Wegen des Ritters Leseschwäche

Die Kunst der Heraldik entstand im Mittelalter. Sie regelt, wie ein Wappen gestaltet werden darf und was nicht auf ein gehört.

Urs M. Hemm
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Der Ursprung des Wappens – die Bezeichnung führt auf den Begriff «Waffe» zurück – liegt im Mittelalter. «Als die Ritter begannen Rüstungen mit Helmen zu tragen, waren sie im Kampf mit geschlossenem Visier nicht mehr zu erkennen», erläutert Hans Rüegg, Mitglied der Stiftung Schweizer Wappen und Fahnen. Daher wurde damit begonnen, die Schilde zu bemalen, um Verwechslungen im Kampf zu vermeiden. «Wichtig dabei war, dass das Zeichen auch auf grössere Distanz erkennbar war, woraus sich schliesslich die heraldischen Regeln entwickelten», sagt Hans Rüegg weiter.

Einer der wichtigsten heraldischen Grundsätze betrifft die Farben. So beschränkt sich die Heraldik auf die Farben Rot, Blau, Schwarz und Grün. Dazu kommen Gold und Silber, welche als Metalle bezeichnet werden und meist in Gelb und Weiss dargestellt werden. Um die Unterscheidbarkeit auf grosse Distanz sicherzustellen, darf niemals Farbe auf Farbe oder Metall auf Metall gelegt werden.

Die Mähne des Löwen

Des Weiteren sollten die dargestellten Figuren den Raum des Schildes möglichst ausfüllen, um Leerräume zu vermeiden. Die Figuren und Symbole sollten aber nicht nur gross, sondern auch möglichst stilisiert, das heisst einfach dargestellt sein. So sollte beispielsweise bei der Darstellung eines Pflugs nicht der ganze Pflug, sondern nur die Pflugschar abgebildet werden. Landschaften sollten vermieden werden. Bei Tieren sollten deren Erkennungsmerkmal, wie die typische Mähne des Löwen, besonders markant dargestellt werden, damit der Löwe als solcher auch erkennbar war. Verpönt sind ausserdem Zahlen und Buchstaben. Diese Regel stammt aus der Entstehungszeit der Wappen, als das Lesen und Schreiben nicht zu den Stärken des Rittertums gehörte.

Grundsätzlich sind alle Gegenstände aus der Zeit der Ritter darstellbar. Nicht erlaubt ist aber alles aus der Zeit danach. So präsentierte beispielsweise die politisch gefärbte Heraldik der Sowjetunion ihre Errungenschaften wie Mähdrescher, Hochspannungsleitungen, oder Mondraketen.

Wappen erst ab den 30er-Jahren in der Schweiz populär

In der Schweiz erlebte auf Gemeindeebene das Führen eines Wappens erst in den Dreissigerjahren einen Aufschwung. Denn die Macher der Landesausstellung 1939 planten eine Allee, Höhenweg genannt, mit allen Gemeindewappen zu beflaggen. Um nicht im Abseits zu stehen, beschlossen daher beinahe alle Gemeinden, sich ein Wappen zuzulegen.

Heute hat das Gemeindewappen zwar nicht an Bedeutung zur Identitätsstiftung verloren, dennoch führen viele Gemeinden parallel dazu ein Gemeindelogo, welches sie als Briefkopf oder für ihren Internetauftritt nutzen.

Spätesten am nächsten Dorffest aber wird wieder voller Stolz das Wappen zur Beflaggung gehisst werden.