Wattwil: Die Spitze des Braunviehs präsentiert sich auf dem grünen Teppich

Die Spitzenbraunviehschau, organisiert von der Züchtergruppe St. Gallen, findet seit 19 Jahren statt, abwechslungsweise in den Markthallen Sargans und Wattwil. Dieses Jahr ging sie in Wattwil über die Bühne.

Anna Gasser
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Ehrendame Sina, Urban Koller, Christian Gisler, Vorführer Dominik Riederer mit Honorable Mentioned Kuh, Christian Schneider, Schwendi, mit Championkuh Alino Jamaica, Matthias Süess mit Vizechampion Jongleur Jamaica, Daniel Gisler und Ehrendame Petra (von links). (Bild: Anna Gasser)

Ehrendame Sina, Urban Koller, Christian Gisler, Vorführer Dominik Riederer mit Honorable Mentioned Kuh, Christian Schneider, Schwendi, mit Championkuh Alino Jamaica, Matthias Süess mit Vizechampion Jongleur Jamaica, Daniel Gisler und Ehrendame Petra (von links). (Bild: Anna Gasser)

Die mit grünem Sägemehl eingestreute Arena liess die Wattwiler Markthalle in frühlingshaft erstrahlen, derweil draussen der Märzsturm die Helfer im Stallzelt vor grosse Herausforderungen stellte. Wasser und Wind setzten dem Zelt zu. Doch die Helferinnen und Helfer schafften es, die Kühe und Rinder rechtzeitig bereitzuhalten. Rund 100 Züchter und Züchterinnen aus den Kantonen St. Gallen und Appenzell Ausserhoden sowie dem Fürstentum präsentierten 39 Rinder und 150 Kühe von der besten Seite.

Nachdem OK-Präsident Heini Stricker die Anwesenden im Namen des OK und des Präsidenten von Braunvieh Schweiz, Reto Grünenfelder sowie Andreas Wittenwiler, Präsident des St. Gallischen Braunviehzuchtverbandes, begrüsst und sich über die Anwesenheit von Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbandes, erfreut gezeigt hatte, kamen die Jungzüchter mit ihren zwischen 2016 bis 2018 geborenen Tieren in den Ring. Sie alle wurden namentlich erwähnt.

Lobende Worte für die Jungzüchter

Die Jungzüchter zeigten, wie man ein Tier stylt und richtig vorführt. Sie alle kämpfen um den Titel Rinderchampion, der später am Abend auserkoren werden soll. Alle erst- und zweitrangierten Tiere aus den vier Rinderabteilungen dürfen an der Champion-Wahl teilnehmen. Richter Daniel Gisler aus Bürglen verstand es, aus den jungen Tieren das viel versprechendste Tier auszuwählen und lobte die Jungzüchter für ihr Engagement. Stricker lieferte Hintergrundinformationen zu den präsentierten Tieren.

Ehrendame Petra, Rinderchampion, Simon Wyss, Flums, Ehrendame Sina und Andreas Lusti Winzenberg (von links). (Bild: Anna Gasser)

Ehrendame Petra, Rinderchampion, Simon Wyss, Flums, Ehrendame Sina und Andreas Lusti Winzenberg (von links). (Bild: Anna Gasser)

In den Abteilungen 1 bis 4 liefen die jungen Kühe in erster Laktation. Stricker verstand es, zu jeder Abteilung etwas Spezielles zu erzählen. So waren in Abteilung 2 drei Kühe von Hansruedi und Karin Knus, Hoffeld, die es zudem schafften, alle drei Kühe unter die ersten sechs Ränge zu bringen. Spannend war zudem, welches Tier von Richter Gisler später für den Schöneuter-Wettbewerb ausgewählt wurde. Dies konnte auch einmal das drittrangierte Tier sein, was auch jenen Züchtern eine Chance auf eine Prämierung bot.

