«Wandern, das ist wie Beten mit den Füssen»

Edi Hutter weiss immer, wo es langgeht. Mit seinem GPS-Gerät, seinen Wanderkarten und den Pfaden im Kopf führt der Wanderleiter Gäste auf spannende und verschlungene Wege. Er kennt Geheimtipps in der Region und ist für Toggenburg Tourismus auch als Wegwisser unterwegs.

Christiana Sutter
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Der 63-jährige Edi Hutter ist Wegwisser bei Toggenburg Tourismus sowie Wanderleiter St.Galler Wanderwegen. Vom Regenwetter lässt er sich nicht bremsen. (Bild: Beat Belser)

Der 63-jährige Edi Hutter ist Wegwisser bei Toggenburg Tourismus sowie Wanderleiter St.Galler Wanderwegen. Vom Regenwetter lässt er sich nicht bremsen. (Bild: Beat Belser)

Es regnet. Aber das Wetter ist für Edi Hutter kein Hindernis, um nach draussen zu gehen. Der 63-Jährige ist ein Naturliebhaber und Wandersmann aus Überzeugung. «Das Wetter ist keine Entschuldigung, um mal nicht wandern zu gehen», sagt er. Deshalb schultere er auch bei Regenschauer oft seinen Rucksack und folge den gelben Wegweisern der St. Galler Wanderwege. Für Edi Hutter gilt: Einfach wandern.

Am liebsten im Toggenburg unterwegs

An der Lauistrasse in Ennetbühl bewohnt Edi Hutter mit seiner Partnerin Monika eine Dachgeschosswohnung. Ennetbühl ist auch Ausgangspunkt für viele seiner Wanderungen im Toggenburg. Wandern war früher allerdings kein Familiensport bei den Hutters aus Flawil. Gepackt mit dem Wandern hat es den heutigen Wanderleiter beim Verein St. Galler Wanderwege in seiner Jugendzeit. Mit Freunden war er oft im Alpstein unterwegs, «von der Appenzeller Seite her.» Sein Ziel hiess damals, die angegebene Wanderzeit auf den Wegweisern in der Hälfte der Zeit zu schaffen. «Inzwischen geniesse ich die Wanderungen.»

Für den Wanderleiter ist klar, wo er am liebsten wandert: «Natürlich im Toggenburg.» Es habe hohe Berge, die man besteigen könne, und auf Höhenwegen habe man meist eine wunderbare Aus- und Weitsicht. Vom Berg- bis ins Flachland und dem Wasser entlang, «das zeichnet das Toggenburg als Wandergebiet aus».

Ein positiver Bestandteil auf Toggenburger Wanderungen seien auch die Bergrestaurants. «Diese sind allerdings nicht so zahlreich wie im Alpstein», sagt Hutter mit einem Schmunzeln.

Viele Kurse absolviert

Seit dem Jahr 2012 ist Edi Hutter ausgebildeter Wanderleiter und hat die Anerkennung als Leiter Erwachsenensport mit Fachqualifikation Wandern und Schneeschuhtouren. «Das Schneeschuhlaufen war für mich ausschlaggebend, dass ich die Ausbildung zum Wanderleiter bei den Bündner Wanderwegen absolvierte.» Er sagt, dass er sich bezüglich den Gefahren beim Schneeschuhlaufen nicht so ­sicher war. Die Ausbildung in den Bündner Bergen war für Wandern mit Schneeschuhen ausgelegt, umfasste aber auch das Wandern im Sommer. 42 Tage dauerte die Ausbildung, und dies inklusive mehreren Prüfungswanderungen.

Inhalt der Ausbildung sind nebst der Planung der Wanderungen auch Nothelferkurse, Pilz-, Pflanzen- und Tierkunde, das Kennenlernen der Ökosysteme, die Biodiversität und die Landschaftsökologie sowie das Biwakieren mit einer ganzen Wandergesellschaft im Sommer wie im Winter.

Edi Hutter ist gerne mit Menschen unterwegs. Als Informatiker kennt er die Berechenbarkeit von Einsen und Nullen. Aber er weiss, dass die Umwelt, das Wetter, das Gelände und die Menschen unberechenbar sind.

