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Wattwiler Bevölkerung zeigt Solidarität mit ihrem Spital

Dem Verwaltungsrat der Spitalverbunde blies im Wattwiler Thurpark beim Bevölkerungsgespräch ein steifer Wind entgegen. Ganz offensichtlich war die grosse Mehrheit der Besucherinnen und Besucher gegen die Schliessung des Spitals.
Martin Knoepfel
Der grosse Saal des Thurparks war beim Bevölkerungsgespräch zur Zukunft des Spitals Wattwil bis auf den letzten Platz besetzt. (Bild: Martin Knoepfel)

Der grosse Saal des Thurparks war beim Bevölkerungsgespräch zur Zukunft des Spitals Wattwil bis auf den letzten Platz besetzt. (Bild: Martin Knoepfel)

Beim Eingang zum Thurpark gab’s Bratwürste vom Grill. Offeriert hat sie der Förderverein Regionalspital, da es um die Wurst ging. Drin waren alle Stühle im grossen Saal besetzt und die Faltwand zum kleinen Saal war offen, damit mehr Besucher Platz fanden. Andere standen den Wänden entlang. Auch auf der Estrade drängten sich Menschen.

Etwa 700 Personen kamen am Mittwochabend zum Bevölkerungsgespräch über die Zukunft des Spitals Wattwil. Die Gegner der Schliessung waren klar in der Mehrheit. Das war der Lautstärke des Beifalls nach den Voten zu entnehmen. Referenten waren die Regierungsräte Heidi Hanselmann, Marc Mächler und Beni Würth sowie der Verwaltungsratspräsident der Spitalverbunde, Felix Sennhauser, und Verwaltungsrätin Yvonne Biri Massler.

Hanselmann: «Entscheid noch nicht gefallen»

Heidi Hanselmann. (Bild: Regina Kühne)

Heidi Hanselmann. (Bild: Regina Kühne)

Die Situation heute habe man vor wenigen Jahren nicht vorhersehen können, sagte Heidi Hanselmann. Der Bundesrat habe in die Tarifstruktur eingegriffen. Den St. Galler Spitälern fehlten 15 bis 25 Millionen Franken pro Jahr. Für gewisse Behandlungen gebe es keine kostendeckende Vergütung, vor allem für komplexe Fälle, sagte die Regierungsrätin. Dazu komme, dass sechs Arten von Operationen ab 2019 ambulant erfolgen müssten.

Zum Zeitplan hielt die Regierungsrätin fest, dass man bis Herbst 2019 die Strategie konkretisieren und sagen wollen, was wo möglich sein. 2020 solle die Beratung im Regierungs- und im Kantonsrat folgen. Ein Entscheid über den Weiterbestand des Spitals Wattwil sei noch nicht gefallen. Alternativen würden «ergebnisoffen» geprüft.

Sennhauser: «In Zukunft braucht es weniger Betten»

Felix Sennhauser. (Bild: PD)

Felix Sennhauser. (Bild: PD)

Der Fortschritt in der Medizin erlaube mehr ambulante Eingriffe. Also brauch es weniger Betten, sagte Felix Sennhauser. Er erwartet dieses Jahr ein Defizit von sechs Millionen Franken in der Spitalregion Fürstenland-Toggenburg. Letztes Jahr habe es in Wattwil «ungefähr zweieinhalbtausend» (laut Folie 2684) Patienten gegeben. Seit 2012 seien das 20 Prozent weniger Pflegetage bei zehn Prozent weniger Patienten, sagte Felix Sennhauser. Er kündigte auch an, dass ab dem 1. April dringliche Notfalloperationen nur in Wil erfolgen. Dafür würden geriatrische Patienten früher nach Wattwil verlegt.

An die niedergelassenen Ärzte richtete Felix Sennhauser die Frage, ob sie genug für die Nachwuchsförderung täten. «Hundsgemein» nannte das der Präsident des Toggenburger Ärztevereins. Auf eine Frage aus dem Publikum antwortete Felis Sennhauser, der Verwaltungsrat sei offen für eine interkantonale Zusammenarbeit. Hingegen fehlten die Partner.

Würth: «Struktur nachhaltig gestalten»

Benedikt Würth. (Bild: Mareycke Frehner)

Benedikt Würth. (Bild: Mareycke Frehner)

«Nichts tun wäre falsch», sagte Regierungsrat Beni Würth, der darauf hinwies, dass der Kanton über 500 Millionen Franken pro Jahr für die Gesundheitsversorgung aufwende. Anstatt mehr Geld in die heutige Struktur zu investieren, will er diese Struktur finanziell nachhaltig gestalten. Den Gegnern der Spitalschliessung warf er vor, sie zählten darauf, dass bei einem Bankrott eine Kasse in St. Gallen bezahle.

