Wattwiler Langläufer Beda Klee brennt auf die Saison: «Ich habe über 100 Stunden mehr trainiert»

Langläufer Beda Klee ist für die Rennen in Finnland und Norwegen gesetzt. Der 23-Jährige hat in der Saisonvorbereitung auf dem «Gladiator-Fitness-Parcours»  Schweizer Sportgrössen beeindruckt.

Urs Huwyler
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Seine athletische Klasse hat Beda Klee auch im Update Münchwilen auf dem «Gladiator-Parcours» bewiesen. (Bild: Urs Huwyler)

Seine athletische Klasse hat Beda Klee auch im Update Münchwilen auf dem «Gladiator-Parcours» bewiesen. (Bild: Urs Huwyler)

Seit Montag weilt der Wattwiler Beda Klee beim Weltcupauftakt der Langläufer im finnischen Ruka. «Ich werde in allen drei Rennen eingesetzt», freut sich der Aufsteiger der letzten Saison. Im Sprint, über 15 Kilometer klassisch und im Verfolgungsrennen in der freien Technik. «Eine Woche später gehöre ich zudem dem Weltcup-Team in Lillehammer an. Vielleicht darf ich dort erstmals mit der Staffel starten. Darüber würde ich mich ganz besonders freuen», erzählt Klee, der dem nationalen A-Kader angehört.

Seit Mai haben sich die Nordischen für vier Wettkampf-Monate vorbereitet. Also höchste Zeit, dass es losgeht und der erste internationale Vergleich Aufschlüsse über den Formstand der Athleten liefert. «Ich habe mehr trainiert als vor einem Jahr. Obwohl wir uns teamintern fordern und anspornen», so Beda Klee, «wissen wir alle nicht genau, wo wir im Vergleich zur ausländischen Konkurrenz stehen.» Obwohl sich die zweite Reihe mit Weltklassemann Dario Cologna messen kann.

Weltcuppunkte als Ziel in Skandinavien

Nach dem Weltmeisterschaft-Winter 2018/19 galt es für den 23-jährigen Toggenburger bezüglich Intensität den nächsten Schritt Richtung Weltspitze zu tun.

«Ich habe 100 Stunden mehr trainiert. Die Steigerung war nötig, um mich dem höheren Niveau anpassen und eine ganze Saison durchstehen zu können.»

Ein Höhentrainingslager in der Sierra Nevada in Spanien brachte ebenfalls neue Erfahrungen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg unter dem jetzigen Trainerduo Ivan Hudac/Peter von Allmen jedoch nicht nur die Belastung, sondern es wurde parallel dazu der Erholung mehr Beachtung geschenkt.

Erste Auswirkungen zeigten sich am Micarna-Teamtag. Klee bot auf dem «Gladiatoren»-Parcours im Update Münchwilen eine von Selina Büchel über Stefan Küng bis Salomé Kora bestaunte Leistung. Einzig Turner Pablo Brägger und Sportklettererin Alina Rina – beide sind im Olympia-Kader – hangelten sich gleich elegant vom einen zum andern Hindernis. Im Schlangenzoo in Eschlikon liess sich Tierfreund Klee ebenfalls nicht aus der Ruhe bringen. Ob Boa oder Python – Berührungsängste kannte er nicht. Nach Einschätzung des SC Speer-Mitgliedes trainiert Olympiasieger Cologna noch einige Stunden mehr als die internen Nummern zwei bis zehn. Beda Klee:

«Dario ist nach intensiven Wochen weniger ‹kaputt› als ich. Bezüglich des Pensums hat sich der Abstand zu ihm aber in den vergangenen Monaten deutlich verringert. Dass ich die Anpassung gefühlsmässig gut überstanden habe und ich mich nicht müde fühle, stimmt mich zuversichtlich.»

Der Teamleader soll Podestplätze herauslaufen, Beda Klee sich in den Punkterängen klassieren.

Leicht dürfte es für beide Swiss-Ski-Athleten nicht werden. Schon gar nicht beim Auftakt in Finnland und Norwegen. «Ich hoffe, mit der einen oder anderen Top 30-Platzierung auf dem Konto beim anschliessenden Heim-Weltcup in Davos starten zu können. Wer schon Elfter und Zwanzigster an der Tour de Ski war, möchte sich nicht mehr mit Rang 40 zufriedengeben», betont der mehrfache Schweizer Meister.

Beda Klee (Nummer 24) versucht sich wie bei seinem elften Rang in Oberstdorf in der Weltelite zu etablieren. Im beginnenden Winter gehört der 23-Jährige zum Weltcup-Team von Swiss-Ski. (Bild: Urs Huwyler)

Beda Klee (Nummer 24) versucht sich wie bei seinem elften Rang in Oberstdorf in der Weltelite zu etablieren. Im beginnenden Winter gehört der 23-Jährige zum Weltcup-Team von Swiss-Ski. (Bild: Urs Huwyler)

Günstiger Zeitpunkt im kommenden Winter

Im Sprint, dem ersten Rennen in Finnland, käme es einer Überraschung gleich, reichte es dem zweifachen WM-Vierten (Junioren/U23) zur Viertelfinal-Qualifikation und unter die Top 30. Zumal den Schweizer Spezialisten vereinzelt, mit Ausnahme von Jovian Hediger, selten ein Spitzenergebnis gelang. Beda Klee sprintete am Nordic Weekend in Realp hinter dem Duo Jonas Baumann/Roman Furger, jedoch eine Zehntelsekunde vor Dario Cologna, auf Rang drei.

Ein Indiz dafür, was sich der Jüngste im A-Kader erhofft: «Ich möchte mich als Allrounder weiterentwickeln und nicht auf eine Disziplin spezialisieren.» Der Zeitpunkt, um sich im Weltcup zu etablieren, scheint günstig. Im beginnenden Winter stehen weder Olympische Spiele noch Weltmeisterschaften auf dem Programm. Der Selektionsdruck entfällt damit. «Aber», schränkt Realist Beda Klee ein, «unter dem Strich zählen auch im Langlauf die Resultate.»