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Interview

Verwaltungsratspräsident der Wildhauser Bergbahnen: «Die neue Sechser-Sesselbahn gibt uns einen Schub»

Jack Rhyner ist erleichtert und freut sich über den Startschuss für das Projekt Wildhaus 2.0. Dennoch: Ein fahler Beigeschmack bleibt.
Sabine Camedda
Das Skigebiet Wildhaus bietet schon heute einiges für Familien. Ab dem Winter 2020/21 gibt es einen besonderen Familien-Sessellift. (Bild: PD)

Das Skigebiet Wildhaus bietet schon heute einiges für Familien. Ab dem Winter 2020/21 gibt es einen besonderen Familien-Sessellift. (Bild: PD)

  • Die Bergbahnen Wildhaus AG (BBW) stellen im November 2015 ihr Projekt Wildhaus 2.0 vor. Sie wollen vier Skilifte durch einen 6er-Sessellift und einen Tellerlift ersetzen.
  • Mit dieser Strategie zielt die BBW auf Familien und «First-Touchers» ab, auf Menschen, die den Schnee erstmals erleben.
  • Finanziert werden soll das Projekt durch ein erhöhtes Aktienkapital und durch Gelder aus der neuen Regionalpolitik (NRP).
  • Die St.Galler Regierung blockiert die öffentlichen Gelder. Diese sollen erst ausbezahlt werden, wenn ein gemeinsames Winterticket in den Skigebieten Wildhaus und Unterwasser-Alt St.Johann angeboten wird.
  • Im Herbst 2019 ist das benötigte Kapital von 11,9 Millionen Franken zusammen. Die erste Etappe des Projekts Wildhaus 2.0 kann gebaut werden.

«Bravo», «Cool», «Wir freuen uns riesig». Das sind nur einige Kommentare auf Facebook zur Mitteilung der Bergbahnen Wildhaus AG (BBW), dass sie ihr Projekt Wildhaus 2.0 im kommenden Frühling umsetzen. Verwaltungsratspräsident Jack Rhyner blickt auf die Vorarbeiten zurück und erklärt, wer letztlich das Geld gesprochen hat.

Sie haben am Mittwoch bekanntgegeben, dass die BBW das Projekt Wildhaus 2.0 umsetzen kann. Wie gross ist der Stein, der Ihnen vom Herzen gefallen ist?

Jack Rhyner, Verwaltungsratspräsident Wildhaus Bergbahnen AG. (Bild: PD)

Jack Rhyner, Verwaltungsratspräsident Wildhaus Bergbahnen AG. (Bild: PD)

Jack Rhyner: Der ist gross. Es war bis zuletzt ein Kampf. Wir haben viel Zeit und Herzblut investiert, um die Finanzierung auf die Beine zu stellen. Das haben wir vor wenigen Tagen geschafft.

Was waren die Schwierigkeiten bei der Suche nach Investoren?

Die Bergbahnbranche ist sicher nicht einfach, um Geldgeber zu gewinnen. Dazu kam, dass sich der Kanton zurückgezogen hat. Da fragten sich einige, warum sie Geld investieren sollen, wenn weder Bund noch Kanton das Projekt finanziell unterstützen. Letztlich haben wir einen vertrauenswürdigen Partner gefunden, der für unsere Situation Verständnis hatte.

Welche Rolle spielte dabei das Übernahmeangebot der Toggenburg Bergbahnen AG (TBB)?

Das spielte keine Rolle. Wer das Angebot angesehen hat, merkte schnell, dass das absurd ist. Dies wurde auch in Leserbriefen und in den sozialen Medien zementiert.

Also hatte die Reaktion des Kantons den grösseren Einfluss?

Ja. Wir haben auch immer wieder erfahren, dass die Banken nicht in Konflikt mit dem Kanton gelangen wollten. Regierungsrat Bruno Damann hat mir dann geschrieben, dass er nicht grundsätzlich gegen die Investition sei und diese für sinnvoll erachte, aber dass er das gemeinsame Ticket als zwingend notwendig halte. Dieses Schreiben half schliesslich, die Banken und unsere Investoren zu überzeugen.