Professionelle Kommentare

In jeder Abteilung wurde die Nomination «Bester Züchter» vergeben. Diese gehört demjenigen Bauern, der mit seinem selber gezüchteten Tier am weitesten vorne in der Abteilung rangiert wurde. Die Abteilungen 3 und 4 boten gemäss Gisler ein «enges Podest» mit Tieren mit «unterschiedlichen Euterqualitäten». Die Zuschauer folgten seinen professionellen Kommentaren, welche er jeweils nach erfolgter Rangierung lieferte. Jungkuh-Champion dieser vier Abteilungen wurde Calvin Helga von Hans Elmer, Rüeterswil. Bereits liefen die ersten Kühe der Abteilungen 5 bis 7 ein, allesamt Kühe, die schon zweimal gekalbt haben. Hier hatte es viele Tiere mit bestem Eiweissgehalt der Milch. Effizient und mit viel interessanten Informationen über Milchgehalt, Abstammung, Formatbeurteilungen wurden die Abteilungen der Kühe rangiert und das schönste Euter erkoren.

Dieser Sieg ging an Christian Schneider, Schwendi, mit seiner Kuh Alino Jamaica. Die Kühe in der 3. Laktation beeindruckten sowohl durch ihr Äusseres als auch durch eine Durchschnitts-Milchleistung von über 9000 Kilogramm Milch pro Laktation. Das Rangieren von so vielen Kühen pro Abteilung ist für den Richter eine Herausforderung, welche Dani Gisler mit Hilfe des Ringmanns, sein Bruder Christian, meisterte. So traf er in der ersten Aufstellung der Tiere eine grobe Auswahl, welche er in der zweiten definitiven Aufstellung durchaus noch zu ändern wusste.

Bei der Wahl des Rinderchampions zeigte sich die Wattwiler Markthalle gut besetzt. (Bild: Anna Gasser)

Bei der Wahl des Rinderchampions zeigte sich die Wattwiler Markthalle gut besetzt. (Bild: Anna Gasser)

Die viert-laktierenden Kühe verfügten über eine aussergewöhnlich gute Fruchtbarkeit. Von der Abkalbung bis zur erfolgreichen Besamung vergingen hier im Durchschnitt weniger als 75 Tage, in einem Fall sogar nur 52 Tage, was dem Züchter jedes Jahr ein Kalb und der Kuh eine erfolgreiche Laktation beschert. Beeindruckend ist die Abteilung der Kühe, welche in ihrem Leben bereits mehr als 45'000 Kilogramm Milch produziert haben. Bei zwei Tieren sind durchschnittliche Milchmengen pro Laktation von über 10'000 Litern Milch vorhanden. Dabei präsentieren sich diese Tiere in bester Form und führen die Wichtigkeit sowohl von Genetik als auch einer optimalen Haltung vor Augen. Dies vermochte Stricker mit seinen Kommentaren zu betonen.

Fitness-Star und Champions

Nach der Rangierung aller Abteilungen verdichteten sich die Zuschauerränge, da die Champion-Wahlen anstanden. Andrea und Hansueli Husers Villstar Roxana gewann den Titel des «Fitness-Stars» zum wiederholten Mal, da sie über unschlagbare Werte, wie Eutergesundheit, Serviceperiode, Persistenz und Milchgehalt verfügt. «Miss Genetik» wird Calvin Leila von Hansi Wachter, Mels. Auch die älteren Kühe und deren Besitzer kämpfen um den Preis des schönsten Euters, welches dieses Jahr Christian Schneiders Kuh Joker Ella zufällt. Neun erst- und zweitrangierte Kühe aus den Abteilungen machen den Champion-Titel unter sich aus. Deren fünf bleiben im Final. Als Siegerin geht Alino Jamaica von Christian Schneider hervor.

Nach der Tombola und Applaus ist die Spitzenbraunviehschau Geschichte. Der Züchternachwuchs schart sich um die Bar, während die älteren Semester von Tisch zu Tisch gehen und Gratulationen aussprechen.