Vor 20 Jahren sollte in Lichtensteig ein Türmchen aus dem 17. Jahrhundert rekonstruiert werden

Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 und 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Ansicht des Städtchens Lichtensteig um das Jahr 1805: rechts ist der rekonstruierte Dachreiter auf dem alten Rathaus zu sehen. (Bild: PD)

Ansicht des Städtchens Lichtensteig um das Jahr 1805: rechts ist der rekonstruierte Dachreiter auf dem alten Rathaus zu sehen. (Bild: PD)

Vor 100 Jahren

20. September: Oberes Toggenburg. Am Montagabend zog ein schweres Gewitter über die Gegend von Schwende und die Alp Iltios und entwickelte sich zu einem furchtbaren Hagelwetter und Wolkenbruch. Alle Bächlein wurden zu reissenden Gebirgsbächen und stürzten mit Getöse dem Tale zu, überall über die Ufer tretend.

In Unterwasser kamen die Wassermassen, die Felsblöcke, Baumstämme, Geröll, verschiedene Stallgeräte und eine Unmenge Wurzelstöcke mitführten, zusammen, und überschwemmten die Wiesen, Äcker, Gärten und Strassen und drangen in die Häuser ein. Der Schaden ist sehr gross.

24. September: Unterwasser. Der Montag war für das Dorf Unterwasser ein Schreckenstag. Von den Churfirsten her lösten sich nach 7 Uhr abends schwere Wolken in Hagel auf, der Strassen, Wiesen und Hausdächer weiss überdeckte. Mit Getöse führte das zum reissenden Strome angewachsene Nasenbächlein Baumstrunke und Wurzeln, Steine und Schlamm zu Tal und in die Thur.

Das Elektrizitätswerk stand in Gefahr, mitgerissen zu werden und das Licht musste ausgeschaltet werden. Der über das Ufer getretene Nasenbach wälzte sich, eine Viehstallung als Insel zurücklassend, der Schwendestrasse bzw. der Thur zu. Im Stall schwebten zwei Knaben und zehn Stück Vieh in Lebensgefahr. In mutiger Tat entriss ein junger Bäcker des Hotels Säntis die zwei Knaben dem Tode durch die tobenden Wasser und auch das Vieh konnte in Sicherheit gebracht werden.

Vor 50 Jahren

24. September: Wattwil. An der ausserordentlichen Schulbürgerversammlung vom 10. März 1969 beschlossen die Schulbürger beider Konfessionen die Eröffnung eines paritätisch geführten Kindergartens. Vorerst wurde im Stutz, im Privathaus der Familie E. Weber, ein provisorischer Kindergarten eröffnet, der 20 Kindern Platz für den Unterricht bot.

Inzwischen konnte die Bodenfrage gelöst werden (Firma Heberlein & Co. AG stellt eine Bauparzelle von 2000 m2 für 30 Jahre unentgeltlich zur Verfügung), und mit dem Bau des neuen Kindergartens wurde begonnen. Auf das Wintersemester 1969/70 können 60 Kinder, aufgeteilt in zwei Klassen, aufgenommen werden; das Provisorium im Stutz wird aufgehoben. Mit dem Bau des paritätischen Kindergartens ist ein grosser Schritt zur Schulverschmelzung getan.

Vor 20 Jahren

21. September: Wattwil. Seit 1. September werden die Parkplätze im Dorf bewirtschaftet. Parkplätze, die sich in der «blauen Zone» befinden, werden nicht mit Parkuhren bestückt. Andere Plätze dagegen, wie bei der Berufsschule und auf dem Gemeindehausplatz, sind mit entsprechenden Automaten ausgerüstet. Die Gemeinde empfahl, einzelne Parkplätze in die «blaue Zone» zu integrieren oder selber zu bewirtschaften. Zahlreiche private Parkplatzbesitzer folgten diesem Rat.

25. September: Lichtensteig. Im Jahre 1621 errichteten Schultheiss Heinrich und seine Frau in ihrem Haus im Höfli die Dreifaltigkeitskapelle. Ein Turm mit zwei Glöcklein kam auf das Dach. Er wurde im Jahre 1842 abgebrochen und soll nun rekonstruiert werden. Eine Spende von 50'000 Franken gab den ersten Anstoss dazu. Die Visiere sind gut sichtbar auf dem heutigen Haus Sennhauser am Goldenen Boden – im Höfli – angebracht.

Das Türmchen wird auf der Häuserzeile, von der Region um den Bahnhof sowie vom Goldenen Boden her sichtbar sein. Einst waren in dem Türmchen die zwei Glocken der Dreifaltigkeitskapelle untergebracht. Wo sie nach dem Abbruch 1842 hingekommen sind, ist nicht mehr feststellbar.

Dank dem Entgegenkommen der Familie Sennhauser erhielt Lichtensteig ein 20-jähriges Nutzungsrecht für den Raum der ehemaligen Dreifaltigkeitskapelle. Er wird für Ziviltrauungen, kleine Empfänge oder für Vereinssitzungen genützt. An Städtliführungen können Besucherinnen und Besucher ihn besichtigen.

Vor 10 Jahren

22. September: Schach. Kurz nachdem Benedict Hasenohr gegen den Grossmeister Kasparow in Zürich Remis gespielt hat, gibt es ein weiteres Glanzresultat des 14-jährigen Krinauers zu vermelden. An der Schach-Europameisterschaft der Jugend in Fermo (Italien) hat Benedict Hasenohr mit 5,5 Punkten aus neun Runden den 22. Schlussrang erreicht. Damit ist er bester EM-Teilnehmer aus der Schweiz in der Kategorie U14.

24. September: Toggenburg. Das Toggenburg will in den nächsten 25 Jahren Energie-autark werden. Ob es sich nur um einen PR-Gag oder um ein ernstgemeintes Ziel handelt, diese Frage hat sich eine Redaktion des Schweizer Fernsehens gestellt. «Einstein» hat einen kritischen Augenschein im Tal genommen. Thomas Grob ist Präsident des Fördervereins Energietal Toggenburg. Dieser Verein will das Toggenburg in 25 Jahren Energie-autark machen. Das Projekt läuft seit zwei Jahren.