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Eine Dachterrasse als Begegnungszone

Die künftige Überbauung Bahnhof-Süd in Wattwil wird sich vom Siegerprojekt des Architekturwettbewerbs deutlich unterscheiden. Der Vertreter der Südostbahn erklärt das mit dem Input des kantonalen Hochbauamtes.
Martin Knoepfel
Die Überbauung Bahnhof-Süd in Wattwil wird jetzt an beiden Enden höher ausfallen als ursprünglich geplant. (Bild: PD)

Die Überbauung Bahnhof-Süd in Wattwil wird jetzt an beiden Enden höher ausfallen als ursprünglich geplant. (Bild: PD)

2012 hatten die Architekten Ana Sofia Gonçalves und Stefan Hausheer mit dem Beitrag «Corso» den Architekturwettbewerb zur Überbauung Bahnhof-Süd in Wattwil gewonnen. Seither wurde das Projekt stark überarbeitet. Im «Toggenburger Tagblatt» kritisierte Ana Sofia Gonçalves, dass die Bauherren den Architekten die gestalterische Kompetenz entzogen hätten (Ausgabe vom 12. September). Das Projekt habe stark an Qualität verloren. Bruno Baumgartner, Mitglied der Geschäftsleitung der Südostbahn (SOB) wehrt sich gegen diese Vorwürfe. Ana Sofia Gonçalves und Stefan Hausheer haben sich aus dem Projekt zurückgezogen. Geplant sind 75 Mietwohnungen und 1800 Quadratmeter Gewerbefläche (Verkaufsräume und Büros). Die Parkplätze werden unterirdisch angeordnet. Das bestehende Parkhaus wird in Richtung Süden erweitert.

Bruno Baumgartner, was entgegnen Sie auf die Vorwürfe von Frau Gonçalves?

Ich empfinde die Aussagen von Frau Gonçalves nicht als Vorwurf. Die Überbauung Bahnhof Wattwil-Süd ging in die Vernehmlassung bei den kantonalen Ämtern. Aufgrund des Inputs des Hochbauamts wurde es überarbeitet, und die Zahl der Blöcke wurde von sechs auf vier reduziert. Ana Sofia Gonçalves und Stefan Hausheer zeichneten das neue Projekt und standen an der Informationsveranstaltung vom September 2016 dahinter, obwohl es nicht mehr ihr «Kind», ist wie das Projekt «Corso».

Weshalb wird die Überbauung Bahnhof-Süd höher ausfallen als im Projekt «Corso» vorgesehen?

Das ist eine Folge der Hochhausstudie der Gemeinde Wattwil, die zum Schluss kam, dass man an dieser Stelle höher bauen könne. Der Nordkopf wird ein und der Südkopf drei Stockwerke höher als bei «Corso».

Weshalb hat die Bauherrschaft die Kompetenzen der Architekten in Bezug auf die Entwürfe beschnitten?

Wir haben die Kompetenzen der Architekten nicht beschnitten. Das oberste Ziel war, einen rechtsgültigen Gestaltungsplan zu erhalten, zu dem alle kantonalen Stellen Ja sagen konnten.

Weshalb braucht es einen Architektur-Wettbewerb, wenn das zu realisierende Projekt so stark vom Siegerprojekt eines Wettbewerbs abweicht?

Man kann sich fragen, warum das Hochbauamt einen Architekturwettbewerb übersteuern kann. Die Jury hat nach bestem Wissen und Gewissen entschieden. Wir sind pragmatisch. Wir wollten ein Projekt, dass alle qualitativen Anforderungen erfüllt und damit den Erlass des Gestaltungsplans ermöglicht. Die Jury hat im Wettbewerb zwei Projekte zur Weiterbearbeitung empfohlen, neben «Corso» eines, das mit dem langen Baukörper dem überarbeiteten Projekt ähnelt. Das heutige Projekt ist quasi die Synthese der beiden besten Projekte.

Weshalb erfolgte die Reduktion der Fenster aufs nötige Minimum? Heute baut man viel mit raumhohen Fenstern.

