Verschobene Versammlungen und einzelne Filialschliessungen: Banken im Toggenburg und Fürstenland reagieren auf die Massnahmen des Bundesrats

Die Kunden kommen nur noch in die Geldinstitute, wenn sie Bargeld brauchen. Die Banken im Toggenburg und Fürstenland rufen dazu auf, Bankgeschäfte möglichst per Telefon oder E-Banking zu erledigen.

Martin Knoepfel
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Die Raiffeisenbank Unteres Toggenburg – hier die Filiale Bütschwil – kann aktuell nicht über die geplante Fusion mit der Raiffeisenbank Neckertal abstimmen lassen.

Die Raiffeisenbank Unteres Toggenburg – hier die Filiale Bütschwil – kann aktuell nicht über die geplante Fusion mit der Raiffeisenbank Neckertal abstimmen lassen.

Bild: Beat Lanzendorfer

Das Gespräch mit je drei Referenten und Journalisten fand im Seminarraum der Raiffeisenbank (RB) Regio Uzwil statt, in den sich bei anderen Anlässen 70 Personen drängten. Die Tische waren in zwei Reihen mit drei Metern Abstand aufgestellt.

Die Massnahmen gegen «Corona» haben für die Banken der Region aber noch schlimmere Folgen. Von den 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der RB Regio Uzwil arbeitet etwa die Hälfte im Home-Office.

Dabei müsse das Bankkundengeheimnis garantiert sein, sagte Aldo Kopp, Vorsitzender der Bankleitung. Unterlagen der Kunden dürften bei den Mitarbeitern zu Hause nicht offen herumliegen. Man wolle trotz «Corona» den Kontakt aufrechterhalten.

Beratungsbedarf ist stark gestiegen

Wegen des Kurssturzes an den Börsen ist der Beratungsbedarf stark gestiegen. Er sei permanent am Telefon, sagte Albert Waser, Leiter der Vermögensberatung.

Die aktuellen Börsenstürme illustrierten, dass eine breite Diversifikation in der Kapitalanlage nötig sei. Zudem sei es sinnvoll, der einmal gewählten Strategie treu zu bleiben. Das habe sich nach der Finanzkrise 2008/2009 gezeigt.

Waser bekräftigte auf eine entsprechende Frage, dass die RB Regio Uzwil nur wenige Lombardkredite vergeben habe und dass es nicht zu Margin-Calls gekommen sei. Diese verstärken in Krisenzeiten den Verkaufsdruck an der Börse.

Es hagelt Absagen von Generalversammlungen

Im Frühjahr halten viele Banken ihre Generalversammlung (GV) ab. Zurzeit hagelt es deshalb Absagen. Die GV der RB Regio Uzwil war auf den letzten Freitag angesetzt und musste wegen der Corona-Pandemie verschoben werden.

Für die RB Regio Uzwil ist es doppelt ärgerlich, da ein grosses Fest geplant war. Die Niederlassung in Oberbüren besteht seit 110 Jahren und jene in Niederuzwil seit 100 Jahren.

Jubiläumsfeier wird im März 2021 nachgeholt

Das Fest werde in einem Jahr nachgeholt, versprach Kopp am Mittwoch. Das Datum, der 12. März 2021, steht schon fest. Mit Ausnahme von Stefanie Heinzmann, welche ihre Tournee erst im Herbst plane, hätten alle Künstler zugesagt.

Laut Kopp kommen jeweils mindestens 2000 Personen an die Generalversammlung (GV) der RB Regio Uzwil. Eine Verschiebung der Jubiläums-GV auf den Herbst wäre laut Kopp wegen der nötigen Hallen unmöglich.

Drei Alternativen für die Generalversammlung

Für die GV hat Kopp drei Szenarien. Im ersten kommt es zu schriftlichen Abstimmungen der Genossenschafter. Im zweiten Szenario findet dieses Jahr eine «kleine» GV – das heisst ohne Rahmenprogramm – statt. Schliesslich wäre es möglich, die GV erst im nächsten Jahr durchzuführen.

Es sei möglich, die GV um ein Jahr zu verschieben, sagte Kopp. Die Abstimmungen an der GV wären trotzdem gültig. Man müsse aber getrennt über die Rechnungen 2019 und 2020 abstimmen. Das Gleiche gelte für die Abstimmungen über die Verzinsung der Anteilscheine. Natürlich kann kein Zins ausbezahlt werden, bevor der Entscheid gefallen ist, wie hoch die Verzinsung ist.

Sabine Willi, Aldo Kopp sowie Albert Waser (von links) orientierten über die Reaktion der Raiffeisenbank Regio Uzwil auf die Corona-Epidemie.

Sabine Willi, Aldo Kopp sowie Albert Waser (von links) orientierten über die Reaktion der Raiffeisenbank Regio Uzwil auf die Corona-Epidemie.

Bild: Martin Knoepfel

Abgesagt oder verschoben hat die RB Regio Uzwil verschiedene Fach- oder öffentliche Events, etwa den Ostermarkt. Die geplanten Fachevents finden im Herbst oder im nächsten Jahr statt. Noch keinen Entscheid gibt es in Sachen Open-Air-Kino.

