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Gemeinderat Wattwil greift Spitalverwaltungsrat frontal an: «Verwaltungsrat tritt die Sorgen der Bevölkerung mit Füssen»

Der Gemeinderat von Wattwil zeigt sich in einem Communiqué irritiert über die Entscheide im Zusammenhang mit dem Spital Wattwil und der Weiterentwicklung der St.Galler Spitalstrategie.
Um das Spital Wattwil und seine Zukunft bleibt es weiterhin nicht ruhig. (Bild: Mareycke Frehner)

Um das Spital Wattwil und seine Zukunft bleibt es weiterhin nicht ruhig. (Bild: Mareycke Frehner)

Ohne dass die strategischen Grundlagen klar wären, treibe der Spitalverwaltungsrat die Politik vor sich her und erzwinge Entscheide, welche die medizinische Grund- und Notfallversorgung im Toggenburg akut gefährden, schreibt der Gemeinderat.

Investitionen werden in den Sand gesetzt

Angesichts des Drucks, den der Spitalverwaltungsrat aufgebaut hatte, hat die St.Galler Regierung seinem Antrag zugestimmt, den Baustopp am Spital Wattwil auf unbestimmte Zeit zu verlängern und die Operationstätigkeit am Spital Wattwil per 1. November einzustellen. Wie abstrus der Verwaltungsrat agiert, zeige sich darin, dass die Kapazitäten mit einem neu gebauten OP noch vergrössert wurden, um nun die Investition gleich wieder in den Sand zu setzen, so der Gemeinderat. Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner: «Der Spitalverwaltungsrat zieht seinen Plan durch. Er zeigt kein Interesse an der Ergebnisoffenheit. Einmal mehr tritt er die Sorgen der Bevölkerung und die Nöte der Mitarbeitenden mit Füssen und desavouiert den Strategieprozess, den die Regierung definiert hatte. Das ist demokratiepolitisch bedenklich. Der Verwaltungsrat verdient kein Vertrauen mehr.»

Wattwiler Alternativmodell einbeziehen

Mit den Entscheiden werden die Probleme der SRFT keineswegs gelöst. «Der Spitalverwaltungsrat treibt die Schliessung des Spitals Wattwil und damit den Kollaps der medizinischen Grund- und Notfallversorgung im Toggenburg bewusst voran», betont Gunzenreiner. Der verlängerte Baustopp verhindere unter anderem die Integrierte Notfallpraxis, die für die Versorgung im Toggenburg unabdingbar und von allen Akteuren in allen Varianten, Modellen und Szenarien – ausser der Schliessung des Spitals Wattwil – unbestritten ist.

Der Gemeinderat sieht sich darin bestätigt, dass er mit seinem Alternativmodell «Integrierte Gesundheitsversorgung Toggenburg» auf dem richtigen Weg ist. Angesichts der Schieflage der SRFT ist das Spital Wattwil in eine selbstständige Trägerschaft zu überführen. «In ihrer Medienmitteilung vom 8. Mai hat die Regierung bekräftigt, dass die Vorschläge der Standortgemeinden in die Strategie-Arbeit miteinbezogen werden», betont Gunzenreiner. «Der Gemeinderat vertraut darauf, dass die Regierung ihre Zusagen durchsetzt und der Lenkungsausschuss das Wattwiler Modell konkret und korrekt in die Ausarbeitung mit einbezieht.»

«Bedenkliche Widersprüche»

In der Medienmitteilung listet der Gemeinderat Wattwil «bedenkliche Widersprüche» auf, die er «im Vorgehen des Spitalverwaltungsrats» sieht. So würden der Entscheid zu den Operationen und der Baustopp nicht Zeit schaffen für eine ergebnisoffene Gesamtschau, sondern einzig zur Schliessung des Spitals führen. «Die verordnete Untätigkeit bis 2020 oder 2021 kann sich das Toggenburg schlicht nicht leisten», schreibt der Gemeinderat. «Die Fakten ändern sich damit nicht – sie verschlimmern sich.» Angesprochen ist damit vor allem der Hausärztemangel.

Sowieso sei der Verwaltungsrat nicht ergebnisoffen. Er sage das zwar, «das Vier-Standorte-Konzept des Verwaltungsrates, das vorsieht, stationäre Leistungen nur noch an den vier ausgesuchten Standorten anzubieten und für die fünf verbleibenden Spitalstandorte Alternativen zu prüfen, schafft jedoch vollendete Tatsachen.»

Neue Unsicherheit statt mehr Sicherheit

Weiter sagt der Gemeinderat Wattwil, dass die getroffenen Entscheide «nicht mehr Sicherheit, sondern neue Unsicherheit bei den Patientinnen und Patienten, in der Bevölkerung und nicht zuletzt auch bei der Belegschaft des Spitals» schaffen würden. «Mit den nun – vor dem Vorliegen der Ergebnisse des Strategieprozesses – erzwungenen Einzelmassnahmen am Spital Wattwil will der Verwaltungsrat die Politik der nötigen Handlungsfreiheit für die Zukunft berauben», begründet der Wattwiler Gemeinderat.

Schliesslich sind die Wattwiler Behörden auch über die Kommunikation nicht erfreut. Diese vermittle den Eindruck, «dass die jetzt getroffenen Entscheide in Zusammenarbeit mit den Betroffenen (Standortgemeinden, Ärzte und Spitalmitarbeitende) ausgearbeitet wurden». Das irritiere und stimme für Wattwil nicht. Der Lenkungsausschuss habe das vom Wattwiler Gemeinderat vorgebrachte Alternativmodell «Spital Wattwil 2021» bisher nicht offiziell gewürdigt. Ein Treffen einer Arbeitsgruppe, die ausloten soll, wie das Wattwiler Alternativmodell einbezogen und weiterverfolgt werden soll, stehe erst in der zweiten Mai-Hälfte bevor. (gem/lim/rus)

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