Was ist was? Die verschiedenen Begriffe der Klangwelt Toggenburg erklärt

Seit über 15 Jahren spielt das Thema Klang und damit verbunden die Klangwelt Toggenburg die erste Geige in der Region. Eine Übersicht, aufgeteilt nach den verschiedenen Bereichen, soll zeigen, was bisher alles geschafft wurde.

Sabine Camedda
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Klangwelt Toggenburg

Die Klangwelt Toggenburg wurde 2003 gegründet, initiiert wurde sie durch den Musiker und Komponisten Peter Roth. Zu Beginn wurden verschiedene Projekte umgesetzt, dafür wurden mehrere Vereine gegründet. Nach und nach sind diese zu der Organisation verschmolzen, die heute die Klangwelt Toggenburg bilden.

Strategisch geführt wird die Klangwelt Toggenburg von einem Stiftungsrat, an dessen Spitze Präsident Mathias Müller ist. Die operativen Geschäfte obliegen der Geschäftsleitung mit dem Geschäftsführer Raphael Gygax und dem künstlerischen Leiter Christian Zehnder. Diese ist mit dem Tourismus verbunden. Die Klangwelt Toggenburg weist einen hohen Eigenfinanzierungsgrad von rund 80 Prozent auf. Weitere Einnahmequellen sind Beiträge von Stiftungen, Spenden und des Fördervereins.

Förderverein Klangwelt Toggenburg

Der 2006 gegründete Förderverein ist quasi der Fanclub der Klangwelt Toggenburg. Ihm gehören rund 1000 Personen an. Sie zahlen einen jährlichen Beitrag, von diesem fliessen rund 40'000 Franken pro Jahr in die Klangwelt. Dort wird das Geld verwendet, um neue Ideen zu entwickeln. Mitglieder des Fördervereins sind auch wichtige Helfer beim Klangfestival. Ueli Roth, der Präsident des Fördervereins, ist von Amtes wegen auch Mitglied des Stiftungsrats der Klangwelt Toggenburg.

Klanghaus

Das Modell zeigt, wie das Klanghaus aussehen könnte. (Bild: Martin Knoepfel)

Das Modell zeigt, wie das Klanghaus aussehen könnte. (Bild: Martin Knoepfel)

Seit Beginn des Projekts ist das Klanghaus am Schwendisee als Herz der Klangwelt Toggenburg gedacht. Das aktuelle Bauprojekt will der Kanton St.Gallen realisieren. Dafür stellt er rund 22,3 Millionen Franken bereit. Die Klangwelt Toggenburg beteiligt sich mit einer Million Franken. 

Das Klanghaus soll mehrere Räume unter seinem Dach vereinen, in denen Sänger, Chöre, Firmen, Musiker und viele mehr sich dem Klang widmen können, sei es für Proben, sei es für Kurse, Führungen oder Konzerte in einem kleinen Rahmen. Ergänzend soll im Klanghaus eine Gaststube eingerichtet werden.

Am 30. Juni stimmt das St.Galler Stimmvolk über den benötigten Baukredit ab. Für den Betrieb sollen keine weiteren öffentlichen Gelder eingesetzt werden. Finanziert wird dieser durch die Einnahmen und aus einem Fonds aus Spendengeldern über 5,3 Millionen Franken, die zu diesem Zweck gesammelt worden sind.

Taskforce und IG Klanghaus

Nachdem der St.Galler Kantonsrat 2016 die erste Vorlage zum Klanghaus abgeschmettert hat, formierte sich eine Taskforce mit dem Ziel, den Bau des Klanghauses zu unterstützen. Unter anderem lancierte sie eine Petition, die mit über 10'000 Unterschriften an den Kanton überreicht wurde, und verbesserte das Klanghauskonzept. Im Abstimmungskampf übernehmen 1400 Mitglieder der IG Klanghaus eine wichtige Funktion, um für Ja-Stimmen zu werben. Es handelt sich dabei um den Zusammenschluss von Klanghaus-Unterstützern.

Klangweg

Eine Installation mit Glocken auf dem Klangweg. (Bild: Dolores Rupa)

Eine Installation mit Glocken auf dem Klangweg. (Bild: Dolores Rupa)

Der Klangweg führt von der Alp Sellamatt über den Iltios bis ins Wildhauser Oberdorf. Von zwei Seiten ist der Weg zum Schwendisee möglich. Der Themenweg bietet einen niederschwelligen Zugang zum Thema Klang. Er wird oft begangen und ist über die Region hinaus bekannt. Entlang des Wanderwegs sind verschiedene Instrumente aufgestellt, mit denen der Klang erlebbar wird. Diese Instrumente werden immer wieder ausgetauscht. In diesem Sommer wird beispielsweise ein Instrument aufgebaut, das Primarschüler der Gemeinde Wildhaus-Alt St.Johann gebaut haben.

Im vergangenen Jahr führte die Klangwelt Toggenburg jeden Sonntag Konzerte unter dem Namen «Musig ufem Klangweg» durch. Das kam bei den Besuchern sehr gut an und wird in diesem Sommer weitergeführt.

