Vom Neckertal ins Obertoggenburg: Kantonale Kälbermäster weiterhin aus dem Toggenburg geleitet

Der Neckertaler Wendelin Jud gibt das Präsidium der Rindviehhalter ohne Verkehrsmilchproduktion ab, der Obertoggenburger Thomas Bohl übernimmt die Aufgabe.

Adi Lippuner
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Daniel Britt (rechts) überreicht dem scheidenden Präsidenten Wendelin Jud einen Geschenkgutschein.

Daniel Britt (rechts) überreicht dem scheidenden Präsidenten Wendelin Jud einen Geschenkgutschein.

Bild: Adi Lippuner

Die Unzufriedenheit der Rindviehhalter ohne Verkehrsmilchproduktion des Kantons St. Gallen (RVO), kurz Kälbermäster genannt, war an der Hauptversammlung im «Sternen», Ebnat-Kappel, am Freitag spürbar. 43 Personen, darunter elf Gäste, waren vor Ort und damit das «Sternen»-Säli bis auf den letzten Platz gefüllt.

Insbesondere die immer neuen «Tricks» der Abnehmer stossen den Mästern sauer auf, gehe es doch nur darum, die Preise noch weiter nach unten zu drücken.

Mäster haben Vorgaben erfüllt

Wendelin Jud ging in seinem Jahresbericht nicht nur auf das vergangene Jahr ein, er liess die 14 Jahre als Präsident Revue passieren und kommt zum Schluss: «Wir Kälbermäster haben in den letzten 15 Jahren die Vorgaben der Fleisch verarbeitenden Branche mehr als erfüllt.» Und nun seien die Bankkälber mit der sehr guten Qualität für die Abnehmer viel zu teuer geworden.

Aus seiner Sicht hängt dies mit dem Einsatz der Farbmessgeräte zusammen, «können doch heute für rotfleischige Kälber wesentlich weniger Abzüge gemacht werden als früher». Es werde für die Abnehmer immer schwieriger, Abzüge geltend zu machen um zu günstigem Kalbfleisch zu kommen.

Kälber zurückgestellt, um später Abzüge zu machen

Als «jüngster Trick» der Abnehmer prangert der scheidende Präsident das Zurückstellen schlachtreifer Kälber an, damit eine Woche später Abzüge wegen Übergewicht, Alter und Fettklasse gemacht werden können. Auch die Aussage, «Angebot und Nachfrage bestimmt den Preis», stimme in der Kälbermast seit gut einem Jahr nicht mehr. Trotz jährlich sinkendem Bankkälber Angebot werde gejammert, dass der Absatz schlecht sein und auch die Nachfrage vor Weihnachten nicht befriedige.

«Dies alles nur mit dem Ziel, die Preise zu drücken.»

Es war der letzte Jahresbericht von Wendelin Jud. Nach 14 Jahren als Präsident der St. Galler Kälbermäster trat er zurück und wurde zum Ehrenpräsidenten ernannt. Er durfte sich deshalb über eine launige Laudatio durch Kassier Daniel Britt, Schwendi-Weisstannen, freuen. «Wendelin Jud hat beim Verband eine steile Karriere gemacht. Er war Neumitglied und wurde direkt zum Präsidenten gewählt. Sozusagen als Erholung von den vielfältigen Aufgaben darf er, zusammen mit Ehefrau Brigitte, Kurzferien in den Glarner Bergen geniessen.»

Neu als Präsident gewählt wurde Thomas Bohl, Stein SG. Für die Arbeit im Vorstand stellt sich Res Bühler, Goldingen, zur Verfügung.

Thomas Bohl, Stein (links) übernimmt das Präsidium des St. Galler Kälbermästerverbands von Wendlin Jud.

Thomas Bohl, Stein (links) übernimmt das Präsidium des St. Galler Kälbermästerverbands von Wendlin Jud.

Bild: Adi Lippuner

Guter Rechnungsabschluss

Kassier Daniel Britt konnte einen positiven Rechnungsabschluss mit Einnahmen in der Höhe von genau 16'000 Franken und einen Gewinn und 868 Franken vorlegen. Der Mitgliederbeitrag bleibt bei 70 Franken, davon müssen 60 Franken an den Schweizerischen Verband abgeliefert werden. Wichtiges Ziel des Vorstands sei es, neue Mitglieder zu werben, um den bisherigen Beitrag längerfristig halten zu können.

In gewohnt unterhaltsamer Art präsentierte Aktuar Martin Zimmermann, Weesen, eine Kurzfassung seines detailliert abgefassten Protokolls. Das Programm für das laufende Jahr sieht wieder eine Vollmondwanderung vor ­–­ und zwar am 3. August auf die Alp Untere Bächen in Ebnat-Kappel. Auch eine Herbsttagung zum Thema «Alternative zum tiefen Milchpreis», steht auf dem Programm und im Januar 2021 ist eine Winterfachtagung geplant.