Von zerschlagenem Geschirr bis beharrlicher Umsetzung: Das sagen die Fraktionen zur abtretenden Stadtpräsidentin Susanne Hartmann

Nach acht Jahren verlässt Susanne Hartmann das Wiler Stadtpräsidium. Die Fraktionspräsidentinnen und Fraktionspräsidenten wagen ein Kurzfazit.

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Wil - Abschlussinterview mit Susanne Hartmann Stadtpräsidentin und neue Regierungsrätin Kantons St. Gallen und Meinungen der Fraktionspräsis

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Ralph Ribi

Mit dem Monat Mai endet auch die Zeit von Susanne Hartmann (CVP) als Stadtpräsidentin von Wil. Wie blicken die Präsidentinnen und Präsidenten der Wiler Stadtparlamentsfraktionen auf die Amtszeit Hartmanns zurück?

Christoph Hürsch, Fraktionspräsident CVP

Susanne Hartmann hatte als Stadtpräsidentin einen veritablen Kaltstart mit der Vereinigung von Wil mit Bronschhofen zu bewältigen. Dies gelang ihr mit Bravour. Gleichzeitig war die Pensionskasse der Stadt zu sanieren, was sie ebenfalls zu einem sehr guten Ende führte. Danach wurden grosse und langwierige Projekte wie das Agglomerationsprogramm oder die dritte Bauetappe des Hofs zu Wil zur Aufgabe, die sie nun gut vorbereitet in neue Hände übergeben kann. Die CVP dankt ihr für die Beharrlichkeit, die sie in der Umsetzung der Aufgaben stets zeigte.

Adrian Bachmann, Fraktionspräsident FDP

Die Bewertung von Susanne Hartmanns Amtszeit ist wie die Frage, ob das Glas halb voll oder halb leer sei. Einiges ist gut gelungen; Wil ist weiterhin eine äusserst lebenswerte Kleinstadt. Es gibt auch Bereiche, in denen noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Dies alles ist weder alleine Hartmanns Verdienst noch Verschulden. In der Politik lassen sich Ziele nur gemeinsam erreichen. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass der Stadtrat stärker als Team auftritt und dass die Vertrauensbasis zwischen Parlament und Stadtrat zunimmt. Dann wird es gelingen, heute brachliegende Potenziale besser zu nutzen.

Guido Wick, Fraktionspräsident Grüne Prowil

Vor acht Jahren hatten wir grosse Hoffnungen in Susanne Hartmann gesetzt. Zu Beginn hat sie sich ökologischen Herausforderungen gegenüber offen gezeigt. Mit zunehmender Amtszeit legte sie den Fokus primär aufs Sparen und nicht auf Innovationen. Ihre Anstrengungen und Erfolge in der Integrationsarbeit fallen positiv auf. Hingegen gelang es ihr nicht, den Stadtrat als Einheit gegen aussen zu profilieren. Im Umgang mit dem Parlament liess sie immer wieder die notwendige Gelassenheit vermissen.

Silvia Ammann, Fraktionspräsidentin SP

Die SP schätzte den Einsatz beim Thema Integration, wir denken hier an den Partizipationsartikel, die konstruktive Zusammenarbeit mit Vertretern der Moschee. Soziale Anliegen fanden durchweg Gehör. Neues konnte injiziert werden, etwa Junge mit Migrationshintergrund zur Jungbürgerfeier einzuladen. Die Kommunikation mit verschiedenen Playern hat aber noch Potenzial. Personen wurden vor den Kopf gestossen, und es wurde ganz viel Geschirr zerschlagen. Die Stimmung ist in verschiedenen Bereichen nicht gut und für die Zusammenarbeit und dem Vorwärtskommen der Stadt hinderlich.

Benjamin Büsser, Fraktionspräsident SVP

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Die Stadtpräsidentin hat die in den letzten Jahren ausgezeichneten Rahmenbedingungen mit den steigenden Steuereinnahmen zu wenig genutzt, um die Stadt weiter zu entwickeln. Bezüglich Kathi war ihre Stimme immer richtig und wichtig. Leider wurde vom Gesamtstadtrat zu viel Energie und Zeit in Rechtsstreitigkeiten und interne Reorganisationen investiert, da erwarten wir eine Veränderung. Wir vertrauen darauf, dass Susanne Hartmann sich in der Regierung im Interesse der Stadt Wil einsetzen wird und wünschen ihr zum Start alles Gute.

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