Wandertipp: Dem Lauf der Thur entlang

Die Wanderung von Dietfurt nach Wattwil ist beschaulich und unscheinbar – und verbirgt in der Mitte ein Juwel.

David Grob
Hören
Drucken
Teilen
47 Bilder

Die Wanderung im Überblick

Start: Dietfurt
Ziel: Wattwil
Strecke: 7,7 Kilometer
Wanderzeit: 2 Stunden
Aufstieg: 134 Meter
Abstieg: 133 Meter
Ausrüstung: Bequeme Schuhe. Der Wanderweg ist ab dem Bahnhof Lichtensteig für Kinderwagen geeignet.
Parkplätze: Beim Bahnhof Dietfurt
Öffentlicher Verkehr: Bahnhof Dietfurt, Bahnhof Wattwil Kartenmaterial: 1:25000, Blätter 1093 Hörnli und 1113 Ricken (dar)

Tritt man eine Wanderung an, hat man gewisse Vorstellungen im Kopf. Etwa die eines sanften Spaziergangs von Dietfurt nach Wattwil, den Windungen der Thur folgend. Doch es kommt anders. Wie so oft kollidiert die Vorstellung an der Realität. Denn der Thur folgt der Wanderweg nur teils. Anfangs führt er durch Weiler und Dörfer, dann folgt er Strassen und Schienen. Dabei ist der Abschnitt zwischen Dietfurt und Wattwil Teil des Thurwegs. Doch jene Etappe der rund 160 Kilometer Wanderweg von Quelle bis Mündung in den Rhein folgt dem Flusslauf nur teilweise. Falsche Vorstellungen also. Dennoch gibt es Lichtblicke.

1 Dietfurt Über Dietfurt, wo die Wanderung beginnt, taucht eine fahle Sonne, kaum mehr als ein Abdruck ihrer selbst, das Dörfchen in schummriges Licht. Die Häuser reihen sich entlang der Strasse, die Autos brausen vorbei. Das Leuchtschild eines Restaurants ist klobig, die Fassade heruntergekommen. Fast wirkt es, als sei die Zeit stehen geblieben, irgendwann vor der Jahrtausendwende. Ein gelbes Schild, leicht vergilbt, kündigt an, dass der Skilift Oberhelfenschwil ausser Betrieb ist. Der Schnee leuchtet nur in der Ferne auf den Churfirsten.

Man folgt den Wanderwegpfeilen aus Dietfurt, man passiert kleine Höfe und einst schmucke Häuser mit Holzvertäfelung, gezeichnet von Wind und Wetter. Der Feldweg führt vorbei an Wiesen, kargen Bäumen und verwilderten Gärten, bis es steil hinunter geht und man seinen Fuss auf eine Strasse setzt. Dieser folgt man, vorbei an einem seit vielen Jahren geschlossenen Restaurant hinein ins Dörfchen Lichtensteig.

Nun führt der Weg durch Einfamilienhausquartier, wo Herr und Frau Mittelklasseschweizer mit Kind, Auto und Hund hausen. Und so langsam fragt man sich, wie man über diese Wanderung einen Bericht schreiben soll. Diese Wanderung, die nicht nur wegen des Wetters trostlos erscheint. Doch dann erscheint ein Licht im Dunkeln. Ein Licht namens Äuli.

2 Äuli Endlich, möchte man sagen, führt der Weg nach unten an die Thur. Und plötzlich wird der graue Wintertag freundlicher, wenn man über eine Brücke schreitet, unten das Wasser türkis schimmert wie ein Bergsee, und plötzlich die Sonne kurz durch die Baumwipfel dringt, die moosbewachsenen Steine grün aufleuchten und das Wasser glitzert. Bevor der Weg wieder nach oben sticht, lohnt sich ein kurzer Abstecher nach links. Ein Pfad führt zwischen Felsen zu einem kleinen Wasserfall, der im Sonnenlicht funkelt. Dann folgt der Wanderweg über einen längeren Abschnitt einer Strasse bis zum Bahnhof Lichtensteig.

3 Lichtensteig Auf der anderen Talseite thronen die mittelalterlichen Häuser Lichtensteigs über der Thur. Das Städtchen ist einen Abstecher wert. Der Wanderweg führt aber vom Bahnhof hinunter zur Thur und folgt den sanften Flusswindungen bis Wattwil, das Plätschern der Thur mal zu seiner Rechten, mal zu seiner Linken. Hier ist der Thurweg das, was man erwartet: ein sanfter Feldweg am Flussufer, gesäumt von Bäumen.

4 Wattwil Dann tauchen die ersten Einfamilienhäuser Wattwils auf, gleich wie aus einem Modellbaukasten. Vorbei an Sportplätzen, Wohnblöcken, Schulhäusern führt der Wanderweg in Richtung Bahnhof. Von hier aus kann der Ausgangspunkt Dietfurt bequem mit dem Zug Richtung Wil erreicht werden. Was bleibt übrig von dieser Wanderung? Sicherlich das Fazit, dass sich der knapp zweistündige Spaziergang bei anderem Wetter als einem grauen Wintertag ohne Schnee wohl mehr lohnt. Und sich in einer anderen Jahreszeit wohl die ganze Wanderung von Dietfurt nach Wattwil lohnt.

Hier gibt's das PDF zum Herunterladen.

Mehr zum Thema