Die BBW bekam das Geld für die Investition geliehen und hat sich damit verschuldet. Wie gefährlich ist eine solche Situation heute für ein Bergbahnunternehmen?

Wir haben einen Finanz- und einen Investitionsplan gemacht. Dabei haben wir sehr vorsichtig geplant, was die jeweiligen Geschäftsergebnisse angeht, und natürlich auch als «stand alone», also ohne die Einnahmen aus einem gemeinsamen Ticket. Es bleibt ein Risiko, aber ein solches besteht für alle Bergbahnunternehmen.

Wie wichtig war bei der Geldsuche Ihr persönliches Engagement?

Sehr wichtig. Wir haben Darlehen von einer Bank, einem Aktionär und von persönlichen Freunden von mir erhalten. Da spielt das gegenseitige Vertrauen eine grosse Rolle.

Kleineren Skigebieten in mittleren Lagen wie Wildhaus wird eine schlechte Zukunft vorausgesagt. Warum investieren Sie trotzdem?

Einige machen es sich einfach und betrachten nur die Grösse, andere führen den Klimawandel an. Es spielen jedoch mehrere Faktoren zusammen. Natürlich dürfen wir die klimatische Seite nicht ausblenden. Ich bin aber überzeugt, wenn das Projekt realisiert ist, gibt uns das einen neuen Schub.

Für den Erfolg brauchen Sie Gäste. Gerade durch den Wegfall des gemeinsamen Skitickets hört man von Wintersportlern, welche die Region boykottieren. Wie gehen Sie mit solchen Reaktionen um?

In den sozialen Medien wird schnell sehr emotional reagiert, das muss man relativieren. Wohl kommen einige Gäste nicht mehr nach Wildhaus. Aber durch unsere Investitionen auf den Winter 2020/21 zementieren wir uns als Familiendestination. Und eine Familie mit kleinen Kindern blieb schon immer in unserem Gebiet. Die Trennung wird einen gewissen Einfluss haben und bringt Einbussen, hüben wie drüben. Wie gross diese effektiv sein werden, wird sich zeigen. Denn man darf nicht vergessen: Es waren durchschnittlich jeweils nur rund 30 Prozent der Gäste, die das Skigebiet gewechselt haben.

In Ihrer Medienmitteilung steht, dass die Baubewilligungen des Kantons vorliegen, jene des Bundes dürfe erwartet werden. Was macht Sie so sicher?

Wir stehen schon seit längerem mit den zuständigen Bundesstellen in Kontakt. Von unserer Seite sind alle benötigten Unterlagen eingereicht und bereinigt. Es fehlt auch noch eine bahntechnische Angabe, die der Bahnhersteller Garaventa liefern muss. Zudem muss die Finanzierung gesichert sein.

Das heisst, der Bund lässt keine Bahn bauen, wenn er nicht weiss, wer diese finanziert?

Ja, wir müssen zwar nicht jeden Fünfer nachweisen. Aber wir müssen zeigen, dass wir die Investition finanziell stemmen können. Wir haben die zuständigen Bundesstellen bereits informiert, dass das Bewilligungsverfahren aufgenommen werden kann.

Es bestand zudem ein Zeitdruck, damit die Bahn rechtzeitig beim Hersteller bestellt werden kann, um sie nach dem kommenden Winter zu bauen.

Ja, der Bahnbauer muss viele Vorarbeiten machen und er hat uns eine Frist bis Ende Oktober gesetzt. Wenn die Finanzierung bis dann ungesichert gewesen wäre, hätte sich das Projekt wieder um ein Jahr verzögert.

Was erhoffen Sie sich durch das Projekt Wildhaus 2.0?

Wie gesagt, das wird uns einen Schub geben. Diesen wollen wir ausnützen, um unser Aktienkapital nochmals zu erhöhen. Mit diesem Geld können wir Darlehen senken. Längerfristig wollen wir die ursprünglich geplanten und nun zurückgestellten Investitionen ebenfalls realisieren. Dafür werden wird uns wieder an den Kanton wenden für finanzielle Unterstützung. So schnell gebe ich nicht auf.

