Wahlen
Beim «Tagblatt»-Podium in Brunnadern zeigten sich die Kandidaten flexibler, als es das Parteibuch erwarten liess

Am Donnerstagabend kreuzten die drei Kandidaten für die Gemeindepräsidentschaft der bald frisch fusionierten Gemeinde Neckertal die Klingen. Die drei Männer wussten inhaltlich zu überraschen.

Sascha Erni
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Urs M. Hemm (rechts) führte durch das Podium mit den drei Kandidaten für das Neckertaler Gemeindepräsidium.

Urs M. Hemm (rechts) führte durch das Podium mit den drei Kandidaten für das Neckertaler Gemeindepräsidium.

Bild: Sascha Erni

Im Rahmen des Podiums zur Wahl ums Neckertaler Gemeindepräsidium befragte «Tagblatt»-Journalist und Moderator Urs M. Hemm die drei Kandidierenden für den zweiten Wahlgang gut 45 Minuten lang. Was auffiel, war, wie wenig die Parteizugehörigkeit eine Rolle zu spielen schien. Ein Aussenstehender hätte seine liebe Mühe gehabt, die richtige Etikette ans Revers des jeweiligen Kandidaten zu heften.

Drei Kandidaten, drei Parteien, einige Überraschungen

Dass zum Beispiel Heinz Grob als SVP-Kandidat und Viehzüchter ausgerechnet Homeoffice und Hightech als die grossen Chancen fürs Neckertal bewarb, dürfte einige im Publikum erstaunt haben:

Von der SVP Neckertal überraschend als dritter Kandidat aufgestellt: Heinz Grob, Gemeinderat in Lütisburg.

Von der SVP Neckertal überraschend als dritter Kandidat aufgestellt: Heinz Grob, Gemeinderat in Lütisburg.

Bild: Sascha Erni
«Der Verkehr wächst sowieso immer stärker. Da wäre Homeoffice eine bessere Lösung, statt das noch weiter zu fördern.»

Umgekehrt betonte Michael Ledergerber, Betriebsökonom und Leiter Finanzen und Administration der Geoinfo AG, wie zentral es für den Standort Neckertal sei, Landwirtschaft und besonders auch das Handwerk nicht zu vernachlässigen:

Kandidat der Mitte: Michael Ledergerber, Zweitplatzierter des ersten Wahlgangs.

Kandidat der Mitte: Michael Ledergerber, Zweitplatzierter des ersten Wahlgangs.

Bild: Sascha Erni
«Mittelfristig werden immer noch 40 Prozent der Menschen im Handwerk und in der Landwirtschaft arbeiten. Da haben wir in der Ostschweiz ein Riesenpotenzial, diese Leute sind gesucht.»

Und der Hemberger SP-Gemeindepräsident Christian Gertsch pochte auf die Wichtigkeit, KMU mit angemessenen Steuern und Wachstumsmöglichkeiten im Neckertal zu halten. Er meinte:

Ein SP-Mitglied geht im konservativen Neckertal als Favorit ins Rennen: Christian Gertsch, Gemeindepräsident von Hemberg.

Ein SP-Mitglied geht im konservativen Neckertal als Favorit ins Rennen: Christian Gertsch, Gemeindepräsident von Hemberg.

Bild: Sascha Erni
«Die Gemeinde muss darauf schauen, was das Gewerbe braucht, um Arbeits- und Ausbildungsplätze im Tal zu schaffen. Und das dann auch ermöglichen.»

Favorit, aber noch keine gewonnene Wahl

Alle drei Kandidaten zeigten sich kompromissbereit, sachbezogen und nicht in einer Parteidoktrin verhaftet. Sie argumentierten durchwegs souverän. Von der Sachkenntnis her war Christian Gertsch, mit sechs Jahren Erfahrung als Gemeindepräsident, im Vorteil. Er überzeugte mit einem Ansatz, der immer das grosse überregionale Bild und die Realitäten vor Ort im Auge behielt. Christian Gertsch dürfte auch im zweiten Wahlgang als Favorit ins Rennen gehen.

Michael Ledergerber punktete mit dem Blick für Details und einem Verständnis dafür, dass Kompromisse in einer vielfältigen Gemeinde wie dem fusionierten Neckertal nötig sind. Er zeigte grosses Verständnis für die Anliegen der Landbevölkerung und vermied es, sie gegen Agglomeration und Städte auszuspielen. Viel mehr betonte er das nötige Miteinander.

Und nicht zuletzt fand Heinz Grob mit sachbezogenen und praxisnahen Ansätzen ebenfalls sein Publikum. Als langjähriger Gemeinderat von Lütisburg, Landwirt und Unternehmer sprach er die Sprache der KMU im Saal, blieb dabei aber nicht nur in Sachen Homeoffice im modernen Hier und Jetzt verortet.

In persönlichen Gesprächen getrumpft

Trotz der brütenden Hitze und den Sommerferien fanden sich fast 70 Interessierte in der Mehrzweckhalle Haselacker ein.

Trotz der brütenden Hitze und den Sommerferien fanden sich fast 70 Interessierte in der Mehrzweckhalle Haselacker ein.

Bild: Sascha Erni

Das «Toggenburger Tagblatt» veranstaltete das Podium in Brunnadern im Vorfeld zum zweiten Wahlgang vom 28. August. Mitten in der Ferienzeit, das sei nicht ideal für einen solchen Event, erklärte Urs M. Hemm im Vorfeld. Aber da nächste Woche die Wahlunterlagen bei der Stimmbevölkerung eintreffen werden, sei es dennoch der richtige Moment. Knapp 70 Interessierte teilten diese Meinung und fanden sich am Donnerstagabend in der Mehrzweckhalle Haselacker in Brunnadern ein.

Eingängig zur Veranstaltung bekamen die Kandidierenden für den Gemeinderat ebenfalls die Möglichkeit, sich den Wählerinnen und Wählern vorzustellen. Auch dort wird es zu einer Kampfwahl kommen, denn fünf Neckertalerinnen und Neckertaler kandidieren um zwei Plätze. Und auch hier, wie bei den drei Präsidentschafts-Kandidaten, erwies sich der Apéro im Anschluss an das eigentliche Podium für die etwaige Wahl als entscheidend. Der persönliche Kontakt mit der Bevölkerung zog zumindest an diesem Abend durchs Band mehr, als geschliffene Worte von der Wahltribüne.