Die Gäste mit etwas Speziellem überraschen

Das Image des Wanderers hat sich im Laufe der Jahre verändert. Heute sind es Familien mit Kindern, Jugendliche, Menschen in der Mitte ihres Lebens oder ältere Menschen, die man auf den Wanderwegen antrifft. Gewandert wird durch alle Schichten der Gesellschaft. «Wandern entschleunigt. Wandern ist Beten mit den Füssen», sagt Edi Hutter. Aber es darf nicht langweilig sein. Wobei die Natur und die Landschaft nie langweilig seien. Die Menschen auf den Wanderungen wollen etwas erleben, sie wollen ­Geschichten hören, wandern soll spannend sein und Spass machen. Edi Hutter fasst seine Tätigkeit zusammen:

«Als Wanderleiter bin ich auch Animateur und Geschichtenerzähler.»

Edi Hutter baut darum in seinen Wanderungen immer eine Überraschung für seine Gäste ein. Sei es ­irgendwo ein spezielles Picknick, ein Glas frische Milch auf einer Alp oder eine Geschichte über den Ort, wo man sich gerade befindet. Die Ennetbühler helfen dem Zugezogenen, in der Gegend spezielle Orte aufzusuchen. «Sie erzählen mir, wo es etwas zu sehen gibt in der Region. Das gefällt mir sehr. Ich fühle mich wohl.»

«Ein ideales Ausdauertraining»

«Wandern boomt, ist gesund, gelenkschonend, blutdrucksenkend, es stärkt die Muskulatur, stärkt das Immunsystem und ein optimales Ausdauertraining. Und die Verletzungsgefahr ist sehr gering», sagt der erfahrene Wanderleiter. Ist Edi Hutter mit Gruppen unterwegs, begleitet ihn oft seine Partnerin oder ein anderer Wanderleiter. Er selber ist ebenfalls auch mit anderen Wanderleitern in anderen Regionen unterwegs.

Auf all seinen Wanderungen ist sein Rucksack sein steter Begleiter. Immer dabei hat er eine Regenjacke, genügend Wasser, Wanderstöcke für seine Gäste, einen Feldstecher, einen Fotoapparat sowie eine Taschenapotheke. Er schmunzelt bei dem Gedanken an diese. «Der Clou sind die Kinderpflaster gegen Blasen an den Füssen für Erwachsene, wohlverstanden», erklärt er und lacht.

Immer wissen, wohin der Weg führt

Mit Rucksack und GPS-Gerät: Edi Hutter ist bestens ausgerüstet, um Wanderungen zu leiten. (Bild: Beat Belser)

Mit Rucksack und GPS-Gerät: Edi Hutter ist bestens ausgerüstet, um Wanderungen zu leiten. (Bild: Beat Belser)

Dank eines GPS-Geräts und einer Wanderkarte der Region weiss er auch immer, wo es langgeht. Zudem ist Edi Hutter Wegwisser bei Toggenburg Tourismus. Da muss er wissen, wohin der Weg führt. Toggenburger Wegwisser wissen meist aber weit mehr als nur den Weg und sind überall im Toggenburg auf Wanderwegen anzutreffen. Sie stehen auch bei den Bergbahnen, ausgerüstet mit Wander­prospekten, kennen Details über die Bahnen oder Wissenswertes übers Toggenburg. Auf einem Flyer von Toggenburg Tourismus steht, dass Wegwisser Blumen und Sträucher, lohnende Aussichtspunkte oder rassige Abkürzungen kennen. Oder die besten Beizen und die lauschigsten Grill­stellen.

«Ich kenne Wanderungen in unserer Region, die nicht so bekannt sind. Geheimtipps eben», sagt Hutter. Ein solcher sei übrigens auch Wanderungen ohne Sonnenschein. «Wandern im Regen bei Nebel ist mystisch. Man kann den Regen in einem Wald oder beim Durchqueren von Wiesen förmlich riechen. Wandern spricht alle Sinne an.»