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Wattwiler Hund verendet wegen Gift-Köder – Besitzer erstattet Anzeige gegen Unbekannt

Kurz nach Beginn des neuen Jahres stirbt der Hund Blacky, weil er giftige Schneckenkörner frisst. Alles deutet darauf hin, dass die Vergiftung vorsätzlich herbeigeführt wurde. Blacky war vor drei Jahren dem Tod durch Vergiftung knapp entronnen.
Timon Kobelt
Am Tag des 1. Januar ging es Blacky noch blendend. Er tobte sich im frisch gefallenen Schnee im Toggenburg aus. Es sollte sein letztes Winter-Abenteuer sein. (Bild: PD)

Am Tag des 1. Januar ging es Blacky noch blendend. Er tobte sich im frisch gefallenen Schnee im Toggenburg aus. Es sollte sein letztes Winter-Abenteuer sein. (Bild: PD)

Einen unschönen Auftakt ins neue Jahr erlebte die Familie Luginbühl aus Wattwil. Ihr Hund Blacky erlag am Nachmittag des 4. Januar einer Vergiftung, die durch Schneckengift-Körnern verursacht worden war. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich um eine vorsätzliche Vergiftung, da die Tierklinik Nesslau bei einer Magen-Darm-Spülung eine grosse Menge Schneckenkörner und auch mehrere Cervelat-Stückchen gefunden hat. «Für mich ist klar, dass es sich hier um eine absichtliche Tat handelte. Jemand hat die Schneckenkörner in den Wurststückchen versteckt und so den Tod von Blacky herbeigeführt», sagt Carla Leutenegger von der Tierklinik Nesslau.

Schlimme Vergiftung für einen Hund

Was war genau passiert? Erich Luginbühl brachte Blacky am Morgen des 2. Januar in die Tierklinik Nesslau. «Er muss die Giftkörner am Vorabend gefressen haben, denn am 2. Januar war ich mit Blacky noch nicht draussen», sagt Erich Luginbühl. Das Gutachten der Tierklinik Nesslau bestätigt dies: «Da die Körner den Verdauungstrakt bei der Einlieferung bereits passiert hatten, muss Blacky die Schneckenkörner am Vorabend aufgenommen haben», heisst es darin. Erich Luginbühl fand am 2. Januar mehrere jener blauen Schneckenkörner, die zu Blackys Verhängnis wurden, auf einem Schulweg im Bergli-Quartier in Wattwil.

Diese blauen Schneckengiftkörner besiegelten Blackys Schicksal. (Bild: PD)

Diese blauen Schneckengiftkörner besiegelten Blackys Schicksal. (Bild: PD)

Der Besitzer einer Werbeagentur ist tief schockiert ob dem Ableben seines Hundes. «Ich kann es nicht fassen. Er war ein sehr treuer, aufgestellter und kinderfreundlicher Hund. Wir haben viel Schönes miteinander erlebt», sagt Erich Luginbühl. Er vermute, dass die Person, die für Blackys Tod verantwortlich sei, die Begebenheiten im Quartier genau kenne:

«Jemand in der Umgebung nimmt mit einer solchen Aktion bewusst in Kauf, dass Tiere elendiglich krepieren»

Carla Leutenegger bestätigt, dass das Wort krepieren im Fall von Blacky nicht übertrieben ist. Sie sagt:

«Es ist eine schlimme Vergiftung für einen Hund, ein jämmerliches Zu-Grunde-Gehen»

Blacky habe einen langandauernden epileptischen Anfall erlitten. Nebst Krämpfen habe auch der grünlich-blau verfärbte Kot rasch auf eine Vergiftung hingedeutet. Sie seien gezwungen gewesen, Blacky in ein künstliches Koma zu versetzen. Schliesslich starb er nach knapp dreitägigem Kampf. «Man muss sich vorstellen, dass es beispielsweise einem Fuchs, der diese Körner verschlucken würde, noch schlimmer erginge. Den bringt niemand zum Tierarzt», sagt Carla Leutenegger.