Klangschmiede

In der ehemaligen Mühle ist heute die Klangschmiede. (Bild: Sabine Camedda)

In der ehemaligen Mühle ist heute die Klangschmiede. (Bild: Sabine Camedda)

In der Klangschmiede, die, wie der Name sagt, seit jeher eine Schmiede war, werden Weidschellen geschmiedet. Der Klangwelt Toggenburg ist es gelungen, dieses alte Toggenburger Handwerk zu reaktivieren. Besucher können den Schellenschmieden bei deren Arbeit zusehen. Die Schmiede wird auch für Kurse benutzt. Im selben Gebäude waren bis im Winter Wechselausstellungen zu sehen. Nun wurde das Museumskonzept weiterentwickelt. Neu können in verschiedenen Zimmern, die nach ihren Themen benannt sind, Klänge erlebt werden. Dieses Angebot richtet sich an Einzelpersonen, an Gruppen und Familien und lohnt sich nicht nur bei schlechtem Wetter.

In der Klangschmiede wird in Kürze ein Escape-Room eröffnet. Wer diesen besucht, muss Rätsel zu den Themen Klang und Brauchtum lösen und sich damit einen Weg aus dem Raum bahnen. Die Rätsel gibt es in verschiedenen Schwierigkeitsstufen, damit alle Besucher eine Chance für die Lösung und somit viel Spass haben. Weitere Räume in der Klangschmiede werden für Klangkurse genutzt. Überdies ist die Geschäftsstelle in diesem Gebäude untergebracht. Dort arbeiten neun Personen, weitere 55 Personen sind freischaffend als Kursleiter für die Klangwelt Toggenburg tätig.

Klangfestival

Unterschiedliche Kulturen singen miteinander. (Bild: Daniel Ammann)

Unterschiedliche Kulturen singen miteinander. (Bild: Daniel Ammann)

Das Klangfestival findet alle zwei Jahre zwischen Auffahrt und Pfingsten statt, das nächste Mal 2020. Ausgetragen wird es jeweils rund um die Propstei und in der evangelischen Kirche in Alt St.Johann. Bei diesem Festival mit vielen Konzerten, Workshops, Meisterkursen und Projekten entsteht eine Verbindung zwischen einheimischem Schaffen und internationalen Künstlern aus anderen Kulturen.

Das Klangfestival ist seit seinen Anfängen sehr beliebt, rund 6000 Personen nehmen jeweils daran teil. Im kommenden Jahr steht das Festival erstmals unter der Leitung von Christian Zehnder, dem Künstlerischen Leiter der Klangwelt Toggenburg. Er hat die Organisationsarbeit dafür bereits aufgenommen.

Klangschwendi

Unter dem Begriff Klangschwendi sind alle Angebote zusammengefasst, die nach dem Bau des Klanghauses am Schwendisee von Partnern umgesetzt werden. Das Klanghaus wird bewusst so gebaut, dass sich die Besucher und Nutzer in einer Gaststube verpflegen können. Für grössere Essen und Übernachtungen arbeitet die Klangwelt Toggenburg aber mit Hotels, Lagerhäusern und Restaurants in der Umgebung zusammen.

Diese haben eine Absichtserklärung abgegeben, dass sie besondere Angebote für Klanghaus-Nutzer und -Besucher kreieren wollen. Dies mit dem Ziel, eine Abwechslung zu bieten und die Aufenthaltsdauer der Gäste zu erhöhen. Letztlich soll die Klangschwendi ein Raum sein, in dem Klang erlebbar ist. Nach der Klangschwendi soll das Gesamtangebot sogar noch erweitert werden. Derzeit wird ein Tourismusentwicklungskonzept ausgearbeitet, das Leistungsträger aus dem ganzen Toggenburg einbinden möchte, damit alle voneinander profitieren können.

Klangkurse

Simone Felber, Kursleiterin bei «Jodelreise durch die Schweiz». (Bild: PD)

Simone Felber, Kursleiterin bei «Jodelreise durch die Schweiz». (Bild: PD)

Jedes Jahr führt die Klangwelt Toggenburg eine Vielzahl von Klangkursen durch. Diese lassen sich grob in vier Typen unterscheiden: Urklang, Neuklang, Wohlklang und Erlebnisklang. Bei den Kursen unter dem Titel Urklang finden die Teilnehmer authentisches und archaisches Kulturgut aus dem Toggenburg vor, beispielsweise Jodeln, Alphornspiel, Talerschwingen und Schellenschmieden. Unter dem Titel Neuklang begegnen die Teilnehmer Musik der Welt und Musik der Zeit. Darunter fallen fremde Klänge aus dem Balkan oder aus Afrika, aber auch Obertongesang. Unter dem Thema Wohlklang gehen die Teilnehmer mit der Stimme auf Pilgerreise und finden Einkehr und Stille. Darunter fallen ebenfalls Kurse zum Thema Atmen. Beim Thema Erlebnisklang geht es um mehr als bloss den Klang. Es wird gewandert oder das Alpleben kennen gelernt.

Die Klangkurse finden an verschiedenen Orten statt, einige auch ausserhalb des Toggenburgs. Sie sollen einen Zugang zur Klangwelt Toggenburg schaffen. Die Klangkurse sind ein wichtiger Pfeiler in der Klangwelt Toggenburg. Sie bringen auch viel Wertschöpfung in die Region. Mit dem Klanghaus wäre es möglich, noch mehr aus dem Thema Klangkurse zu holen.