Vertreter aus Tourismus und Politik sind sich einig: «Das Erlebnis der Gäste ist ein Gesamtwerk»

Auf Einladung der FDP Toggenburg haben in Wildhaus Regierungsrat Marc Mächler, Sepp Manser, Heinrich Michel und Professor Christian Laesser diskutiert, ob Tourismus und Erfolg ein Widerspruch ist.

Sabine Camedda
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Die Natur, die frische Luft und passende Angebote für die Gäste sind Chancen für den Tourismus.

Die Natur, die frische Luft und passende Angebote für die Gäste sind Chancen für den Tourismus.

Bild: Keystone/Arno Balzarini

Das Thema Tourismus zieht im obersten Toggenburg. So war es auch am Mittwochabend, als eine stattliche Anzahl Zuschauer die Podiumsdiskussion im «Hirschen» in Wildhaus besuchte. Tourismus und Erfolg sei kein Widerspruch, lautete das Fazit der vier Diskussionsteilnehmer. Man müsse dafür aber miteinander reden und gemeinsam Ideen entwerfen.

Für Regierungsratskandidat Beat Tinner, der ein Einführungsreferat hielt, gibt es mehrere Erfolgsfaktoren: gut vermarktete Produkte sowie freundliche und gut ausgebildete Mitarbeiter. Zudem:

Regierungsratskandidat Beat Tinner.

Regierungsratskandidat Beat Tinner. 

Bild: Hanspeter Schiess
«Das Angebot muss für die Gäste attraktiv sein und noch ausbaubar.»

Beat Tinner hielt fest, dass Tourismus nur ein Bereich der Wirtschaftspolitik sei. Es gelte, in allen Branchen und im ganzen Kanton die Zahl der Arbeitsplätze auszubauen und in der Folge neuen Wohnraum zu schaffen. So könnte es gelingen, dass der Kanton St.Gallen weniger vom Bundesfinanzausgleich abhängig ist.

«Ideen entstehen bei einem guten Kaffee»

«Mehrere Faktoren sind für den Erfolg verantwortlich», sagte Heinrich Michel, CEO der Bergbahnen Flumserberg AG, auf eine Frage der Moderatoren Christian Hildebrand und Simon Seelhofer. Für seine Unternehmung sei zentral, dass sie sich für eine Strategie in Richtung Ganzjahresdestination entschieden haben. Zudem sei sie von Zürich aus gut erreichbar.

Ebenfalls ein Vertreter einer erfolgreichem Tourismusregion war Sepp Manser, Präsident Appenzellerland Tourismus AI. Die Leistungsträger seien innovativ, hätten investiert, träten unter einer Marke auf und zögen alle am selben Strick. So begründete er den markanten Anstieg an Logiernächten in Appenzell Innerrhoden. «Diese Einigkeit brauchte aber viele Gespräche», gibt er zu.

Regierungsrat Marc Mächler.

Regierungsrat Marc Mächler.

Bild: PD

Dem kantonalen Baudirektor Marc Mächler liegt der Tourismus ebenfalls am Herzen. Er ist überzeugt, dass der Kanton nicht nur Beiträge sprechen muss. Mit guten Strassen und einer guten Anbindung an den öffentlichen Verkehr sei den Destinationen ebenso geholfen wie mit einem Beitrag ans Marketing.

Christian Laesser, Titularprofessor für Tourismusmanagement an der Universität St.Gallen, forderte dazu auf, mehr im Prozess und weniger in Strukturen zu denken. «Wir sollten weniger die einzelnen Gebiete vermarkten», sagte er. Viel mehr gelte es, die Tourismusströme zu beobachten und für die unterschiedlichen Gäste ein passendes Angebot zu haben.

Klanghaus hat Potenzial

Sepp Manser.

Sepp Manser.

Bild: Sabine Camedda

Einig waren sich die Teilnehmer auf dem Podium, dass Tourismus nur gemeinsam funktionieren könne. Sepp Manser nannte als Beispiel den Whisky Trek. Wenn nur in einer Bergwirtschaft im Alpstein Whisky im Fass reife, sei das nicht spektakulär. Wenn das in 27 Bergwirtschaften passiert, dann schon. «Solche Ideen entstehen bei einem guten Kaffee», verriet Sepp Manser.

Christian Laesser bekräftigte dies. Bei Ideen sollte es kein Denkverbot geben und «Out-of-the-Box»-Denken soll belohnt werden. Aber: «Ideen zu haben, ist eines, für die Umsetzung braucht es Durchhaltewillen», weiss der Professor. Heinrich Michel fügte an, dass es im Tourismus ein Zusammenspiel der Leistungsträger brauche. Das Erlebnis des Gastes sei ein Gesamtwerk, ist er überzeugt.

Potenzial attestieren die Podiumsteilnehmer dem Klanghaus, das am Schwendisee gebaut wird. Baudirektor Marc Mächler zeigte sich zufrieden, dass die öffentliche Hand das Gebäude zur Verfügung stellt. Es liege aber klar in der Verantwortung der Region, den Betrieb zu führen. Das Toggenburg habe mit dem Abstimmungsresultat aber das Versprechen dazu gegeben. «Jetzt müssen sie es mit guten Ideen beweisen.»

Mit der Natur und der frischen Luft punkten

Professor Christian Laesser.

Professor Christian Laesser.

Bild: PD

Christian Laesser sagte, dass in Zukunft auch kleine Anbieter eine Chance haben, gerade wenn sie sich auf die Bedürfnisse der Gäste einstellen würden. «Wir müssen die Chance in einer Nische suchen, in dieser stark sein und die Strategie nicht verwässern», formulierte Sepp Manser, der in der Kleinheit und der klaren Positionierung von Appenzell Innerrhoden die Chance für die Zukunft sieht. «Tourismus kann aber auch zu viel werden, wenn es für die Einheimischen keinen Platz mehr hat», gab er zu bedenken.

Heinrich Michel, CEO Bergbahnen Flumserberg AG.

Heinrich Michel, CEO Bergbahnen Flumserberg AG.

Bild: Urs Bucher

Schliesslich nannten die Moderatoren Christian Hildebrand und Simon Seelhofer ein Stichwort, das derzeit in vieler Munde ist: Klimawandel. Den müsse man ernstnehmen und sich damit auseinandersetzen, sagte Heinrich Michel. Die Berge böten aber nicht nur im Winter eine Chance für Tourismus. Das Bedürfnis nach Bewegung, Natur und frischer Luft werde anhalten, ist er überzeugt.

«Regionen wie die Flumserberge und das Toggenburg können mit der Natur punkten. Aber wir müssen ihr Sorge tragen.»

Marc Mächler sieht ebenfalls Chancen: Wenn die Flugreisen eingedämmt werden, werde die Schweiz als Ferienland wieder vermehrt geschätzt. «Die Natur ist das Wertvollste, das die Schweiz hat», ist er überzeugt. Wenn die Mitarbeiter der Leistungsträger noch ihr Charmepotenzial ausnützen würden, wäre es noch besser.