Sind Sie noch nicht amtsmüde?

Nein. Vom Alter und von der Amtsdauer her wäre es schon langsam Zeit, um mich zurückzuziehen. Ich habe mich jetzt sehr engagiert und der Erfolg gab mir einen Schub, darum bleibe ich vorerst im Amt.

Die Garaventa AG baut in Wildhaus eine 6er-Sesselbahn, wie sie noch nirgends in der Schweiz steht. Ist das ein positiver Nebeneffekt von der Verschiebung des Baustarts?

Ja, diese neue Bahn wurde in der Zwischenzeit entwickelt. Wir waren ja damals schon mit der 3er-Sesselbahn vom Oberdorf auf die Gamsalp Pioniere in der Schweiz. Die erste solche Bahn in einem Land zu haben, zieht immer auch andere Betreiber an. Und für die Familien ist eine solche Bahn die Beste.

Welche Reaktionen haben Sie auf den Bauentscheid erhalten?

Viele haben mir persönlich zu diesem Erfolg gratuliert. Aber es war nicht ich alleine, der das geschafft hat. Auch in den sozialen Medien gab es überwiegend positive Reaktionen. Es wurde aber deutlich, dass wir das gemeinsame Ticket nicht vergessen sollen.

Ein solches scheint den Gästen und Aktionären schon wichtig.

Ja, dem stimme auch ich zu. Aber ich kann nicht mehr machen als unser Angebot aufrecht zu erhalten: Dem Gast soll der Entscheid überlassen werden, ob er ein Ticket für eines der Gebiete oder ein gemeinsames Ticket kaufen will.

Die TBB hält aber an der Übernahme fest.

Ich gehe davon aus, dass ihr Übernahmeangebot zusammenfällt. Sie rechneten mit vier Millionen flüssigen Mitteln – die sind durch unseren Bauentscheid jetzt aber weg. Bei einer Übernahme müsste die neue Unternehmung diese neue Bahn bezahlen. Vielleicht kommt die TBB jetzt doch auf unser Angebot zurück.

Glauben Sie an eine Kehrtwende noch auf den Winter 2019/2020?

Das ist schwierig zu sagen. Es steigen viele Gäste bei uns ein und wenn sie nicht ins Gebiet der TBB wechseln können, bekommt diese Unternehmung nichts davon. Vielleicht wäre es doch noch in ihrem Interesse, das Angebot anzunehmen. Zeit hätten wir noch, um ein gemeinsames Ticket einzuführen.

Haben Sie schon Reaktionen seitens der TBB erhalten?

Nein. Aber vielleicht wurde es an der GV der Unternehmung thematisiert, die am Donnerstagmorgen stattgefunden hat.

Ohne öffentliche Gelder finanziert

11,6 Millionen Franken kosten die Investitionen der Bergbahnen Wildhaus AG (BBW) unter dem Strich. Das ursprüngliche Projekt Wildhaus 2.0 war höher veranschlagt, nach der endgültigen Absage des Kantons St.Gallen für Gelder aus dem NRP-Fonds wurde das Vorhaben abgespeckt. Das Wegfallen der öffentlichen Gelder führte dazu, dass die BBW intensiv nach privaten Geldgebern suchen musste. Der Anteil an flüssigen Mitteln der BBW ist in der Zwischenzeit auf 4,2 Millionen Franken angewachsen. Dies begründet sich unter anderem mit einer erfolgten Erhöhung des Aktienkapitals. In diesem Rahmen zeichnete die Standortgemeinde Wildhaus-Alt St. Johann Aktien für eine halbe Million Franken. Weitere Geld stammt als Darlehen von Banken, von langjährigen Aktionären und von persönlichen Freunden von Verwaltungsratspräsident Jack Rhyner. Dieser betont, dass die Gelder – mit einer Ausnahme – zu einem üblichen Zins zurückgezahlt werden müssen. In dieser Aussage schwingt ein Hauch von Bedauern mit, die öffentlichen NRP-Gelder hätte die BBW zinslos über eine längere Laufzeit erhalten. (sas)

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