Unwetter
«Das Wetter spinnt»: Innert dreier Tage gab es im Obertoggenburg mehrere Hagelstürme

Innerhalb von wenigen Minuten zogen in den vergangenen Tagen Gewitter auf und Hagel zerstörte Blumen und Gemüsepflanzen. Nach kurzer Zeit war der Spuk jeweils vorbei – geblieben sind Verwüstungen und Haufen von Hagelkörnern.

Sabine Camedda
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Was der Hagel anrichtet

So sieht die Blumendekoration auf der geschützten Seite aus. Bild: Sabine Camedda

Beim Wetter nichts Neues. Das schrieb Meteo Schweiz im Blog vom Montag. Südströmung, feuchtlabile Luft und darin eingelagerte kräftige Gewitter. Mit diesen Worten ist das Wetter beschrieben.

Was unter dem Ausdruck kräftige Gewitter zu verstehen ist, erfuhren die Einwohnerinnen und Einwohner vom Obertoggenburg gleich mehrfach in den vergangenen Tagen. Am Samstagnachmittag zog innerhalb von kurzer Zeit ein Gewitter auf.

Begleitet von starken Windböen entlud sich Hagel über mehrere Ortschaften. Schnell bedeckten die haselnussgrossen Eiskörner die Hauptstrasse, man wähnte sich fast im Winter. Die Gullis vermochten den Niederschlag kaum zu schlucken, Pflanzen brachen im Wind, die Blätter wurden durch die Hagelkörner regelrecht zerschossen.

Dunkel und trüb: Seit Samstag gingen über Unterwasser mehrere Hagelstürme nieder.
8 Bilder
Das Olivenkraut, eine mediterrane Pflanze, in einem Bett aus Eiskörnern.
Auf den Vorplätzen findet sich ein Gemisch aus Hagelkörnern und abgeschlagenen Blätterteilen.
Das Weiss ist kein Überbleibsel vom Winter, sondern vom Hagelsturm am Vortag.
Noch vor wenigen Stunden standen die Blumen dieser Rabatte in voller Blüte.
Von diesem Rosenstrauch sind nur noch vereinzelte Blüten übrig geblieben.
Von dieser Chilipflanze ist nicht mehr viel übrig.
Die Hagelkörner kamen mit einer solchen Wucht, dass sie zwei Löcher in den Blumentopf geschlagen haben.

Dunkel und trüb: Seit Samstag gingen über Unterwasser mehrere Hagelstürme nieder.

Bild: Sabine Camedda

Das Obertoggenburg liegt an der Hagelstrasse

Es habe zwei Haupt-«Hagelstrassen» gegeben, erklärte Meteo Schweiz im Blogeintrag am Sonntag. Bereits den ganzen Samstag lang habe es eine rege Schauer- und Gewittertätigkeit gegeben. Die Gewitterzellen seien teilweise von Hagel begleitet gewesen. Auf dem Radarbild vom späteren Nachmittag sind die «Hagelstrassen» klar erkennbar: eine entlang der Voralpen, eine zwischen dem Jurabogen und Zürich. Und jene entlang der Voralpen führte unter anderem übers Obertoggenburg.

«Isch grad echli gröber cho», beschrieb ein Mitglied der Facebook-Gruppe «Du bisch vom Toggenburg, wenn...», was sich am Samstag in Wildhaus abgespielt hat. Es sollte nicht der einzige Eintrag bleiben. Auf den Bildern sind weiss bedeckte Gartensitzplätze und abgeknickte Pflanzen zu sehen.

«Do wird eim grad e chli gschmuch!»

Einträge vom Sonntag zeigen, dass sich wieder ein Gewitter mit Hagel entladen hat. «Krass!» «Oh, nei!» «Ganz übel!» Es scheint, dass den Leuten angesichts dieser Bilder schlicht die Worte zum Kommentieren fehlen. Ersichtlich ist aber auch, dass mehrere Orte vom Hagelsturm getroffen wurden.

Einträge von Mitgliedern aus Wattwil zeigen derweil die reissende Thur, in der grosse Baumstämme mitgeschwemmt werden. So viel Schwemmholz habe er noch selten gesehen, kommentierte jemand diese Bilder. Verständlich ist ein weiterer Kommentar: «Do wird eim grad e chli gschmuch!»

Wer im Auto sass, wähnte sich in der Waschanlage

Dass es nicht einmal 24 Stunden später wieder ähnliche Bilder gibt, hoffte am Sonntag niemand. Am Montagnachmittag aber zogen im Obertoggenburg wieder Gewitterwolken auf. Innerhalb weniger Minuten fielen intensive Schauer und auch wieder Hagel. Wer da mit dem Auto unterwegs war, fühlte sich wie in der Waschanlage. Die Scheibenwischer kamen mit Wischen nicht nach. Die Gullis konnten das Wasser nicht mehr schlucken, die Strasse verwandelte sich abwechselnd in eine Bobbahn und eine Wasserrinne.

«Jetzt ist definitiv alles futsch», lautete einer der ersten Kommentare auf den sozialen Medien. «Nicht schon wieder!» und «Das Wetter spinnt!» ist bei den Antworten zu lesen. Und die bange Frage: Hört das denn nie auf?

Nach dem Regen scheint die Sonne

Die Südwestströmung begleitet uns in der Schweiz noch weiter, schreibt Meteo Schweiz. Will heissen, es kann weiterhin täglich Gewitter geben. Einen Trost, wenn auch ein schwacher, haben die Meteorologen aber: Die Heftigkeit der Gewitter dürfte nicht mehr an jene des vergangenen Wochenendes heranreichen.

Da stimmen die aktuellsten Bilder in der Facebook-Gruppe zuversichtlicher: Mehrere Personen posteten Bilder mit einem Regenbogen. Das ist die schöne Seite der Sommergewitter.

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