«Via Mala»: Eine tragische Familiengeschichte aus dem Bündnerland, gespielt in der Taamühle in Bütschwil

Der in Mosnang wohnende Schauspieler Volker Ranisch inszeniert zusammen mit dem Bündner Schauspieler Gian Rupf das Familiendrama «Via Mala» als literarisches Theater in der Taamühle in Bütschwil.

Fränzi Göggel
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Volker Ranisch und Gian Rupf verkörpern die Figuren authentisch.

Volker Ranisch und Gian Rupf verkörpern die Figuren authentisch.

Bild: Fränzi Göggel

Über zwei Millionen Mal wurde John Knittels Roman «Via Mala» aus dem Jahr 1934 verkauft, mehrfach verfilmt und 1937 im Schauspielhaus Zürich als Theater uraufgeführt. Das machte den in Indien geborenen Schweizer Autor weltberühmt.

Der in Mosnang wohnende Schauspieler Volker Ranisch inszeniert jetzt zusammen mit dem Bündner Schauspieler Gian Rupf das Familiendrama «Via Mala» als literarisches Theater in der Taamühle in Bütschwil. Es geht um gesellschaftliche Strukturen und um Geld, und es stellt sich die Frage, warum der Mensch diesen finsteren Erdwinkel Via Mala eroberte. Premiere des Stücks war am Sonntag.

Ein Theaterabend der besonderen Art

Die Kulisse der idyllisch gelegenen Taamühle zwischen Bütschwil und Libingen ist für ein authentisches Theatererlebnis geradezu geschaffen. Im alten Mostereigebäude erleben die Zuschauer einen Theaterabend der besonderen Art.

Stimmungsvoller Apéro in der Höhle.

Stimmungsvoller Apéro in der Höhle.

Bild: Fränzi Göggel

Zur Einstimmung servieren die Frauen von Kultur Mosnang eine Stunde vor Beginn der Vorstellung ein Apéro. Die Tische in der Höhle der Taamühle sind gut besetzt, Feuer brennen und die kulinarischen Köstlichkeiten aus dem Bündnerland vermitteln den Bezug zum originalen Schauplatz der Geschichte.

Die fünf Frauen von Kultur Mosnang organisieren mit den vier öffentlichen Theateraufführen eine grosse Kiste. «Wir brauchten Mut, in der Krise und Mitte September in der Taamühle, wo bereits herbstliches Nieselwetter herrschen könnte, ein authentisches Theatererlebnis zu bieten. Umso mehr freut es uns, schon am ersten Abend ein ausverkauftes Haus zu haben», sagt Ruth Breitenmoser stellvertretend für Kultur Mosnang.

Volker Ranisch und Gian Rupf erzählen das Bündner Familiendrama spannend, fast wie ein Kriminalfall. Dabei schlüpfen sie in rasantem Wechsel in verschiedene Rollen und verkörpern diese authentisch-glaubwürdig. Ihre Körpersprache und Mimik ist so präzise, dass beide ohne Maske, Tenuwechsel und in einem spartanischen Bühnenbild die einzelnen Gestalten der Geschichte darstellen.

Die zwei Schauspieler sind die Mitglieder der zerrüttenden Familie, sie sind Advokat, Schwiegersohn, Gemeindepräsident, Taglöhner und Erzähler zugleich. Wenn Gian Rupf mit Bart und langem Haar das Fräulein Silveli Lauretz darstellt, oder Volker Ranisch in die Rolle des Untersuchungsrichters Andreas von Richenau schlüpft, hat man als Zuschauer das Gefühl, die Figuren stehen wahrhaftig vor einem.

Mit viel Witz und Scharfsinn

In messerscharfem Hochdeutsch akzentuieren sie sprachliche Nuancen und betonen damit das Wesentliche. Überraschende Wechsel in den Bündner Dialekt stellen den geografischen Bezug her, man versteht als Zuschauer jedes Wort und jede Betonung, und das alles ohne weitere technische Hilfsmittel. Der Satz «Dr Niid und dr Föhn sind dia zwei eltischta Bündner» wird von Gian Rupf dermassen abrupt fallen gelassen, dass dessen Aussage an Bedeutung nicht mehr zu überbieten ist.

Obwohl Volker Ranisch und Gian Rupf mit «Via Mala» eine tragisch brutale Familiengeschichte nach wahren Begebenheiten inszenieren, sparen sie nicht mit Witz und beissendem Scharfsinn. Die unglaublich starke Identifizierung mit den Figuren und die Dynamik, die die beiden Schauspieler auf die Bühne bringen, nimmt einem total gefangen. Die Zuschauer dankten es ihnen in der Taamühle mit stehenden Ovationen.

Hinweis
Weitere Spieldaten: am Donnerstag, 17. September, 19.30 Uhr, noch wenige Plätze frei; Freitag, 18. September, ausverkauft; Sonntag, 20. September, ausverkauft. Im Chössi-Theater: am Samstag, 14. November, um 20.15 Uhr