Wir gehen davon aus, dass bei uns Autos entweder kurz abgestellt werden, um eine Besorgung zu machen oder dann mehrere Stunden, wenn die Autofahrer in die Berge gehen. Für alle sollen die Gebühren erschwinglich sein», sagt Rolf Züllig. Diese Gebühren, wie auch allfällige Bussen, werden zur Finanzierung der Aufwendungen für die Parkplatzbewirtschaftung verwendet.

Das Reglement erlaubt auch nächtliche Parkverbote, die vor allem im Winter gelten, damit die Schneeräumung nicht behindert wird, falls sie notwendig wäre.

Das Parkierungsreglement gilt vorerst nur für die Parkplätze am Schwendisee und im Chuchitobel. Es könne aber auch auf andere Plätze angewendet werden, sagt Rolf Züllig.

Hinweis

Das Reglement über das Parkieren auf öffentlichem Grund liegt noch bis am 5. November im Gemeindehaus in Alt St.Johann öffentlich auf.