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Knatsch in der Findungskommission: Mitte-Partei sucht im Alleingang Kandidierende fürs Gemeindepräsidium von Bütschwil-Ganterschwil

Seit anfangs Oktober befasst sich eine überparteiliche Findungskommission mit der Nachfolge für den zurücktretenden Gemeindepräsidenten Karl Brändle. Jetzt hat die Mitte das Gremium per sofort verlassen.

Andrea Häusler
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Wer Karl Brändles Sessel im Gemeindehaus in Bütschwil besetzen wird, entscheidet sich am 12. März 2023.

Wer Karl Brändles Sessel im Gemeindehaus in Bütschwil besetzen wird, entscheidet sich am 12. März 2023.

Bild: PD

«Wir standen von Anbeginn weg unter Zeitdruck», sagt Patrik Raschle. Der Präsident der Mitte Bütschwil-Ganterschwil vertrat seine Partei gemeinsam mit Mirko Leuzinger in der überparteilichen Findungskommission. Seit anfangs Oktober ist diese mit der Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin für den Ende Juli 2023 zurücktretenden Gemeindepräsidenten Karl Brändle beschäftigt. Brändles Rücktritt war Mitte August publik geworden.

Patrik Raschle, Präsident Die Mitte Bütschwil-Ganterschwil.

Patrik Raschle, Präsident Die Mitte Bütschwil-Ganterschwil.

Bild: PD

Die Mitte Bütschwil-Ganterschwil sei sich der Lücke bewusst gewesen, die der amtierende Gemeindepräsident nach 20-jähriger Amtszeit hinterlässt, die Evaluation eines kompetenten Kandidaten oder einer Kandidatin deshalb ein zentrales Anliegen gewesen, sagt Raschle.

«Aus unserer Sicht sollte die Suche professionell und mit Unterstützung einer externen Fachperson stattfinden.»

Die Findungskommission, zusammengesetzt aus je zwei Vertretungen der Mitte, der FDP, SVP und SP, nahm ihre Arbeit anfangs Oktober auf – ohne Beizug eines externen Sachverständigen.

Kontroverse um «Sachverständigen»

Die Stelle wurde ausgeschrieben, das Ende der Bewerbungsfrist auf den
31. Oktober festgesetzt. «Obwohl wir mit unserem Vorschlag zur Professionalisierung der Suche aufgelaufen waren, wirkten wir weiterhin im Gremium mit», sagt Patrik Raschle. Wirklich zielführend sei die Arbeit jedoch nicht gewesen. Ob er damit die Qualität oder die Zahl der Bewerbungen meint, lässt er offen. Auch will er nicht sagen, wie viele Interessierte ihre Dossiers eingereicht haben, verweist stattdessen auf die vereinbarte Verschwiegenheitsklausel.

Gleichwohl lässt er durchblicken, dass man nicht soweit ist, wie man sein müsste, um am 23. Dezember mindestens einen geeigneten Kandidaten oder eine Kandidatin zu präsentieren. «Unser Vorschlag», ist Raschle überzeugt, «hätte ein professionelles und effizientes Vorgehen ermöglicht.» Dass die Verpflichtung einer Fachperson mit 15'000 bis 30'000 Franken ihren Preis gehabt hätte, verhehlt er nicht, sagt aber: «Ein kompetenter Gemeindepräsidenten oder eine Gemeindepräsidentin hätte die Auslagen rasch wieder eingespielt.»

Mitte sucht in eigener Regie

Mit der Begründung, die eigenen Ambitionen und Qualitätsansprüche nicht zurückstellen zu wollen, hat die Mitte die Konsequenzen gezogen und ist per sofort aus der Findungskommission ausgetreten mit dem Ziel, die Suche selber in die Hand zu nehmen.

Die Frage, ob man bereits eine Person in der Hinterhand habe, verneint Patrik Raschle. «Es besteht einfach weiterhin die Möglichkeit, sich für eine Kandidatur zu bewerben.» Dabei macht er klar, dass die Parteizugehörigkeit nicht im Vordergrund stehe.

«Wir wollen die beste Lösung für unsere Gemeinde, selbst wenn dies für die Mitte den Verlust des Gemeindepräsidiums bedeutete.»

Findungskommission setzt Arbeit fort

«Die verbleibenden Parteivertreterinnen und -vertreter der FDP, SP und SVP nehmen den Rückzug der Vertreter der Mitte mit Bedauern zur Kenntnis», lässt die Kommission in einer kurzen Stellungnahme verlauten. Die Findungskommission führe ihre Arbeit gemäss ihrem Konzept weiter. Dies in der Hoffnung, der Stimmbevölkerung vor Weihnachten ein bis zwei kompetente Kandidierende präsentieren und zur Wahl vorschlagen zu können.

Sollte das Worst-Case-Szenario eintreten und es weder der Findungskommission noch der Mitte gelingen, den Stimmberechtigten für die Wahl vom 12. März 2023 einen Kandidaten oder eine Kandidatin vorzuschlagen, würden die Geschäfte von Karl Brändles Stellvertreter, SVP-Gemeinderat Peter Moos, weitergeführt und das Kandidatenkarussell begänne sich erneut zu drehen.