Wir haben in den Wohnungen teilweise französische Balkone. Die Überbauung soll eine Wohnüberbauung sein, obwohl im Parterre Gewerbenutzungen angesiedelt sein werden. Wir wollten deshalb bewusst auch Wände schaffen und vorhandene Probleme mit dem Schallschutz lösen.

Weshalb wurde die Dachterrasse mit Garten und Pergola zugunsten der Waschküchen eliminiert? Die Jury des Architektur-Wettbewerbs hat die Idee eines Gartens auf dem Dach des Erdgeschosses ausdrücklich gelobt.

Im Verfahren für den Gestaltungsplan muss man verschiedene Anspruchsgruppen berücksichtigen. Wir haben die Dachterrasse aber nicht eliminiert. Sie bleibt auf der ganzen Länge als begehbare Begegnungszone erhalten. Auf dem der Asga gehörenden Teil der Überbauung werden in der Tat Waschküchen angeordnet. Auf dem SOB-Teil wird es Bastel- oder Begegnungsräume geben, weil im SOB-Teil Waschtürme in den Wohnungen angeordnet werden. Die Aufbauten auf dem Dach der Terrasse werden sich bezüglich des Materials nicht vom Rest der Überbauung abheben.

Wie viel hat der Wechsel der Architekten gekostet?

Zahlen will ich keine nennen. Was man im Vorprojekt und Gestaltungsplanverfahren mehr ausgegeben hat, hoffen wir in der Detailprojektierung teilweise wieder einzusparen.

Ist das Projekt für die Überbauung Bahnhof-Süd in Wattwil jetzt überhaupt noch wirtschaftlich?

Ja, es muss für die SOB wirtschaftlich sein. Im Gegensatz zur Erneuerung von Gleisen oder Bahnhöfen erhält die SOB keine Bundesgelder für die Überbauung Bahnhof-Süd. Die Finanzierung erfolgt am Kapitalmarkt.

Steht die Finanzierung des Bauprojekts?

Ja, wir haben Zusagen, aber noch keine unterzeichneten Verträge, da auch die Überarbeitung des Kostenvoranschlags einfliessen soll. Für die Finanzierung von Immobilien an attraktiven Lagen ist bei Banken und Pensionskassen immer noch ein grosses Interesse vorhanden.

Der Immobilienmarkt kühlt sich ab. Haben Sie keine Angst, dass Sie mit der Überbauung zu spät kommen?

Nein. Wir haben die bisherigen Prognosen von Fachleuten überprüfen lassen. Wir sind optimistisch für die Auslastung der Überbauung. Die Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr ist optimal, und man kann die Einkäufe zu Fuss erledigen. Aber es ist schon klar: Die Ausgangslage wäre noch besser, wenn die Wohnungen schon jetzt auf den Markt kämen.

Warum sind Sie optimistisch?

Zuerst wegen der Top-Lage. Zudem sind die Wohnungen auf Ein- und Zweipersonenhaushalte ausgerichtet und bieten ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Mieter können neben jungen Leuten auch Personen in höherem Alter sein. Die Wohnungen sind hindernisfrei ausgestaltet, was heute vom Markt verlangt wird.

Wie hoch war der Kostenvoranschlag (KVA) für das Projekt «Corso» und wie hoch wird der KVA für das überarbeitete Projekt sein?

Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich für beide Projekte im Rahmen von circa 30 Millionen Franken.

Bezug 2019 und 2020

Im April hat das kantonale Baudepartement den Gestaltungsplan für das Areal Bahnhof Wattwil-Süd genehmigt. Im Juli wurde das Baugesuch für die Überbauung eingereicht. Die Investoren erwarten die Baubewilligung noch im Laufe dieses Monats. Die Bauherren sind die Südostbahn (SOB), der das Areal gehört, und die genossenschaftliche Pensionskasse Asga mit Sitz in St. Gallen. Der Baubeginn könnte im Frühling 2018 erfolgen. Der nördliche, der SOB gehörende Teil der Überbauung könnte im Herbst 2019 bezugsbereit sein, da in diesem Bereich die Tiefgarage schon existiert. Der südliche, der Pensionskasse Asga gehörende Teil der Überbauung wird voraussichtlich ein halbes Jahr später fertiggestellt werden. (mkn)

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