Schwelender Streit bricht auf: Vier Mitarbeitende verlassen die Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg 

Innerhalb der Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg rumort es. Das Seelsorgeteam hat sich in zwei Gruppen getrennt.

Beat Lanzendorfer
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Firmung 2017 in Kirchberg, da war die Welt zumindest gegen aussen noch in Ordnung.  (Bild: Beat Lanzendorfer)

Firmung 2017 in Kirchberg, da war die Welt zumindest gegen aussen noch in Ordnung.  (Bild: Beat Lanzendorfer)

Gleich vier Personen werden die Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg verlassen. Der seit längerem schwelende Konflikt innerhalb der Seelsorgeeinheit bricht damit auf. Es kommt zu einem personellen Neustart.

Auslöser war die Demission von Pfarrer Albin Rutz, Seelsorgerin Katrin Blome und Religionspädagogin Monika Oberholzer im vergangenen Sommer. Mittlerweile hat Bischof Markus Büchel die Demission angenommen. Nun steht den dreien der Weg offen, bei ihren jeweiligen Kirchgemeinden die Kündigung einzureichen. Der Kirchberger Seelsorger werde die Seelsorgeeinheit im Sommer 2020 ebenfalls verlassen, heisst es in einer Mitteilung des Bistums. 

Differenzen im Pastoralteam und zwischen den Kirchenverwaltungsräten

Es sei eine bedauerliche Situation, die sich niemand gewünscht habe. Den Entscheiden vorausgegangen waren längere Differenzen im Pastoralteam sowie zwischen den Kirchenverwaltungsräten der drei Kirchgemeinden Bazenheid, Gähwil und Kirchberg. Die für Gähwil zuständige Seelsorgerin Blome, die Bazenheider Religionspädagogin Oberholzer und Rutz, Pfarrer der Seelsorgeeinheit mit Wohnsitz Bazenheid, beklagen die schlechte Zusammenarbeit mit dem Kirchberger Seelsorger. Sie werfen ihm mangelnde Bereitschaft zur Teamarbeit vor.

In einem Brief, der zusammen mit einer Petition in die Bazenheider und Gähwiler Haushalte verteilt wurde, erhalten die drei Mitarbeitenden Unterstützung von den Kirchenverwaltungen Bazenheid und Gähwil: «Es gibt im Team einen Einzelkämpfer. Daraus ergeben sich Situationen, welche eine konstruktive und gewinnbringende Zusammenarbeit verunmöglichen», schreiben sie.

Bistum hat keine Hoffnung mehr

Auch das Bistum sieht inzwischen keine andere Möglichkeit mehr als einen Neustart. Trotz intensiver Begleitung durch den Administrationsrat und die Bistumsleitung seien leider keine befriedigenden Lösungen erarbeitet worden. Nun sei es notwendig, einen Neustart zu wagen, dies im Wissen darum, dass dieser radikale Schnitt für die Mitarbeitenden wie für Menschen in den Pfarreien und Kirchgemeinden schwierig und schmerzlich sei.

Der jüngste Auslöser des Konflikts geht auf Ereignisse zurück, die sich Mitte 2018 zugetragen haben. Gemäss den Kirchenratspräsidenten Hans Egli (Gähwil) und Joseph Koch (Bazenheid) hätte es keinen Sinn, in der Öffentlichkeit auf die komplexen Details näher einzugehen. Im Gespräch wird trotzdem spürbar, dass es innerhalb des Seelsorgeteams zu Spannungen gekommen ist, die zu einem Vertrauensverlust führten, der nicht mehr zu kitten war. Auch steht der Vorwurf im Raum, dass die Kirchberger Involvierten neidisch auf die Beliebtheit der Bazenheider und Gähwiler beim Kirchenvolk sind.

Annahme der Demission nicht nachvollziehbar

Die beiden Kirchenratspräsidenten bedauern den aus ihrer Sicht nicht nachvollziehbaren Schritt ausserordentlich, dass die Demission angenommen wurde. «Albin Rutz, Monika Oberholzer und Katrin Blome sind in den Kirchgemeinden sehr beliebt. Was jetzt passiert, kann niemand so richtig verstehen.»

Patrick Loepfe, Kirchberger Kirchenratspräsident, verweigert eine Auskunft mit der Antwort: «Die Kommunikation läuft über das Bistum», dies sei so abgemacht. Mehr habe er dazu nicht zu sagen. Die gleiche Antwort kommt vom Kirchberger Seelsorger.

Konflikt machte sie krank

Die drei Mitarbeitenden, die ihre Demission selber eingereicht hatten, betonen einhellig, dass diese als Hilferuf zu verstehen gewesen sei, leider hätte dieser beim Bistum kein Gehör gefunden. Der seit längerem anhaltende Konflikt habe sie krank gemacht. Sie hätten jederzeit einen Streit verhindern wollen. Trotzdem hätten sie die Umstände zu diesem Schritt gezwungen. Alle drei äussern den Wunsch, in der Seelsorgeeinheit bleiben zu wollen, denn schliesslich gehe es auch um ihre Arbeitsplätze.

Bei Koch und Egli kommt zum Ausdruck, dass sie alle Mittel ausschöpfen, um die drei der Seelsorgeeinheit zu erhalten. Leider sei auch die eingereichte Demission von Albin Rutz, Monika Oberholzer und Katrin Blume falsch interpretiert worden. Aus ihrer Sicht sei dies als Versuch zu werten gewesen, die angespannte Situation mithilfe des Bistums zu lösen.

Schlichtung war nicht mehr möglich

Hätte es denn keine Möglichkeiten gegeben, die Situation zu retten, bevor sie wie jetzt geschehen aus dem Ruder lief? Eine Schlichtung seitens der Kirchenratspräsidenten sei nicht mehr möglich gewesen, weil gemäss Aussage von Joseph Koch und Hans Egli ein Gespräch mit Patrick Loepfe nicht mehr möglich war, weil dieser die Zusammenarbeit mit den anderen Kirchgemeinden und deren Vertretern nicht mehr wünschte.

Beiden Kirchenratspräsidenten, die Gesprächsbereitschaft bekundeten, sei bewusst, dass es einerseits wohl neue Köpfe brauche, welche die Zusammenarbeit und das Vertrauen zwischen den Kirchgemeinden wieder aufbauen können, andererseits werde vom Bistum mehr Flexibilität erwartet. Es könne nicht sein, dass alle Mitarbeiter davonlaufen, denn der Wunsch von Albin Rutz, Monika Oberholzer und Katrin Blome sei es weiterhin, in der Seelsorgeeinheit verbleiben zu können.

Ein Alleingang innerhalb der Seelsorgeeinheit ist im Übrigen nicht möglich. Es besteht ein Zweckverband der drei Kirchgemeinden Bazenheid, Gähwil und Kirchberg, diesen kann man nicht einfach auflösen.

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