Nicht die erste Vergiftung Blackys

Gemäss der Tierklinik in Nesslau wurde Blacky nicht zum ersten Mal vergiftet. Im März 2016 sei er mit den gleichen Symptomen eingeliefert worden. Damals habe er die Giftkörner am Thurweg aufgelesen und es sei eine intensive Behandlung notwendig gewesen, um den Jack Russel Terrier vor dem Tod zu bewahren. «Dass er dazumal überlebt hat, hängt auch damit zusammen, dass er drei Jahre jünger war. Inzwischen ist er fast 16 Jahre alt. Das ist viel für einen Hund», erklärt Carla Leutenegger. Ausserdem sei Blacky 2016 schneller in die Klinik gebracht worden.

Die Geschwindigkeit könne entscheidend sein, so die Tierärztin. Sie appelliert an alle Hundebesitzer, die Tiere sofort zur Untersuchung zu bringen, sollten sie etwas Unbekanntes fressen. Carla Leutenegger erklärt:

«Im Notfall können wir die Tiere dann sofort zum Erbrechen bringen oder den Magen spülen, und Schlimmeres verhindern»

Ausserdem weist sie darauf hin, dass man die Hunde nach Möglichkeit stets an der Leine und unter Kontrolle hat, da manche von ihnen alles fressen würden, was herumliege. Daher resultierten die meisten Hundevergiftungen, mit denen sie zu tun hätten, aus Unfällen. «Gerade während der Weihnachtszeit kann es vorkommen, dass Hunde aus Versehen Schokolade fressen. Auch Dünger verschlucken sie gerne mal in der Nähe von Feldern», erzählt Carla Leutenegger. Vergiftungen wie jene von Blacky dagegen seien Absicht und somit zu verurteilen. Zum Glück kämen solche eher selten vor.

Keine einfachen Fälle für die Polizei

Erich Luginbühl hat bei der Polizei Anzeige erstattet. Der Rapport des vorliegenden Falls sei noch nicht vollständig, erklärt Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, auf Anfrage. Sollte die Polizei nichts Konkretes finden, das auf die Täterschaft hindeutet, werde der Rapport mit Anzeige gegen Unbekannt an die Staatsanwaltschaft weitergegeben. «Es handelt sich um keine einfachen Fälle für die Polizei. Wir suchen natürlich nach Spuren aber es ist sehr schwierig, solche zu finden, wenn jemand etwas wie Schneckenkörner auslegt», erklärt Schneider.

Hundevergiftungen

Die Stiftung Tox Info Suisse meldet eine Zunahme der Beratungen zu Tiervergiftungen in den vergangenen zehn Jahren. 2180 mal hat die Stiftung im Jahr 2018 zu Tiervergiftungen unter der Telefonnummer 145 beraten, davon waren 1630 mal Hunde betroffen. «Giftköder sind dabei eine Rarität», sagt Hugo Kupferschmidt, Direktor der Stiftung Tox Info Suisse. Wird ein Hund mutwillig durch einen Giftköder vergiftet, sei das immer ein grosses Thema in den Medien. «In schätzungsweise 98 Prozent unserer Fälle haben wir es aber nicht mit Giftködern zu tun», sagt Kupferschmidt. Meistens handle es sich um Hunde, die irgendetwas auf dem Spazierweg oder im Haus gefressen haben, das ihnen schadet. Hunde seien besonders gefährdet: Sie neigten dazu, alles zu verschlingen, was sie finden.

Symptome für Vergiftungen sind unter anderem Übelkeit, Durchfall, helle Schleimhäute im Rachenbereich, starkes Speicheln oder übermässiges Hecheln. Auch Atemstörungen oder Krämpfe können auf Vergiftungen hinweisen. Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten rät in einem solchen Fall, den Hund nicht zum Erbrechen zu bringen. Denn Gifte könnten den Rachen verätzen, scharfe Gegenstände könnten ihn verletzen. Hundehalter sollten schnellstmöglich den Tierarzt anrufen und die Symptome schildern, damit der Arzt ein allfälliges Gegengift bereit legen kann. Vier Pfoten empfiehlt zudem jedem Hundehalter, einen Erste-Hilfe-Kurs für Tiere zu absolvieren. (lim)

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