Wattwiler Gemeinderat fordert Zusatzschlaufe fürs Spital

Die Zeit bis zur Behandlung der Spitalstrategie im Kanton ist gemäss dem Wattwiler Gemeinderat zu kurz, als dass man die drängenden Fragen konkret genug klären könnte.

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Der Wattwiler Gemeinderat will mehr Zeit, um für das Spital Wattwil eine gute Lösung zu finden.

Der Wattwiler Gemeinderat will mehr Zeit, um für das Spital Wattwil eine gute Lösung zu finden.

Bild: Ruben Schönenberger

(pd/rus) Der Wattwiler Gemeinderat ist mit der aktuellen Lösung in der Spitaldebatte nicht zufrieden. Die Regierung plant, in Wattwil mit der Solviva AG ein Angebot für die Langzeitpflege als eine Art Nachfolgelösung für das Spital aufzubauen. Der Gemeinderat anerkenne zwar die Bemühungen der Regierung, für den Standort Wattwil eine spezifische Lösung zu finden, schreibt dieser in einer Mitteilung vom Freitag. Doch:

«Der Vorschlag ist allerdings für eine längerfristig verlässliche Sicherung der medizinischen Versorgung im Toggenburg noch viel zu vage.»

Der Gemeinderat zähle deshalb darauf, dass der Kantonsrat die medizinische Unterversorgung verhindere. Wie in Walenstadt soll es deshalb eine Zusatzrunde ermöglichen, weitere Abklärungen zu treffen. «Der Gemeinderat zählt darauf, dass die Toggenburger Mitglieder des Kantonsrats ihre Kolleginnen und Kollegen davon überzeugen können, dass die Konkretisierung der für Wattwil angedachten Lösung mehr Zeit braucht, als bis zur 2. Lesung im Kantonsrat Mitte Mai zur Verfügung steht», ist der Mitteilung weiter zu entnehmen.

Pflegeangebot bleibe vage und fragil

Der Gemeinderat hat nach der Bekanntgabe der Pläne der Regierung eine ausserordentliche Sitzung abgehalten. «Der Gemeinderat erkennt im Vorschlag für den Spitalstandort Wattwil Ansätze, die er im Modell ‹Integrierte Gesundheitsversorgung Toggenburg› vor einem Jahr in den Strategieprozess eingebracht hatte», fasst Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner die Diskussion zusammen.

Das angedachte Gesundheits- und Notfallzentrum (GNZ) mit Pflegeangebot bleibe aber «äusserst vage und fragil». Das medizinische Angebot sei zur Sicherung der Grundversorgung zu gering.

Drei Punkte stehen bei der Gemeinde im Fokus

  • Die überkantonale Zusammenarbeit bleibe trotz mehrfacher Forderung weiter ausgeblendet, weil der Kanton Thurgau in den Ostschweizer Koordinationsarbeiten aussen vor bleibe, «obwohl er sich explizit offen gezeigt hat für eine Zusammenarbeit». Das sei unbedingt zu klären, um eine nachhaltig tragfähige Lösung für den Westen des Kantons zu erhalten.
  • Entscheidenden Klärungsbedarf sehe der Gemeinderat Wattwil bei der vorgesehenen Lösung der Langzeit-Spezialpflege. Expertenbeurteilungen dazu fielen gleichermassen kritisch aus. «Damit die Idee an Verlässlichkeit gewinnt, müsste ein konkretes Konzept ausgearbeitet werden», fordert die Gemeinde. Ein solches liege derzeit nicht vor. «Die Vorlage bleibt in entscheidenden Fragen schwammig – etwa zu den völlig neuen Begriffen der ‹Hochdemenz›, der ‹Passerellen-Betten› und der ‹Langzeit-Spezialpflege› an sich oder zum Verkauf und zu den Nutzungsanteilen der Immobilie», betont Alois Gunzenreiner. Vor einem Entscheid müssten Finanzierungs-, Bewilligungs und Bedarfsplanungsfragen geklärt werden. Zudem müsse eine Abgrenzung zu bestehenden Angeboten in der Region erfolgen. «Ein solch neues Angebot – insbesondere in Sachen Demenz – wird sich direkt auf die Alters- und Pflegeheime in der Region sowie auf das Kompetenzzentrum Demenz in Wil auswirken», ist die Gemeinde sicher.
  • Zu wenig geklärt sei schliesslich die Frage, wie das GNZ in Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten funktionieren soll. Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner sagt dazu: «Die 24/7-Spezialpflege rund um die Uhr setzt die unmittelbare Nähe zu einem Akutspital voraus – oder mindestens die Ergänzung des GNZ um Innere Medizin.» Eine Kombination mit einem internistischen und akutgeriatrischen Angebot oder mit geriatrischer Rehabilitation sei gemäss Experten ideal und würde zusätzliche Synergien bieten. Diese Ergänzung habe im Toggenburg angesichts der unterdurchschnittlichen Ärztedichte und des im Vergleich überdurchschnittlich hohen Alters der Niedergelassenen und der Bevölkerung in der Region besondere Bedeutung.

Zusatzrunde gefordert

Damit diese drei Punkte seriös und konkret genug geklärt werden könnten, brauche es mehr Zeit als bis zum 20. April – dann beginnt die Aprilsession – zur Verfügung stünde. Schliesslich seien auch die Auswirkungen auf die Spitex und deren kommunale Finanzierung einzubeziehen.

«Im Interesse einer langfristig tragfähigen Lösung, welche die Gesundheitsversorgung im Toggenburg sichert, hoffen wir, dass der Kantonsrat der Regierung die Zeit zur Ausarbeitung der nötigen Grundlagen gibt und für Wattwil dieselbe ‹Zusatzrunde› einbaut, wie das die Regierung bereits für Walenstadt vorsieht. Wir sind überzeugt: Was für den Südosten des Kantons möglich wurde, ist es auch im Nordwesten», schreibt der Gemeinderat abschliessend.

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