Wegen Corona-Virus: Heimaturlaub im Toggenburg zieht sich in die Länge – Auswanderer Walter Herzog und seine Familie wollen nach China zurück

Der China-Auswanderer Walter Herzog kann zurzeit nicht nach China zurückfliegen. Schuld ist das Corona-Virus.

Michael Hug
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Der Degersheimer Walter Herzog sitzt derzeit in der Schweiz fest. Rückkehr nach China ist wegen des Corona-Virus ausgeschlossen.

Der Degersheimer Walter Herzog sitzt derzeit in der Schweiz fest. Rückkehr nach China ist wegen des Corona-Virus ausgeschlossen.

Bild: Michael Hug

«Der Rückflug wurde gecancelt», sagt Walter Herzog. Am Samstag, 8. Februar, wollte Herzog mit seiner Frau und seinem Sohn nach Ningbo zurückfliegen. Doch daraus wird nichts. Die Fluggesellschaft Swiss sagte den Flug nach Shanghai ab und auch alle weiteren bis Ende Februar. «Wann wir nun heimfliegen, ist jetzt völlig ungewiss», erklärt Herzog, der ursprünglich aus Degersheim stammt.

Doch der Flug zurück nach Ostchina ist seine kleinere Sorge. Denn mehr zu denken gibt Herzog die Auswirkungen der Viruskrise in China für sein Geschäft: «Das wird einen grossen Rückschlag geben, denn wenn nichts läuft, wird auch nichts verkauft.» Wann wieder etwas läuft, weiss zurzeit niemand.

Corona-Virus verhindert alles

Am 18. Januar ist Walter Herzog mit seiner Familie in die Schweiz geflogen. «Nicht wegen des Corona-Virus, sondern weil wir jedes Jahr um diese Zeit in die Schweiz reisen.» Das hat seinen Grund im Jahreswechsel in China, der stets einige Wochen, je nach Stand des Mondes, nach dem westlichen Neujahr ist.

«Um das chinesische Neujahr herum sind die Betriebe in ganz China und die Schulen zehn Tage geschlossen. Dann findet stets eine riesige Reisewelle statt. Die Leute reisen zu ihren Verwandten aufs Land oder in eine andere Stadt. Dann sind Millionen von Menschen unterwegs.»

Auch sein Betrieb, der Zubehör für die Maschinenindustrie herstellt, ist dann üblicherweise geschlossen und der Geschäftsführer reist in die Schweiz: «Ursprünglich haben wir geplant, dass wir unseren Betrieb am 31. Januar wieder aufnehmen.» Doch dann kam das Corona-Virus dazwischen.

Zur Person


Walter Herzog war Kadermitglied der bis im Jahr 2015 in Wolfertswil beheimateten Herzog AG. Heute ist der Betrieb in Flawil angesiedelt. Walter Herzog zog im Jahr 2007 nach Ningbo, eine Stadt in der Nähe von Schanghai, um in China einen Zweigbetrieb aufzubauen. Dieser sollte vorwiegend den asiatischen Markt in China, Südkorea und Japan beliefern.

Die Herzog (China) Co. Ltd beschäftigt derzeit rund 20 Mitarbeitende. Die Herzog AG in Flawil ist nach eigenen Angaben Marktführer im Zubehörgeschäft für Spritzgussmaschinen und beliefert alle namhaften Hersteller weltweit.

Walter Herzog ist mit einer Chinesin verheiratet und hat einen sechsjährigen Sohn sowie eine erwachsene Tochter aus erster Ehe. (mhu)

Herzog erzählt, dass man in den Tagen vor seinem Abflug schon gehört und gelesen habe, dass da ein neues Virus ausgebrochen sei: «Aber das war in der Stadt Wuhan, zwei Flugstunden weit weg von Ningbo.» Weder bei der Ausreise in Shanghai noch bei der Einreise am Flughafen Zürich hätte es irgendwelche Kontrollen gegeben, erinnert sich Herzog.

Nun verfolgt er die Entwicklung in China über die hiesige Presse: «Meine Frau, die Chinesin ist, informiert sich intensiv via Telefon, Internet und Skype, sie ist sehr gut auf dem Laufenden, auch weil ihre Verwandten ja dort sind.»

Empfehlung ist Anordnung

Derzeit gäbe es in Bei Lun, einem Vorort von Ningbo, wo die Herzogs leben, keine besonderen Massnahmen wegen des Virus, sagt Herzog. Er betont: «Doch die chinesische Regierung hat empfohlen, dass die Betriebsferien eine Woche länger dauern sollen.»

Eine Empfehlung der Regierung komme in China einer Anordnung gleich. Somit sei die Wiederaufnahme der Betriebstätigkeit auf den 10. Februar angesetzt. Ausserdem blieben die Schulen bis mindestens 17. Februar geschlossen. Was nicht heisst, dass der Schulbetrieb eingestellt ist:

«Die Schulen unterrichten ab Ferienende, dem 10., über das Internet. Auch mein Sohn, der zurzeit mit mir in der Schweiz ist, bekommt seine Hausaufgaben via E-Mail und er löst sie.»

Die Arbeiter werden die zusätzlichen Zwangsferientage später mit Überzeit abbauen müssen. Die Industriebetriebe in der Millionenstadt Ningbo stehen zurzeit still, aber Frisch- und Supermärkte sowie Restaurants sind geöffnet. Es gäbe keine Versorgungsengpässe, sagt Herzog. Autobahnen, Züge, Subway: Es herrsche Normalbetrieb ausser in Gebieten mit viel Viruserkrankungen. «Die Leute können sich frei bewegen. Sie werden gebeten, sich mit Masken zu schützen.»

Alles ist wie ausgestorben

Doch die Strassen in Bei Lun sind wie ausgestorben, sagt der Auswanderer: «So ein Bild habe ich noch nie gesehen. Normal ist immer sehr viel Betrieb auf den Strassen und Tausende von Menschen sind unterwegs.»