Von Hutrosen bis Schuhschnallen – Eine Ausstellung in Alt St.Johann widmet sich dem Thema Trachten

Beschlagene Hosenträger, Uhren- und Ladenketten, aber auch Schuhschnallen
und Hutrosen: Im Gasthaus zum Schäfli können Brauchtumsfreunde aus dem Vollen schöpfen.

Adi Lippuner
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Die beiden Schäfli-Sepp, «der Alte» (links) und sein Sohn inmitten der Ausstellung Trachtenschmuck. (Bild: Adi Lippuner)

Die beiden Schäfli-Sepp, «der Alte» (links) und sein Sohn inmitten der Ausstellung Trachtenschmuck. (Bild: Adi Lippuner)

38 Hosenträger, 26 Ladenketten und 19 Chüeli-Uhren, dazu noch eine Vielzahl Broschen, Ringe und einige Lindauerli haben «Schäfli»-Sepp «der Alte» und sein Sohn, «Schäfli»-Sepp Junior, für die aktuelle Ausstellung «Trachtenschmuck» zusammen getragen. In extra für die Präsentation angefertigten Schaukästen werden Raritäten und eine Vielfalt gezeigt, wie sie sonst in keinem Museum vorhanden ist.

«Das Brauchtum, die Authentizität und die Vollständigkeit einer Tracht liegen mir am Herzen, deshalb auch diese Ausstellung», so Sepp Koller, bekannt als «Schäfli»-Sepp, mit dem Zusatz, «der Alte», weil sein Sohn mit gleichem Namen inzwischen das Gasthaus zum Schäfli führt. Beiden gemeinsam ist die Freude am lebendigen Brauchtum und so wurden, in akribischer Kleinarbeit, Leihgaben aus dem
Toggenburg und den beiden Appenzeller Halbkantonen zusammengetragen. Einige der Ausstellungsstücke sind im Besitz der Familie Koller und zeigen, wie stark sich die Wirtefamilie mit der Tradition identifiziert.

Toggenburger und Appenzeller Eigenheiten

Auf den ersten Blick sind Toggenburger und Appenzeller, wenn sie das rote Brusttuch und die braune Hose tragen, kaum zu unterscheiden. Doch es gebe klare Merkmale, so Sepp Koller. Die Halskette wird nur von den Toggenburgern getragen, die Appenzeller beschränken sich auf die Ladenkette. Und auch die «Flättere», der Hutbändel hat unterschiedliche Farben. «Bei uns im Toggenburg ist es rot-gelb-grün, bei den Appenzellern nur rot-grün,» erklärt Sepp Koller. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal sei die Hutrose, welche vorwiegend im Toggenburg anzutreffen ist, es gebe aber vereinzelt ältere Appenzeller Hüte, bei denen ebenfalls eine Rose angebracht wurde. «Beiden Regionen gemeinsam ist, dass die Tracht möglichst vollständig getragen werden sollte, das gehört einfach zum Brauchtum,» sind sich die Ausstellungsmacher einig. (adi)

Fachwissen weitergeben

Sepp Koller Senior befasst sich schon seit vielen Jahren mit Trachtenschmuck und trägt diesen, als Mitglied des Jodelklub Thurtal, auch mit Freude. «Mir ist die Vollständigkeit einer Tracht ein Anliegen, auch wenn die Beschaffung der einzelnen Stücke nicht immer einfach ist», war bei einem Besuch vor Ort zu erfahren. «Meist werden die Stücke innerhalb einer Familie weiter gegeben oder können unter der Hand erworben werden.» Doch es gebe immer wieder Gelegenheiten, um seine Tracht zu vervollständigen.

Beschlagene Hosenträger ganz verschiedener Hersteller, aber auch Uhren- und Ladenketten  begeistern die Liebhaber und Kenner von Trachtenschmuck. (Bild: Adi Lippuner)

Beschlagene Hosenträger ganz verschiedener Hersteller, aber auch Uhren- und Ladenketten begeistern die Liebhaber und Kenner von Trachtenschmuck. (Bild: Adi Lippuner)

Bereits kurz nach der Eröffnung der Ausstellung am 17. Mai seien erste Besucher, gekleidet in ihrer Tracht, ins Gasthaus gekommen. «Sie wollten wissen, woher ihre Hosenträger, die Laden- und die Uhrenkette stammen könnten», war von Sepp Koller zu erfahren. «Nur die wenigsten Hersteller von Trachtenschmuck stempeln oder punzieren ihre Werke. So bleibt nichts anderes übrig, als mit den Jahren ein Auge für die Besonderheiten zu entwickeln», sagt der Fachmann. «Jeder Künstler hat seine eigene Handschrift, die ist aufgrund seiner Punzen, der Stempel und der verwendeten Meissel erkennbar.» Es brauche aber viel Erfahrung und ein geschultes Auge, um die Herkunft sicher zu bestimmen. «Während der letzten Tage konnte ich schon einigen Besuchern erklären, welche Kostbarkeiten sich in ihrem Besitz befinden und dass es sich lohnt, diesen Stücken Sorge zu tragen.»

Trouvaillen aus früheren Zeiten

Von den 38 Hosenträgern gibt es solche mit und ohne «Chütz» also Fransen. «Schäfli»-Sepp dazu: «Bis 1935 wurden alle Hosenträger ohne Fransen hergestellt, dann begann einer damit und andere zogen nach. Vermutlich war es Johannes Weisshaupt aus Herisau, der dies einführte, aber das ist nicht schriftlich festgehalten.» Im Volksmund heisse es oft, nur Toggenburger tragen Hosenträger mit «Chütz», bei den Appenzellern sei das verpönt. «So generell lässt sich das nicht sagen. Genau so wenig, wie die sieben oder acht Knöpfe am roten Brusttuch einen Unterschied zwischen Toggenburg und Appenzell signalisieren.»

Ein «Rädli»-Träger, hergestellt von Joachim Grob, «Schluche-Bueb». (Bild: Adi Lippuner)

Ein «Rädli»-Träger, hergestellt von Joachim Grob, «Schluche-Bueb». (Bild: Adi Lippuner)

Hosenträger, hergestellt von Joachim Grob, genannt «Schluche-Bueb» und seinem Sohn Ueli, bekannt als «Schluche-­Ueli», wohnhaft gewesen in der Schluchen, Nesslau, sind gemäss Auskunft von Sepp Koller heute wieder sehr gefragt. Auch Arbeiten von Johann Weisshaupt (1896 bis 1939) gehören zu den wertvollen Erzeugnissen und sind begehrt. Mit Thomas Rütsche, Ebnat-Kappel, ist ein junger Kunsthandwerker in die Bresche gesprungen und sorgt, sehr zur Freunde von Trachtenliebhabern, für den begehrten Schmuck. Als Hobby, aber ebenfalls sehr engagiert, betreibt Werner Huser vom Boden in Alt St. Johann, die Herstellung von Beschlägen.

Hinweis

Die Ausstellung, die ausschliesslich aus handgemachten Einzelstücken besteht, ist noch bis zum 17. Juli zu den Öffnungszeiten des Gasthauses zum Schäfli in Alt St.Johann zugänglich.