Was Raiffeisen Schweiz den Banken rät

Raiffeisen Schweiz empfiehlt den RB aufgrund der Verordnung des Bundesrates ihre General- oder Delegiertenversammlung schriftlich – in Form einer Urabstimmung – durchzuführen. Der Entscheid liegt beim Verwaltungsrat der jeweiligen RB.

Bei einer Fusion seien zwei Drittel der abgegebenen Stimmen notwendig. Die Form der Abstimmung spiele dabei keine Rolle. Das war auf Anfrage von der Medienstelle von Raiffeisen Schweiz zu erfahren.

Fusion im Toggenburg hängt in der Luft

Wegen der Corona-Krise hat auch die RB Unteres Toggenburg die GV verschoben. Diese hätte Anfang April stattfinden sollen. Traktandiert war unter anderem die Fusion mit der RB Neckertal. Die Fusion hängt nun in der Luft.

Ebenfalls vor besonderen Herausforderungen steht die RB Wil und Umgebung. Sie hält ihre GV im Zelt des Zirkus Knie ab und lädt ihre Genossenschafter zu Vorstellungen ein. In welchem Rahmen die GV stattfinden werde, ist laut Mitteilung der Bank offen.

Absage der Zirkusvorstellung

Die RB Aadorf hätte ihre Genossenschafter am 7. April im Zelt des Nationalzirkus in Winterthur empfangen wollen. Gestern traf die Absage ein.

Der Corona-Krise zum Opfer fiel ferner die GV der RB Flawil-Degersheim-Mogelsberg-Oberuzwil. Gleich erging es der RB Niederhelfenschwil, der RB Regio Sirnach, der RB Mittleres Toggenburg und der RB Obertoggenburg. Ersatztermine sind noch keine bekannt.

Generalversammlung ohne die Aktionäre

Bei der Bank in Zuzwil ist das Datum der GV, der 24. April, noch im Internet-Auftritt zu finden. Die Notmassnahmen des Bundesrats laufen am 19. April aus.

Die Clientis-Bank Oberuzwil verschiebt ihre GV vom 27. März auf ein noch unbestimmtes Datum. Die Clientis-Bank Thur hat ihre GV auf den 26. Juni verschoben.

Die Acrevis-Bank mit Standorten unter anderem in Bütschwil und Wil hat die GV am 27. März, aber ohne Aktionäre. Diese können dem unabhängigen Stimmrechtsvertreter Instruktionen für das Abstimmungsverhalten geben. Die GV wird zudem auf die statutarisch zwingenden Geschäfte beschränkt.

Bankgeschäfte sind trotz geschlossenen Standorten möglich

Auch bei anderen Banken spürt man die Corona-Krise, obwohl Banken offen bleiben dürfen. So schliesst die RB Flawil-Degersheim-Mogelsberg-Oberuzwil die Standorte Degersheim und Oberuzwil vorübergehend.

Die RB Regio Sirnach passt ihre Schalteröffnungszeiten an allen drei Standorten an. Neu sind die Filialen von Montag bis Freitag jeweils von 8.30 Uhr bis 11 Uhr und von 14.30 Uhr bis 17 Uhr offen. Am Samstag bleibt der Standort Sirnach nach dem Zahltag (zum nächsten Mal am 28. März) von 8.30 Uhr bis 11 Uhr offen.

Raiffeisenbanken in Niederbüren und Schwarzenbach vorläufig zu

Die RB Regio Uzwil legt die Geschäftsstellen Niederbüren und Schwarzenbach ab Montag vorübergehend still. Es seien die klar am wenigsten frequentierten Standorte.

Zugleich sei das Risiko einer Ansteckung mit dem Corona-Virus am Schalter erhöht. Das gelte für Kunden wie für Bankmitarbeiter, heisst es in den Unterlagen.

An beiden Standorten gibt es Modernisierungsprojekte. Diese können momentan nicht vorangetrieben werden, weil die Sitzungen mit Baufachleuten nicht stattfinden können.

Kundenfrequenzen haben sich halbiert

Seit der Corona-Krise kommen Kunden laut Kopp fast nur für Bargeldgeschäfte in die Bank, und hier hätten sich die Frequenzen halbiert. Offen bleiben Stand heute die Schalter der RB Regio Uzwil in Niederuzwil und Oberbüren.

«Alle Bankgeschäfte sind weiter möglich», sagte Kopp. Die Bank ruft die Kunden dazu auf, Bankgeschäfte telefonisch oder per E-Mail zu erledigen. Zugleich bietet sie Bargeld-Lieferungen bis an die Haustür an.

«Geschäftsstellen wieder hochfahren»

Kopp versprach, dass die Bank die Bargeld-Transaktionen in Oberbüren und Schwarzenbach nach Ende der Corona-Krise wieder anbieten und die Standorte beibehalten werde, solange man sie in den beiden Orten brauche.