Wechsel in der Führung und ein neuer Name: Aus Kiss wird «Zeitgut Toggenburg»

Die Genossenschaft für Nachbarschaftshilfe benennt sich um in« Zeitgut Toggenburg». Der neue Präsident Markus Windirsch will das Angebot in der Region flächendeckend bekannt machen.

Sascha Erni
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Lichtensteig tritt aus dem Fokus: Markus Windirsch (vorn) aus Wattwil folgt auf Roland Walther als Präsident von «Zeitgut Toggenburg».

Lichtensteig tritt aus dem Fokus: Markus Windirsch (vorn) aus Wattwil folgt auf Roland Walther als Präsident von «Zeitgut Toggenburg».

Bild: Sascha Erni

Die Genossenschaft für Nachbarschaftshilfe wirkt ab dem 1.April unter neuem Namen, so hat es die Urnenabstimmung beschlossen. Auch personell gibt es Änderungen. «Beim Durchschnittsalter unserer Mitglieder war uns früh klar, dass wir die für März geplante Generalversammlung nicht durchführen können», erzählt Roland Walther mit Blick auf die Coronakrise.

Nicht Lichtensteig, sondern Toggenburg

Der abtretende Präsident der «Kiss Toggenburg» hatte mit dem Vorstand entsprechend schon vor den weitreichenden Versammlungsbeschränkungen von Bund und Kanton eine briefliche Abstimmung anberaunt. 58 Prozent der Mitglieder machten von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Mit einem Ergebnis von 103 Stimmen bei drei Enthaltungen wählten die Genossenschafter Markus Windirsch aus Wattwil zum neuen Präsidenten.

Auch den Vorstand bestätigten sie beinahe einstimmig, ebenso die Statutenänderungen. Grund für diese Anpassungen ist eine Namensänderung der Genossenschaft: Ab dem 1.April wirkt die regionale Nachbarschaftshilfe nun als «Zeitgut Toggenburg». «Für unsere Mitglieder ändert sich bis auf den Namen nichts», versichert Markus Windirsch kurz nach seiner Wahl.

Genossenschaft will ihre Autonomie behalten

Nötig geworden war die Namensänderung wegen der Gründung der Stiftung «Fondation Kiss», erklärt Windirsch. Die Stiftung hatte sich 2019 schweizweit die Namensrechte an «Kiss» gesichert und die regionalen Genossenschaften vor die Wahl gestellt: Der Stiftung beitreten, oder den Namen abgeben. Die Autonomie der Toggenburger Genossenschaft wäre mit einem Beitritt erheblich eingeschränkt worden, hatte der Vorstand Ende Jahr erläutert, und legte den Mitgliedern die nun angenommene Namensänderung nahe.

Personell ändert sich bei Zeitgut nur wenig. Roland Walther aus Lichtensteig, der während der dreijährigen Aufbauphase das Präsidium innehatte, bleibt Vorstandsmitglied. Der Lichtensteiger Stadtpräsident Mathias Müller jedoch tritt aus dem Vorstand aus. Auch, um ein Zeichen zu setzen. «Die Genossenschaft wurde oft mit Lichtensteig gleichgesetzt, das wollen wir ändern und stärker signalisieren, dass es sich bei Zeitgut um ein Angebot fürs gesamte Toggenburg handelt», so Walther. Mit dem Wattwiler Markus Windirsch habe man auch in der Hinsicht den idealen Nachfolger gefunden.

«Toggenburg hilft» erwartet grossen Bedarf

In der Aufbauphase sei dank der hervorragenden Arbeit der Verwaltung unter Vorsitz von Roland Walther, dem unermüdlichen Koordinationseinsatz von Silvia Frick und vor allem durch das grosse Engagement der Genossenschafterinnen und Genossenschafter ein hervorragendes, stabiles Fundament entstanden, sagt Markus Windirsch.

Er möchte mit Zeitgut das Toggenburg zunehmend flächendeckend versorgen und zusätzliche Kollektivmitglieder, etwa Institutionen oder Kirchgemeinden, gewinnen. Ein mögliches neues Mitglied stehe in den Startlöchern: «Gemeinde Kirchberg bewegt» beantragt beim Kirchberger Gemeinderat auf Mitte April den Beitritt Kirchbergs.

Ebenfalls schon bald erwarten Markus Windirsch und Roland Walther ein wachsendes Interesse für die Aktion «Toggenburg hilft». Die Aktion koordiniert auf Initiative von Zeitgut die regionale Corona-Nachbarschaftshilfe professionell. «Toggenburg hilft» wendet sich besonders an Senioren und alle übrigen Risikogruppen sowie Menschen in Quarantäne.

Die Aktion sieht sich nach innerfamiliärer und nachbarschaftlicher Versorgung als ein drittes vertrauenswürdiges Standbein. Gegen 150 freiwillige Helferinnen und Helfer haben sich bisher verpflichtet, ab nächster Woche werden aber die Einsätze zunehmen, ist sich Roland Walther sicher. «Viele Interessenten haben uns gesagt, dass sie uns noch nicht brauchen, sie hätten noch bis Ende Woche Vorräte. Wir rechnen also bereits in wenigen Tagen mit einer starken Zunahme an Einkaufsdiensten.»

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