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Interview

Wegen Trockenheit: «Für Äschen und Forellen könnte es kritisch werden»

Noch führt die Thur genügend Wasser. Doch nimmt die Wassermenge stetig ab, während die Temperatur bald die kritische Marke für die in diesem Gewässer lebenden Fische erreicht. Eventuell kommt es zu Notfallmassnahmen
Urs M. Hemm
Seit Wochen regnet es zu wenig, das Wasser in der Thur wird knapper. (Bild: Martin Knoepfel)

Seit Wochen regnet es zu wenig, das Wasser in der Thur wird knapper. (Bild: Martin Knoepfel)

Sollte sich die Lage weiter verschlimmern, müssten die Verantwortlichen eventuell zu Massnahmen greifen, um den Fischbestand der Thur zu rette, sagt Fabian Sternig, Vizepräsident und Gewässerbewirtschafter des Fischereivereins Thur. Es gelte, die weitere Entwicklung genau zu beobachtenn.

Ist der derzeitig tiefe Wasserstand der Thur für den Fischbestand bereits bedrohlich?

Fabian Sternig, Vizepräsident Fischereiverein Thur (Bild: PD)

Fabian Sternig, Vizepräsident Fischereiverein Thur (Bild: PD)

Durch die kleinere Wassermenge verkleinert sich automatisch auch das Rückzugsgebiet für die Fische. Das bedeutet, dass sich mit sinkendem Pegelstand eine immer grössere Anzahl Fische auf immer kleiner werdendem Raum zurückziehen will. Das löst Stress bei den Fischen aus. Dies zeigt sich unter anderem, indem diese ihre Fressaktivität und Bewegung einschränken. Ein weiterer Stressfaktor sind die Badegäste im Fluss. Diese sollten sich jetzt zum Wohle der Fische besser in einem Pool oder in der Badi abkühlen.

Ein sinkender Wasserstand bedeutet gleichzeitig eine ansteigende Wassertemperatur. Ab wann wird es für die Fischpopulation in der Thur gefährlich?

Nach meinem letzten Kenntnisstand betrug die Wassertemperatur um die 21 bis 22 Grad. Damit sind wir schon sehr nahe an der Temperatur von 23 Grad dran, ab welcher es für teils Fische gefährlich wird. Insbesondere für ältere Äschen, aber ebenso für Bachforellen, könnte es bald kritisch werden. Denn auch für die Bachforelle ist derart warmes Wasser nicht günstig. Sie fühlt sich bei rund 13 Grad am wohlsten, weil ihr Stoffwechsel dann optimal funktioniert. Wie die eingeschränkte Bewegungsfreiheit löst auch eine hohe Wassertemperatur Stress aus, da kaltes Wasser sauerstoffreicher als warmes Wasser ist. Die Stresssymptome, die daraus resultieren, sind dieselben, die ich zuvor beschrieben habe.

Seit Jahren bereitet Ihnen unter anderem der Äschenbestand Sorgen. Waren alle Ihre Bemühungen, dem entgegenzuwirken, umsonst?

Zum Glück noch nicht, denn bis anhin kam es noch zu keinem Äschensterben. Im Gegenteil: In den letzten drei Jahren können wir beim Äschenbestand tendenziell einen kleinen Aufschwung verzeichnen. Dies geht, nebst dem Entnahmeverbot, sicherlich auch auf die Reproduktionsbemühungen des Amts für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St.Gallen und des Fischereivereins Thur zurück. Fischer, welche eine Äsche in der Thur fangen, müssen diese wieder in den Fluss zurücksetzen. Dabei erfassen sie eine geschätzte Grösse des Fisches und melden diese Daten mittels der Fangstatistik. Dies ist ein Indiz damit wir den Bestand der Äsche ungefähr abschätzen können.

Sind, um den Fischbestand zu schonen, Massnahmen geplant?

Die Äsche ist seit 2012 durch ein Entnahmeverbot geschützt, so dass hier zunächst einmal keine weiteren Massnahmen nötig sind. Da der Bestand der Bachforelle nach wie vor rückläufig ist, wurde ein Schonmass von 32 Zentimetern festgelegt. Das heisst, alle Bachforellen, die kleiner als dieses Mass sind, müssen in den Fluss zurückgesetzt werden. Ebenfalls haben die Fischer des Fischereivereins Thur freiwillig die Gesamtentnahme pro Saison um 50 Prozent auf 40 Bachforellen reduziert. Wir hoffen, so den Fortbestand unterstützen zu können.

Existieren Notfallpläne, um die Thur abzufischen?

Die gesamte Thur als Hauptgewässer abzufischen wäre sinnlos, da es in der Nähe kein anderes grösseres Gewässer gibt, um die Fische wieder einzusetzen. Würde die Thur trocken fallen, wäre das eine ökologische Katastrophe. Ohnehin würden die Seitenbäche, welche wir als Aufzuchtbäche nutzen, zuerst austrocknen. Daher stehen diese zurzeit unter genauer Beobachtung durch unsere Fischereiaufseher und Bachverantwortlichen. Sie kontrollieren mehrfach täglich den Wasserstand und entscheiden dann, ob weitere Massnahmen zu treffen sind. Im schlimmsten Fall müsste eine Notabfischung vorgenommen werden. Dafür stehen Mitglieder des Fischereivereins Thur und weitere freiwillige Helfer zur Verfügung. Die abgefischten Fische würden dann im Hauptsystem, sprich in die Thur, eingesetzt werden.

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