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Von der konfessionellen Zweiteilung zur SVP-Dominanz – Die Entwicklung der Parteistärken im Toggenburg

Die SVP ist im Toggenburg die stärkste Kraft. Früher war das Thur- und Neckertal entlang konfessioneller Linien aufgeteilt.
Ruben Schönenberger
Schon bald werden die Parteien wieder mit Plakaten werben. (Bild: Michel Canonica, 24. September 2015)

Schon bald werden die Parteien wieder mit Plakaten werben. (Bild: Michel Canonica, 24. September 2015)

Wenn am 20. Oktober das eidgenössische Parlament gewählt wird, dürfte im Wahlkreis Toggenburg erneut die SVP als stärkste Partei aus den Wahlen hervorgehen. Im Thur- und Neckertal holt die Partei seit 1999 am meisten Stimmen.

Eidgenössische Wahlen seit 1975
FDP
CVP
SVP
SP
GLP
Grüne
1975197619771978197919801981198219831984198519861987198819891990199119921993199419951996199719981999200020012002200320042005200620072008200920102011201220132014201501020304050

Seit den letzten nationalen Wahlen im Jahr 2015 ist die SVP auch in allen der zwölf Toggenburger Gemeinden die stärkste Kraft. Damit kam eine Entwicklung zum Abschluss, die sich seit 1995 angedeutet hatte. Zuvor war das Toggenburg zwischen CVP und FDP aufgeteilt (siehe Grafik). Die nördlichen Gemeinden – insbesondere der ehemalige Bezirk Alttoggenburg – waren in CVP-Hand, die südlichen Gemeinden ab Wattwil beziehungsweise Neckertal in FDP-Hand; mit Ausnahme von Wildhaus-Alt St.Johann, wo 1975 die CVP am meisten Stimmen holte, 1979 die FDP und danach wieder die CVP.

Katholiken wählen CVP, Reformierte FDP

Die Erklärung dieser Zweiteilung dürfte in den konfessionellen Verhältnissen zu finden sein. Diese wurden unter anderem in den Volkszählungen 1970 und 1980 erhoben. In allen Gemeinden des Thur- und Neckertals, die vor dem Aufstieg der SVP in FDP-Hand waren, gehörten mehr Einwohnerinnen und Einwohner der evangelisch-reformierten als der römisch-katholischen Kirche an. Das umgekehrte Bild zeigt sich in den CVP-dominierten Gemeinden.

Verknappt ausgedrückt: Reformierte wählen FDP, Katholiken CVP. Mit einer Ausnahme: In der Gemeinde Oberhelfenschwil waren mehr Einwohnerinnen und Einwohner evangelisch-reformiert als römisch-katholisch, trotzdem war die Gemeinde CVP-dominiert.

«Die Konfession hatte damals sicher einen Einfluss», sagt Politikwissenschaftler Michael Strebel. Er war von 2008 bis 2014 Mitarbeiter bei den Parlamentsdiensten des Kantonsrates des Kantons St.Gallen und ist heute Ratssekretär des Kantons Solothurn.

Soziale Milieus haben sich aufgelöst

Dass dieser Einfluss nicht mehr gleich gross ist, dürfte an verschiedenen Faktoren liegen. «Die Parteibindung hat grundsätzlich nachgelassen», sagt Strebel. «Zudem übernehmen beispielsweise Kinder nicht einfach die politische Haltung der Eltern.» Das Milieu, in das man geboren wurde, sei heute weniger ausschlaggebend. Dazu komme dann auch noch eine grundsätzliche Säkularisierung, die sich intensiviert habe. Silvano Moeckli, emeritierter Professor an der Universität St.Gallen, sieht das ebenfalls so:

«Die sozialen Milieus haben sich aufgelöst, die Parteibindungen haben abgenommen.»

Der kleiner werdende Wähleranteil von CVP und FDP im Toggenburg lag denn auch nicht bloss am Aufkommen der SVP. Das zeigen auch die Zahlen. Der Rückgang bei CVP und FDP zeigt sich schon von 1975 an und damit von Beginn der Zahlenreihe, die das Bundesamt für Statistik zur Verfügung stellt. Das Aufkommen der SVP beginnt erst 1995.

Fast in allen Gemeinden zeigt sich das gleiche Bild

«Die Entwicklung im Toggenburg liegt durchaus innerhalb der gesamtschweizerischen Tiefenströmung», sagt Moeckli. Diese Entwicklung zeigt sich in allen Gemeinden sehr ähnlich. Die 1975 noch stärkste Partei wurde meist 1999 oder 2003 von der SVP abgelöst, verblieb aber auch danach zweitstärkste Kraft in der Gemeinde.

Nur wenige Gemeinden zeigen ein leicht anderes Bild. In Mosnang waren CVP und SVP 2003 praktisch gleich auf, 2007 und 2011 lag die CVP gar wieder leicht vor der SVP. In Hemberg konnte die SVP schon 1995 die meisten Stimmen auf sich vereinen und die FDP rutschte vom ersten auf den dritten Platz ab. Ähnlich erging es der CVP in Lichtensteig. Sie wurde von der stärksten zur drittstärksten Partei. Ein Teil der Erklärung dürfte hier darin liegen, dass die SP relativ stark ist und so einige CVP-Stimmen abgefangen haben dürfte. Auch in Ebnat-Kappel und Wattwil ist die SP vergleichsweise stark, sie schafft es hier gar auf den dritten Platz in der Gemeinde-internen Rangliste der Parteistärken.

Wird 2019 das Jahr der Grünen?

Eine untergeordnete Rolle spielen bisher die Grünen und die Grünliberalen. Sowohl im Wahlkreis als auch in den einzelnen Gemeinden kommen sie bestenfalls auf mittlere einstellige Prozentzahlen. Ob sich das dieses Jahr ändern wird, bleibt abzuwarten. Dass die eidgenössischen Wahlen 2019 schon vereinzelt zur Klimawahl erklärt wurden, könnte zumindest die Hoffnungen innerhalb dieser Parteien vergrössern.

Ob allfällige Gewinne auf Kosten der SVP gehen würden, lässt sich ebenso wenig vorhersagen. «Da die SVP jetzt auf einem sehr hohen Niveau ist, kann sie natürlich im Herbst auch mehr verlieren», sagt Moeckli.

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