Der aufsteigende Dampf zeigt, wie viel Arbeit es gibt

Um die angelieferten Mengen zu verarbeiten, benötigt es in der Bazenheider Grastrocknungsanlage Sonderschichten.

Beat Lanzendorfer
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Die Bazenheider Grastrocknungsanlage steht seit dem Jahre 1965 im Bräägg. Vorher befand sie sich mitten im Dorf. Ein Grossbrand hat das damalige Betriebsgebäude vollständig zerstört. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Die Bazenheider Grastrocknungsanlage steht seit dem Jahre 1965 im Bräägg. Vorher befand sie sich mitten im Dorf. Ein Grossbrand hat das damalige Betriebsgebäude vollständig zerstört. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Die sich verändernden Farben in der Natur sind ein eindeutiges Zeichen, dass der Herbst Einzug gehalten hat. Ein weiteres Merkmal ist der weisse Dampf, der aus dem Kamin der Bazenheider Grastrocknungsanlage aufsteigt.

Ruedi Fässler, Betriebsleiter Grastrocknungsanlage Bazenheid. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Ruedi Fässler, Betriebsleiter Grastrocknungsanlage Bazenheid. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Seit rund einem Monat sind die Maschinen der Anlage am Laufen, was nichts anderes bedeutet, als dass Betriebsleiter Ruedi Fässler und seine vier Mitarbeitenden Ruedi Forrer, Damian Huber, Beat Alpiger und Mathias Kuratli einen 24-Stunden-Betrieb gewährleisten.

Die Trocknungs-Saison hat relativ spät begonnen

Die Trocknungs-Saison hat gemäss Fässler in diesem Jahr relativ spät begonnen. «Vor einem Jahr liefen die Maschinen erstmals am 9. August, heuer sind wir erst Anfang September gestartet.» Dies hänge mit der späten Reife des Maises zusammen. 

«Weil es im Frühjahr nach dem aussäen noch einmal relativ kalt wurde, hat dessen Entwicklung später eingesetzt.»

Unter dem Strich reden die Landwirte aber von einem geradezu perfekten Sommer. Dies bestätigt auch der 53-jährige Ruedi Fässler, der in der Gemeinde Mosnang selber einen Milchwirtschaftsbetrieb führt und seit 32 Jahren das «Graströchni»-Team verstärkt – davon 22 Jahre als Betriebsleiter: «Wir konnten nach dem Heuen im Frühjahr noch mehrmals Emden, nun sind die Heustocke voll.»

Das letztjährige Rekordjahr wird nicht erreicht

Dies dürfte auch der Grund sein, weshalb das letztjährige Rekordjahr der Bazenheider Grastrocknungsanlage nicht übertroffen wird. 2100 Tonnen Trockenfutter wurden 2018 hergestellt. «Die Bauern haben genug Futter, deshalb benötigen sie jetzt weniger Maiswürfel von uns.»

Arbeit haben die Mitarbeitenden des Trocknungsbetriebs, der sich an der Hauptstrasse zwischen Bazenheid und Bütschwil befindet trotzdem zur Genüge. 

«Zurzeit ist es etwas hektisch, weil viele ihr Gras und ihren Mais fast zeitgleich anliefern möchten.»

Obwohl aktuell Tag und Nacht gearbeitet wird und teilweise auch am Sonntag, müssen sich die Landwirte in Geduld üben. Speziell in den kommenden zwei bis drei Wochen sei die Anlage komplett ausgelastet. Wer etwas anliefern möchte, müsse sich vorher telefonisch erkunden, wann dies möglich sei.

Zum Gras und Mais, der getrocknet werde, kommt jeweils auch die Kundenmosterei hinzu. Letztes Jahr konnten aus dem angelieferten Obst rund 30 Tonnen Most hergestellt werden – in diesem Herbst dürfte die Menge etwas kleiner ausfallen.

Die Betriebsamkeit wird gemäss Fässler noch bis etwa Mitte November anhalten. Das Saisonende der Grastrocknungsanlage ist auch das Ende des aufsteigenden weissen Dampfes.

Langjährige Mitarbeiter im Betrieb

Nebst Betriebsleiter Ruedi Fässler (seit 1987 dabei), gehören weitere Mitarbeiter seit Jahrzehnten zum Team. So feiert Beat Alpiger im kommenden Jahr sein 25-Jahr-Jubiläum. 2021 sind es dann drei Jahrzehnte, seit der Müselbacher Damian Huber dabei ist.

Gründung vor 77 Jahren

Die Bazenheider Grastrocknungsgenossenschaft war nicht immer am jetzigen Standort im Bräägg angesiedelt. Ein Grossbrand zerstörte 1965 das Betriebsgebäude, das sich seit der Gründung der Genossenschaft im Jahre 1942 mitten im Dorf befand.

Im selben Jahr beschlossen die Verantwortlichen den Bau einer neuen Anlage ausserhalb des Dorfes. Nebst der Trocknung von Gras kam ab 1987 der Handel mit Mais hinzu. Er hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen und ist zu einem wichtigen Standbein der Bazenheider «Graströchni» geworden. (bl)