Damals: Margrit Bichler prägte das Toggenburger Kino über vier Jahrzehnte

Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Grossformatiges Abschiedsgeschenk für Margrit Bichler, überreicht von Hanspeter Schumacher (ganz rechts) und Peter Bötschi. (Bild: PD)

Grossformatiges Abschiedsgeschenk für Margrit Bichler, überreicht von Hanspeter Schumacher (ganz rechts) und Peter Bötschi. (Bild: PD)

Vor 100 Jahren

16. November: Wattwil. Gegen Mittag verkündete Trommelwirbel, dass auch der Landsturm sofort einzurücken habe. Mit geballter Faust in der Tasche gegen die bübischen Urheber des Landesstreikes sammelten sich unsere bärtigen Landsturmmannen um 2 Uhr bei der Turnhalle. Dieses erneute Aufgebot sowie das Fehlen jeglicher Verbindung liessen allerlei Gerüchte aufkommen, die sich aber dann in der Folge nicht bestätigten.

Die Eisenbahner hätten um 12 Uhr nach erlassenem bundesrätlichen Marschbefehl ihren Dienst wieder aufnehmen sollen, doch kehrte sich das Zugspersonal nicht daran. Am Abend gelang es endlich trotz dem widerspenstigen und strafbaren Verhalten des letzern einen Zug auf der Strecke St.Gallen–Uznach und zurück verkehren lassen, der allerdings nur militärischen Zwecken reserviert blieb. Der lahmgelegte Postverkehr hatte eine Wiederauflebung erfahren. Durch radelnde Sendboten wurden die Briefschaften von Ort zu Ort vermittelt und in grösseren Verkehrszentren ein Postautomobildienst eingerichtet.

Die hiesigen Fabrikbetriebe, von denen keiner durch den Streik zum Stillstand gezwungen werden konnte, an Abwendigmachern von der Arbeit fehlte es freilich nicht, hatten erfreulicherweise eine ständige Vermehrung ihrer Arbeiterzahl zu kontaktieren, so dass der «Generalstreik» für unsere Gegend als gescheitert betrachtet werden konnte.

16. November: Wattwil. Schweres Leid ist über eine Familie gekommen. Die betagte Mutter war zur Pflege ihres erkrankten Sohnes, im 28. Altersjahr herbeigeeilt. Der unerbittliche Tod riss ihr denselben aus den Armen. Nun ist ihre ebenfalls daselbst an der Grippe erkrankte Tochter, im 33. Altersjahr der Krankheit erlegen. Es braucht wahrlich ein starkes Mutterherz, zwei ihrer hoffnungsvollsten Kinder so nacheinander ins Grab sinken zu sehen.

20. November: Wattwil. Am Freitagabend hatte sich die Streiklage derart gebessert, dass der Landsturm, dem während dreier Tage in hiesiger Gegend der Bewachungsdienst zugeteilt war und denselben musterhaft und mit Würde versah, wiederum entlassen werden konnte. Wie man vernimmt, haben die Gemeinderäte von Ebnat, Kappel, Wattwil und Lichtensteig beschlossen, in Anerkennung der geleisteten Dienste eine Goldzulage zu bewilligen, indem sie an die Opferwilligkeit der Bevölkerung appelliert.

20. November: Wattwil. Auf tragische Weise verlor in der Nacht vom Freitag auf Samstag ein hochbetagtes Elternpaar im Schönenberg ihre jüngste Tochter und Stütze. In einem Grippe-Fieberanfall verliess dieselbe nachts das Elternhaus. Am frühen Morgen entdeckte ein Landwirt die Vermisste als Leiche in seinem Brunnentrog. Die Teilnahme mit der schwergeprüften Familie ist allgemein. Es ist dies innert 14 Tagen bereits das dritte Opfer, das sich die heimtückische Grippe in dortiger Gegend holt.

Vor 50 Jahren

18. November: Unteres Toggenburg. Tödlicher Unfall in der Micarna Bazenheid. In der Fleischfabrik Micarna in Bazenheid ereignete sich ein tödlicher Arbeitsunfall. Während des ganzen Tages war Grossvieh geschlachtet worden. Dabei wurde erstmals in der Schweiz eine vollautomatische Grossviehspaltsäge, ein schwedisches Fabrikat, eingesetzt. Diese Säge durchsägt das Grossvieh von oben nach unten, wobei die Säge über eine Umlenkrolle mit einem 6 mm dicken Drahtseil wieder nach oben gezogen wird.

