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Vor der EM im Voltigieren in Holland: Voltige Lütisburgs blutjunge Truppe steckt voller Ehrgeiz und scheut keinen Trainingsaufwand

Voltige Lütisburg vertritt die Schweiz an der Europameisterschaft in Holland. Im Training geht es entsprechend intensiv zur Sache – die Trainer müssen ihre Schützlinge gar ermahnen, sich nicht zu viel Druck aufzuladen.
Timon Kobelt

«Ein Fussballer wäre wohl liegengeblieben», kommentiert Heidi Bischofberger nach der misslungenen Landung einer Lütisburger Voltigiererin. Stattdessen rappelt sich die junge Frau sofort wieder vom sandigen Boden in der Wiler Reithalle auf und bemüht sich, wieder auf den Rücken des Pferdes Rayo zu kommen. Es ist eines der letzten intensiven Vorbereitungstrainings für die Europameisterschaft (EM). Die junge Dame lässt sich nichts anmerken, obwohl sie bei der verpatzten Landung nach dem Salto rückwärts vom Rücken des Pferdes einen satten Schlag in die Fussgelenke gekriegt haben dürfte. «Ja, sie sind ehrgeizig», meint Heidi Bischofberger, die Frau von Voltige Lütisburgs Präsident Kurt.

Ihre Tochter Monika ist gerade mit Longieren beschäftigt. Sie trainiert das Elite-Team von Voltige Lütisburg, das sich an der EM im niederländischen Ermelo anschickt, eine Medaille zu erobern. Damit dieses Unterfangen gelingt, muss viel zusammenpassen, denn das Team hat viele Veränderungen erfahren: Drei Voltigiererinnen der Mannschaft, die letztes Jahr an den Weltreiterspielen in den USA Silber holten, sind nicht mehr mit dabei. Ersetzt hat sie Monika Winkler mit «jungen, talentierten Voltigiererinnen, denen halt noch etwas die Erfahrung fehlt». Dennoch ist die Trainerin überzeugt, dass man die grossen Nationen wie Frankreich oder Österreich ärgern könne. Insgesamt treten zwölf Nationen beim Teamwettkampf an. Die 43-jährige Trainerin sagt:

«Mit etwas Glück können wir wohl um die Bronzemedaille mitkämpfen. Aber ich habe meinem jungen Team gesagt, dass es bereits eine starke Leistung war, sich für das Championat zu qualifizieren.»

Der Schweizerische Voltige Verband hat aufgrund der Qualifikation entschieden, dass Voltige Lütisburg in Ermelo die Schweiz vertreten darf.

Deutsche Expertise für Schweizer Erfolg

Michael Gnad, Experte für Choreographie im Voltigieren (Bild: Timon Kobelt)

Michael Gnad, Experte für
Choreographie im Voltigieren (Bild: Timon Kobelt)

Der spürbare Ehrgeiz soll also nicht die Freude verdrängen oder gar in Druck umschlagen. Darauf schwört Michael Gnad das siebenköpfige Team – antreten dürfen nur sechs – während des Trainings ebenfalls ein: «Nehmt euch bitte den Druck, in Holland den EM-Titel gewinnen zu müssen. Und vergleicht euch nicht mit dem Team des letzten Jahres. Wichtig ist, dass ihr alle euer Bestes gebt.»

«Nehmt euch bitte den Druck, in Holland den EM-Titel gewinnen zu müssen. Und vergleicht euch nicht mit dem Team des letzten Jahres. Wichtig ist, dass ihr alle euer Bestes gebt.» Die jungen Damen und der eine männliche Voltigierer hören Gnad dabei genau zu. Es scheint, als sei einigen nach dessen Worten tatsächlich leichter zumute.

Michael Gnad lebt in Stuttgart, ist jedoch ab den Wintermonaten ein regelmässiger Gast bei Voltige Lütisburg. Er perfektioniert hauptsächlich die Kür des Teams, hilft aber auch den Athleten, die zusätzlich im Einzelwettkampf antreten. «Unsere Zusammenarbeit funktioniert gut. Michael gibt uns jeweils eine wertvolle Aussensicht und sieht auch mal Dinge, die mir während des Longierens entgehen», sagt Monika Winkler.

Das Intensivtraining während des Sommers hat gut zwei Wochen gedauert und verdient seinen Namen: Täglich standen die Voltigierer im Einsatz – sei es im Training oder an Vorbereitungsturnieren. Man habe darauf geachtet, auch gemütliche Aktivitäten einzustreuen, sagt Monika Winkler.

«So haben wir einmal eine Privatbadi gemietet, damit am Mittag alle schwimmen konnten. Auch gemeinsame Essen wie ein Pizzaofen-Plausch waren Teil des Programms.»

Das junge Team müsse sich sowohl inner- als auch ausserhalb der Reitarena finden. Apropos junges Team: Damit ist in diesem Fall nicht untertrieben. Die elfjährige Mona Müller ist die Jüngste im Bunde. Daria Gallo, Kyra Seiler, Samira Koller und Kaija Heuberger befinden sich im Teenager-Alter. Komplettiert wird die Elite von Voltige Lütisburg von der 21-jährigen Sina Graf und dem 18-jährigen Sven Ris, der Hahn im Korb. Diese blutjunge Truppe will bei den Senioren für Furore sorgen.

Wer das 18. Lebensjahr vollendet hat, muss an einem Championat der Voltigierer bei den Senioren teilnehmen. Auch, wenn dies wie im aktuellen Team von Voltige Lütisburg nur auf Sina Graf zutrifft. Monika Winkler sieht darin aber durchaus Chancen: «Bei den Senioren ist das Niveau höher, was attraktiv ist und eine wertvolle Erfahrung für meine Truppe darstellt.» Ausserdem stehe mit der 25-jährigen Nadja Büttiker eine Top-Reservistin für das Team bereit.

Im Einzel sollen Medaillen her

Nadja Büttiker ist die bekannteste Voltigiererin des Vereins und wird in Holland im Einzel der Senioren-Frauen teilnehmen – sie ist beim Trainingsbesuch des «Toggenburger Tagblatts» nicht anwesend. Bei ihr ist die Zielsetzung klar: Eine Medaille soll her. Gleiches gilt für Sven Ris. Bei den Junior-Männern handelt es sich im Einzel gar um eine WM. Er wird diese auf dem Schimmel Acardi, dem zweiten Pferd von Voltige Lütisburg, in Angriff nehmen. Da er erst kürzlich 18 geworden ist, kann Sven Ris ein letztes Mal in der Kategorie Junioren teilnehmen. Sowohl im Einzel- als auch im Teamwettkampf gibt es eine Pflicht und eine Kür. Ersteres erhalten die Voltigierer vorgesetzt, Letzteres studieren sie selbst ein.

Das Training neigt sich dem Ende zu. Es wird noch einmal gefeilt und getüftelt. Die Stimmung wechselt zwischen munter und angespannt hin und her. Zuweilen ist den Athleten der Frust anzusehen, wenn etwas nicht geklappt hat. Doch sie muntern sich gegenseitig auf und motivieren sich. Streicheleinheiten für die beiden Pferde Rayo und Acardi dürfen natürlich auch nicht fehlen. Am Sonntag bricht das Team nach Holland auf, die Wettkämpfe dauern vom 24. bis 28. Juli. Es bleibt zu hoffen, dass sich in Ermelo niemand von Voltige Lütisburg vom Boden aufrappeln muss.

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