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Wilen soll in absehbarer Zeit selbstständig bleiben: Die drei Bewerber für das Wilener Gemeindepräsidium auf dem Prüfstand

Michael Gieseck, Paul Hug und Guido Scherpenhuyzen: Die drei Bewerber für das Gemeindepräsidium von Wilen stellten sich am Dienstagabend an einem Podium den Fragen der Bürgerschaft.

Josef Bischof
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Auf dem Podium: (von links) Michael Gieseck, Paul Hug, Gesprächsleiter Simon Dudle und Guido Scherpenhuysen.

Auf dem Podium: (von links) Michael Gieseck, Paul Hug, Gesprächsleiter Simon Dudle und Guido Scherpenhuysen.

Bild: Josef Bischof

Kurt Enderli tritt auf den 1. Juni 2022 nach 19 Jahren als Gemeindepräsident von Wilen zurück. Michael Gieseck, Paul Hug und Guido Scherpenhuyzen bewerben sich um seine Nachfolge. Am 28. November wird gewählt. Ein allfälliger zweiter Wahlgang ist auf den 19. Dezember angesetzt.

Im Gemeindezentrum Wilen mussten die drei Kandidaten am Dienstagabend ihre Karten offenlegen. Simon Dudle, Redaktionsleiter der «Wiler Zeitung», als Gesprächsleiter und Fragen aus dem ausserordentlich zahlreichen Publikum forderten sie heraus. Eine Fusion von Wilen mit Rickenbach kommt für Hug nicht in Frage, für Gieseck und Scherpenhuysen ist sie mittelfristig unvermeidlich, verlangt aber eine gründliche Vorbereitung.

Teilzeit- oder Vollzeitamt?

Einige Daten zu den Bewerbern: Keiner gehört einer Partei an. Michael Gieseck ist 58-jährig und wohnt in Uzwil. Er hat zwei Kinder und ist Geschäftsführer in einer Handels- und Beratungsfirma. Gieseck ist als Einziger von der Findungskommission zur Wahl empfohlen worden. Im Falle einer Wahl würde er das Amt in Teilzeit ausüben.

Paul Hug ist 44 Jahre alt, Vater von vier Kindern und wohnt in Wallenwil. Er ist in Wilen aufgewachsen, war bisher im Onlinehandel tätig und hat eben eine Anstellung als Teamleiter angetreten. Hug würde das Amt mit den gleichen Aufgaben wie der Vorgänger Enderli als 100-Prozent-Job ausüben.

Guido Scherpenhuysen, 56 Jahre alt, hat zwei erwachsene Kinder und wohnt seit zwei Jahrzehnten in Wilen. Er ist Coach für hochbegabte Personen. Ihm schwebt, zumindest anfänglich, eine Amtsausübung von 100 Prozent vor.

Alle Kandidaten stellen in Abrede, dass sie das Amt anstrebten, weil sie gerade auf der Suche nach einer neuen Stelle seien. Die Brüche in ihren Karrieren erklären sie mit Sorge um das Familienleben, Interesse an neuen Herausforderungen und Risiko der Selbstständigkeit.

Respekt und Lernbereitschaft

Von Marc Ledergerber, dem Präsidenten des Findungskomitees, auf einen Nenner gebracht:

«Wilen braucht einen Gemeindepräsidenten, der mit dem Stadtpräsidenten von Wil auf Augenhöhe diskutieren kann.»

Nachdem er ausgeführt hatte, dass Michael Gieseck den Kriterien des sechsköpfigen Gremiums am besten entsprochen habe, bekamen alle drei Kandidaten die Möglichkeit, sich selber ins beste Licht zu rücken. Michael Gieseck strich seine internationale Tätigkeit und Führungserfahrung hervor. In Bezug auf das neue Amt betonte er seinen Respekt vor der Aufgabe und der Leistung des Vorgängers, aber auch seine Lernbereitschaft und Lernfähigkeit.

Paul Hug wies auf seine Verbundenheit mit Wilen und der Region hin. Ihm wäre der Informationsaustausch wichtig. Durch eine gute Kommunikation liessen sich seiner Meinung nach manche Probleme und Missverständnisse vermeiden.

Guido Scherpenhuysen liess sich und seine menschlichen und fachlichen Qualitäten durch eine Mitbürgerin in einem Video schildern. Seine Leistung für die Gemeinschaft drückte er in einer Zahl aus: In zwei Jahrzehnten habe er gut eine halbe Million Franken an Steuern abgeliefert.

Vision: Glückliche Wilener

Der Aufforderung von Simon Dudle, sich in drei Adjektiven zu beschreiben, kamen die Bewerber wie folgt nach: Gieseck: «Zuverlässig, spannend, motivierend.» Hug: «Kreativ, mutig, neugierig.» Scherpenhuysen: «Kompetent, transparent, ehrlich.» Auf die Frage, welcher Partei sie sich am ehesten verwandt fühlen würden, nannte Scherpenhuysen die Grünliberalen, Hug die SVP und Gieseck die FDP.

Bezüglich der Visionen für Wilen liess sich keiner der Kandidaten auf die Äste hinaus. Niemand könne in die Zukunft schauen, und er wolle nicht über unausgereifte Projekte sprechen, meinte Scherpenhuysen. Die Zukunft müsse zusammen mit den Bürgern gestaltet werden, ihre Vorschläge gelte es aufzugreifen. Hug erachtet einen stärkeren Einsatz für junge Familien als notwendig. Es fehlten Spielplätze. Für Gieseck ginge es darum, das Bestehende weiterzuführen und weiterzuentwickeln. Ihm wären Jugend- und Generationenprojekte wichtig. Zeitgerechter aufgestellt werden müsste seiner Meinung nach die Spitex (Helping Hands).

Applaus aus der Versammlung erhielt Gieseck für seine Beteuerung, er würde sich mit aller Kraft für den Erhalt des Dorfladens einsetzen. Kurt Enderli stellte einschränkend fest, dass der Gemeinde entsprechende Möglichkeiten fehlten. Die Rettung des Ladens liege ausschliesslich im Verhalten der Konsumenten. Im Ziel ihrer Tätigkeit, die Bevölkerung glücklich zu machen, stimmten alle drei Kandidaten überein.

Hochwasserprojekt muss vors Volk

Beim Hochwasserschutzprojekt der Gemeinden Wil, Wilen und Rickenbach mit einem Aufwand von gut 14 Millionen Franken waren alle drei Kandidaten der Meinung, dass das Volk entscheiden müsse. Entscheidungsreif sei das Projekt aber noch nicht. Gieseck möchte es überarbeitet haben. Hochwasserschutz sei unabdingbar. Die Massnahmen würden aber für ein 100-Jahr-Ereignis nicht ausreichen, ist er übereinstimmend mit Scherpenhuysen der Meinung. Letzterer findet den Schlüssel für die Kostenaufteilung unannehmbar. Den Löwenanteil müsste die Stadt Wil, nicht das Dorf Wilen tragen.

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