Vizepräsident rückt nach: Köbi Rutz übergibt Präsidium des Jägervereins Toggenburg an Stephan Schädler

An der 79. HV des Jägervereins Toggenburg war nicht nur der Wechsel an der Vereinsspitze ein Thema. Es ging auch um den Luchs und ums Tierwohl der Rehkitze.

Sascha Erni
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Gut gelaunt übergab Köbi Rutz (links) sein Amt an Stephan Schädler.

Gut gelaunt übergab Köbi Rutz (links) sein Amt an Stephan Schädler.

Bild: Sascha Erni

Am 14. Februar war der Lichtensteiger Kronensaal fest in Jägerhand, als an die 200 Mitglieder die Hauptversammlung des Jägervereins Toggenburg abhielten. Ein zentrales Thema wäre eigentlich das revidierte Jagdgesetz gewesen, über welches das Stimmvolk am 17. Mai abstimmen wird.

Aber der Freitagabend stand ganz im Zeichen des Rücktritts von Obmann und Präsident Köbi Rutz. «Als ich 2012 gewählt wurde, sagte ich noch, dass ich das maximal zwei bis drei Jahre machen werde. Es wurden acht», lachte er. Aber wenn die Nachfolge gut gelöst werden könne, dann müsse man zurücktreten.

Die Weidmänner wählten Stephan Schädler aus Jonschwil, bisheriger Hunde-Obmann und Vizepräsident, einstimmig zum neuen Präsidenten. Sein Nachfolger als Hunde-Obmann wird Paolo De Carli aus Appenzell, der an der Hauptversammlung auch gleich als neues Mitglied in den Jägerverein Toggenburg aufgenommen wurde.

Mit Drohnen zu mehr Tierwohl

Der abtretende Präsident blickte in seinem letzten Jahresbericht auf ein erfreuliches 2019 zurück, und skizzierte die Herausforderungen fürs neue Jahr. «Allein im Kanton St.Gallen sterben jedes Jahr Hunderte Rehkitze einen grausamen Tod durch schnelle Mähmaschinen», eröffnete er seine Ansprache.

Entsprechend wolle Revier Jagd St.Gallen zehn Drohnen mit Wärmebildkameras beschaffen, in einem Ausbildungskurs sollen dann im Frühjahr Piloten ausgebildet werden, sofern die erforderliche Summe von 60'000 Franken durch Spenden zusammengebracht werden kann. Auch bei der Jagdgesetzrevision 2022 stünde noch Arbeit an. «Es ist grundsätzlich ein gutes Gesetz, es enthält allerdings einige unbefriedigende Kernpunkte», so Rutz. Die Vorstände der Jägervereine sollen bis zur kantonalen Obmänner-Tagung im März ihre Vorschläge für Verbesserungen einbringen, Revier Jagd St. Gallen strebe bis Mitte 2020 eine vorlegbare Version an.

Aussagen des Präsidenten wurden falsch wiedergegeben

«Luchs!», rief Köbi Rutz dann nach einer Kunstpause in den Raum, zur allgemeinen Erheiterung der Anwesenden. Er nahm damit Bezug auf die Kontroverse Ende 2019, die seine Aussagen zur Verbreitung des Raubwilds im Obertoggenburg ausgelöst hatten. «Bei uns im Toggenburg, insbesondere im oberen Teil, ist die Anzahl Luchse im Gegensatz zu anderen Orten meines Erachtens extrem gestiegen», betonte er auch an der Hauptversammlung.

Dann holte er, sichtlich aufgewühlt, zur Medienschelte aus. Er stehe auch heute noch voll zu seinen Aussagen, wie sie die Tagesschau und Tele-Ostschweiz wiedergegeben hätten. Aber Journalistinnen und Journalisten bei FM1 und insbesondere bei «Blick online» hätten seine Aussagen aus dem Kontext gerissen und nach eigenem Gutdünken ergänzt.

«Wenn das in diesen Medien normal ist, sind wir an einem gefährlichen Ort in Sachen Medien angekommen.»

Er könne verstehen, dass auch seine Original-Aussagen nicht von allen Jägerinnen und Jägern geteilt werden. Er entschuldigte sich bei denjenigen Mitgliedern des Jägervereins Toggenburg, die sich über ihn geärgert hatten. «Aber nochmals, alles, was Tele-Ostschweiz sendete, da stehe ich heute noch dazu.»

Die Jagd als Lebenseinstellung

Bevor Köbi Rutz mit grossem Applaus und vielen Dankesworten, unter anderem von Regierungsrat Bruno Damann und Peter Weigelt von Revier Jagd St.Gallen, verdankt wurde, hielt auch Stephan Schädler als frischgewählter Präsident eine Ansprache. «Jagen ist kein Hobby, sondern eine Lebenseinstellung», eröffnete er. Jägerinnen und Jäger machten nur ein halbes Prozent der Schweizer Bevölkerung aus. Entsprechend wichtig sei es, dass man sich gut mit der Öffentlichkeit verstehe.

Im Toggenburg sei man in einer komfortablen Lage, da hier in der Bevölkerung die Jagd gut akzeptiert sei. Jeder Einzelne könne etwas bewegen, dass das auch so bleibe. Nach knapp zwei Stunden war der offizielle Teil der Hauptversammlung abgeschlossen, die «Wilden Weiber Lichtensteig» servierten Getränke und Essen.

Der Jägerverein Toggenburg kann zuversichtlich ins neue Vereinsjahr blicken. Zwar gab es 2019 einige Austritte, aber er kann auch 16 Neumitglieder begrüssen, sodass der Verein nun 280 Mitglieder zählt – das Ziel also, das sich Köbi Rutz bei seinem Amtsantritt 2012 selbst gesteckt hatte.

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