Mächler: «Ich bin tief beeindruckt»

Marc Mächler. (Bild: Regina Kühne)

Marc Mächler. (Bild: Regina Kühne)

Marc Mächler zeigte sich vom Besucheraufmarsch «tief beeindruckt». Er will sich für eine zukunftsgerichtete Lösung in Wattwil einsetzen, welche nicht unbedingt der Status quo sein wird. Gemäss Marc Mächler steht der Lenkungsausschuss hinter dem Baustopp.

Der Baudirektor wies auch darauf hin, dass kleine Änderungen am Bauprojekt in die Kompetenz des Verwaltungsrats oder der Regierung fallen. Grundlegende Veränderungen könne nur der Kantonsrat beschliessen, der ebenfalls die Spitalstandorte festlege. Dagegen sei das Referendum möglich.

Biri Massler: «Zentren bieten viele Leistungen»

Yvonne Biri Massler. (Bild: Ralph Ribi)

Yvonne Biri Massler. (Bild: Ralph Ribi)

Yvonne Biri Massler befasste sich mit Alternativen zu Akutspitälern. Ausführlich schilderte sie die Vorzüge von Gesundheitszentren, in denen die Ärzte eine gemeinsame Infrastruktur nutzen. Tageskliniken und Gesundheitszentren böten viele Leistungen der heutigen Spitäler an. Zudem könne man ein Netzwerk von Spezialisten nutzen, die regelmässig Sprechstunde im Gesundheitszentrum hielten. Möglich seien auch Notfallpraxen.

Gunzenreiner: «Keine Bürger zweiter Klasse»

Alois Gunzenreiner. (Bild: Serge Hediger)

Alois Gunzenreiner. (Bild: Serge Hediger)

Sehr viel Beifall erhielten Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner und Schulpräsident Norbert Stieger. Jener forderte den Verwaltungsrat auf, die Sorgen und Nöte der Menschen zu spüren. Über 5500 Personen hätten die Petition für den Erhalt des Spitals unterschrieben.

Die Alternative sei eine «bessere Hausarztpraxis», sagte Alois Gunzenreiner. Es gebe den Volksentscheid für die Erneuerung der Spitäler in Wattwil und andernorts. «Wir sind keine Bürger zweiter Klasse. Wir haben das gleiche Recht auf eine anständige Versorgung wie die Leute in der Stadt St. Gallen.»

Kritik am Ausbau des Spitals Wil

Norbert Stieger. (Bild: Martin Knoepfel)

Norbert Stieger. (Bild: Martin Knoepfel)

Norbert Stieger, Vizepräsident des Fördervereins, lehnt es ab, 160 Millionen Franken in eine überversorgte Region – gemeint ist der Neubau des Spitals Wil – zu investieren. «Dem stimmt das Volk nicht zu». Das Gesundheitswesen sei eine Pflicht des Kantons.

Ein Votant nannte den Ausbau des Spitals Wil wegen der Nähe zu Frauenfeld, St. Gallen und Winterthur unsinnig.

Edith Wohlfender, Geschäftsführerin der Ostschweizer Sektion des Berufsverbands Krankenpflege, befürchtet einen Mangel an Ausbildungsplätzen für Pflegefachleute und Ärzte, wenn Landspitäler geschlossen werden. Kantonsrat Christoph Thurnherr erinnerte daran, dass 2014 der Kredit fürs Spital Wattwil auch mit regionalpolitischen Aspekten begründet wurde.

Kantonsrat Mathias Müller wollte wissen, welche Alternativen geprüft wurden. Aus dem Grobkonzept sei das nicht ersichtlich.

Verhindert der Baustopp die Notfallpraxis?

Der Neubautrakt des Spitals Wattwil wurde erst im Mai eröffnet. (Bild: PD)

Der Neubautrakt des Spitals Wattwil wurde erst im Mai eröffnet. (Bild: PD)

Kantonsrat Marin Sailer kritisierte die «unsäglich tiefen» Ausgaben für gemeinwirtschaftliche Leistungen.

Das Spital Wattwil werde seit 16 Jahren systematisch herabgefahren, kritisierte ein in der Praxis tätiger Arzt. Der Baustopp verhindere die Realisierung der Notfallpraxis.

Der Präsident des Toggenburger Ärztevereins forderte, den Baustopp aufzuheben, wenn man Alternativen ergebnisoffen prüfen wolle. «Ich gebe nicht einfach so 50 Millionen Franken aus und mache dann einen Baustopp», doppelte Kathrin Ott, die Präsidentin des Vereins Zentrum Wattwil, nach.

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