«Verzell emol vo de Toggeburger Gschicht»: Neue Produktion des Chössi-Theaters haucht Exponaten des Toggenburger Museums Leben ein

Die Vorarbeiten für die Chössi-Eigenproduktion 2021 laufen. Noch bis zum 15. November sind Laiendarstellerinnen und Helfer eingeladen, sich für die Produktion zu bewerben.

Sascha Erni
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Das Chössi-Theater spannt für die nächste Eigenproduktion mit dem Toggenburger Museum zusammen.

Das Chössi-Theater spannt für die nächste Eigenproduktion mit dem Toggenburger Museum zusammen.

Bild: Sascha Erni

Für 2021 steht eine neue Chössi-Eigenproduktion an. Unter dem Arbeitstitel «Verzell emol vo de Toggeburger Gschicht» arbeitet das Chössi-Theater mit dem Toggenburger Museum zusammen: Denn das Museum feiert nächstes Jahr sein 125-jähriges Bestehen.

Bruno Wickli, Präsident der Museumskommission, übernimmt Gesamtkoordination und Vermittlung, während Urban Kressibucher und das Chössi-Team für die Produktion zuständig sind. Eigentlich wäre für den 29. Oktober ein erster gemeinsamer Informationsabend im Theater geplant gewesen, aufgrund der Coronasituation jedoch verschob sich die Vorstellung des Projekts ins Internet.

Geschichte zu den Leuten bringen

«Unser Museum will für die ganze Region eine Rolle spielen», erklärte Bruno Wickli. Im Jubiläumsjahr möchte das Museum in die Region gehen, statt die Region an seinen Standort in Lichtensteig zu locken.

Das Toggenburger Museum erhoffe sich, so ein neues Publikum zu erreichen. «Und niemand kann Geschichte besser vermitteln als ihr Theaterleute», schlug Wickli den Bogen zur geplanten Chössi-Eigenproduktion.

Passend zu diesem Ansatz, Toggenburger Geschichte quasi zu den Leuten zu bringen statt umgekehrt, geht das Stück auf Tournee und wird nicht nur im Chössi-Theater, sondern auch im Zeltainer Unterwasser und im Rössli Mogelsberg zu sehen sein. Ein vierter Spielort befindet sich noch in Abklärung.

Aus Exponaten werden Handlungen

Unter der Regie von Barbara Bucher soll 2021 ein sowohl inhaltlich als auch formell besonderes Stück gezeigt werden. Statt auf ein fertiges Skript zurückzugreifen, durchforstet das Produktionsteam zusammen mit Christelle Wick vom Toggenburger Museum dessen Archiv nach Exponaten mit interessanten Einzelgeschichten, die sich dann wie Bausteine zu einem Stück zusammensetzen lassen.

Ein historisches Heimattheater soll daraus aber nicht entstehen. «Wir bauen Brücken in unsere Zeit und diskutieren aktuelle Fragen», erläuterte die Regisseurin die Absicht hinter der Produktion.

Modularer Aufbau für verschiedene Aufführungen

Durch dieses Konzept wird die Schreibarbeit anspruchsvoll, das Chössi konnte mit dem Schauspieler und Theaterautor Michael Hasenfuss aber einen routinierten Profi gewinnen. Hasenfuss meinte in seiner Videobotschaft, dass er zum Stück noch nicht viel sagen könne.

Eingebettet in einer Rahmenhandlung sollen verschiedene Episoden erzählt werden, die sich modular zu verschiedenen Sets kombinieren lassen: die Vollfassung für die regulären Theaterabende etwa, aber zum Beispiel für Schulen Kurzfassungen mit eins bis drei Szenen.

«Die Anzahl Episoden ist aber noch offen», so Hasenfuss, und auch deren Inhalt befindet sich noch bis Januar 2021 in Arbeit. Er werde nicht gerade in der Steinzeit ansetzen, scherzte er, «denn sonst wird es ein langer Abend».

Aber beginnend in der Reformationszeit sollen die Episoden einen Einblick in den Charakter und die Lebenswelt der Toggenburger bieten. «Auch mit Humor und einem Wink zur heutigen Gesellschaft», ergänzte Urban Kressibucher.

Massgeschneiderte Rollen für die Darstellenden

Noch bis zum 15. November können sich interessierte Laienschauspieler beim Chössi-Theater anmelden – und zwar alle Interessierten, wie Urban Kressibucher auf Anfrage bestätigt, ein Casting wird es nicht geben.

Bei einem Casting werden die idealen Schauspielerinnen und Schauspieler für vorgegebene Rollen gesucht – das Chössi jedoch dreht hier den Spiess um. Regisseurin Barbara Bucher erklärte:

«Die Rollen werden den Spielerinnen und Spielern auf den Leib geschrieben.»

Weitere Informationen und Anmeldung: choessi.ch/eigenproduktion-2021