Serie
Wattwiler auf Weltreise (Folge 4): Wie schön ist die Welt ohne Internet

Maurice Grob aus Wattwil ist im September 2018 zu einer Weltreise aufgebrochen, die fünf Jahre dauern soll. Unterwegs wird er zudem ein Fernstudium in Mathematik absolvieren. In loser Folge berichtet der Toggenburger von seinen Erlebnissen.

Maurice Grob
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Maurice Grob, Weltreisender aus Wattwil, bei den Rentieren oberhalb des Polarkreises. (Bild: PD)

Maurice Grob, Weltreisender aus Wattwil, bei den Rentieren oberhalb des Polarkreises. (Bild: PD)

Nachdem ich die letzten 1200 Kilometer an einem Stück durchgefahren bin, habe ich die letzten Wochen der Ruhe genossen. Nun wohne ich direkt über dem Polarkreis in einem kleinen Dorf. Es ist vergleichbar mit Ebnat-Kappel, wo ich mich schon super eingelebt habe. Die Kälte ist im Moment noch gut ertragbar, da wir bis Anfang Dezember noch kaum etwas von Schnee gesehen haben. Es ist verrückt, wie stark die Veränderungen des Wetters hier oben spürbar sind.

Mein Leben in Jokkmokk gestaltet sich sehr angenehm. Ich habe das Glück, in einer Familie der Sami-Kultur zu leben – den Ureinwohner von Skandinavien – und ihnen bei der Arbeit mit den Rentieren zu helfen. Durch die aktiv gelebte Kultur kann ich sehr viel über die Verarbeitung von Fleisch und tierischen Nebenprodukten lernen. Es ist erstaunlich, wie viel man von einem Tier verwerten kann und gleichzeitig macht es mich nachdenklich, wie respektlos wir in der Schweiz mit Ressourcen der Natur umgehen.

Sprachen lernen bei der Gastfamilie

Neben der praktischen Arbeit widme ich auch einige Zeit dem Studium der Sprachen, was in meinem Fall besonders spannend ist. Durch meine Gastfamilie lerne ich nicht nur Schwedisch, sondern gleichzeitig auch noch die Sprache der Nord-Sami.

Aufgrund der Wetterverzögerung konnten wir die Arbeit mit den Rentieren erst sehr spät beginnen, was mir genügend Zeit für das Kennenlernen der Stadt, der Menschen und der Sprachen gab.

Kein Internet, dafür viele Rentiere

Nach einem langen November ist der Schnee doch noch gekommen und der Spass konnte richtig beginnen. Bewaffnet mit einem alten paar Holzskis, einem Schäferhund und einem 100-PS-Schneemobil fuhren wir jeweils für mehrere Tage am Stück in die Berge. Hier haben wir Rentiere gesucht, zusammengetrieben und ins Tal gebracht, um sie auf die verschiedenen Besitzer zu verteilen. Das Einzugsgebiet einer sogenannten Sami-Community ist Tausende von Quadratkilometern gross, weshalb wir manche Nächte in kleinen Hütten verbrachten.

In den Bergen werden die Rentiere zusammengetrieben und ins Tal gebracht. Das Gebiet ist so gross, dass manche Nächte in kleinen Hütten verbracht werden. (Bild: PD)

In den Bergen werden die Rentiere zusammengetrieben und ins Tal gebracht. Das Gebiet ist so gross, dass manche Nächte in kleinen Hütten verbracht werden. (Bild: PD)

Weit ab von jeglicher Zivilisation wird man sich richtig bewusst, wie schön die Welt ohne Internet ist. Der Sternenhimmel ohne Lichtverschmutzung, die Nordpolarlichter in ihrer ganzen Pracht und das unbekümmerte Leben als Beinahe-Selbstversorger sind einfach ein Traum.

Ich werde sicher noch eine Weile hier in Jokkmokk über dem Polarkreis bleiben und probieren, so viel wie möglich von dieser Kultur und diesem Land zu lernen.

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