Das Drahtseil, das den Sägearm mit dem Motor nach oben zieht, ist im oberen Teil mit der Rolle verbunden. Das über die Umlenkrolle gezogene Seil ist am anderen Ende über eine Lasche mit einer Klemme befestigt. Nachdem am Abend die Säge hochgezogen worden war, löste sich das Drahtseil aus der Klemme, so dass der Sägearm mitsamt dem Motor nach unten fiel. Der Monteur der bei der Herstellerfirma arbeitet und der die Anlage eingerichtet hatte, wurde von der herunterstürzenden Säge am Kopf getroffen und getötet. Gleichzeitig wurde auch ein Metzger vom Sägearm an der Brust verletzt.

20. November: Bütschwil. Brandausbruch in Schreinerei. Um die Mittagszeit brach in einer Schreinerei und Sägewerk ein Brand aus. Durch die frühzeitige Brandentdeckung und das rasche und zielbewusste Eingreifen der Feuerwehr konnte ein Grossbrand vermieden werden. Es entstand dennoch ein beträchtlicher, im Moment nicht abschätzbarer Sachschaden. Zur Ermittlung der Brandursache wurde eine amtliche Untersuchung eingeleitet.

Vor 20 Jahren

18. November: Wattwil. Die Geschichte des Toggenburger Kinos ist sei nahezu 40 Jahren untrennbar mit dem Namen Margrit Bichler verbunden. Seit 1959 engagierte sie sich im Wattwiler Kino Speer, 20 Jahre lang betrieb sie das Ebnat-Kappler Kino Säntis. Im Anschluss an die Ehrung wurde auf Wunsch von Margrit Bichler der Film «A tickle in the heart» gezeigt. Vorgesehen war ein anderer Film, nämlich «The remains of the day». Weil dieser zu lange gedauert hätte, wurde der Titel kurzfristig geändert. Dass dies für Margrit Bichler kein Problem war, tat sie mit den Worten kund: «Bei den 1200 bis 1500 Filmen, die ich mit angeschaut habe, sind es mehr als einer, welche mir in bester Erinnerung bleiben.»

18. November: Bütschwil. Erste Flüchtlinge aus dem Kosovo sind im Toggenburg angekommen. Bütschwiler Unterkunft ist bezogen. Die ersten Flüchtlinge sind eingezogen. Gleichentags fand die erste Befragung mit dem Dolmetscher Msut Limani aus Bütschwil statt. «Wir haben herausgefunden, dass einer der Flüchtlinge eine Lehre als Koch begonnen hatte, bevor der Krieg begann. Diesen können wir sicherlich gut in der Küche gebrauchen», sagt Schönenberger. Auch ein Fussballer, der in der Nationalliga A im Kosovo gespielt hat, ist darunter. Vielleicht wird mit ihm der FC Bütschwil verstärkt? Gestern kamen sieben weitere Menschen hinzu. Beim Einzug gab es keinerlei Probleme.

Vor 10 Jahren

18. November: Bütschwil. Die Finanzierung des Bütschwiler Hauptspielfeldes in der Breite ist so gut wie geregelt. Dies auch dank einem weiteren Beitrag der Supportervereinigung des FC Bütschwil. Supporter sprechen weitere 40'000 Franken für Hauptspielfeld. Insgesamt bezahlt die Supportervereinigung 90'000 Franken an den neuen Platz, was knapp zehn Prozent der Gesamtsumme ausmacht. Rund zwei Drittel übernehmen die Gemeinden Bütschwil, Mosnang, Ganterschwil und Lütisburg und ein Drittel geht zu Lasten des FC Bütschwil.

18. November: Wattwil. Volley Toggenburg verstärkt sich mit einer Amerikanerin. Sie heisst Kim McConaha und hat bereits in der High School sehr vielfältige Sporterfahrungen gesammelt. In der Saison 2005/06 wurde sie von einer US-Sportagentur an ein europäisches Spitzenteam vermittelt. Volley Toggenburg erhofft sich von Kim McDonaha eine vermehrte Stabilität der Mannschaft und wichtige Impulse beim Blockspiel und im Angriff.

18. November: Radball. Joel Schnellmann und Ralf Breitenmoser vom RMV Mosnang wurde an der U-23-Schweizer-Meisterschaft ihrer Favoritenrolle gerecht und wurden verdient Schweizer Meister. Das zweite Team des RMV Mosnang mit Wohlgensinger/Ammann verpasste Bronze ganz knapp.