Unter den Profis hat Scheiwiller einen schweren Stand

Die schnellsten Motocross-Fahrer der Welt trugen in Frauenfeld spektakuläre Rennen aus. Mitten drin im MXGP of Switzerland: Der Ulisbacher Cyrill Scheiwiller.

Fränzi Göggel
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Cyrill Scheiwiller gibt alles, ist aber von den Punkterängen weit entfernt. (Bild: Rolf Lüthi)

Cyrill Scheiwiller gibt alles, ist aber von den Punkterängen weit entfernt. (Bild: Rolf Lüthi)

Nur gerade eine Woche vor dem Finale der Schweizer Motocross-Meisterschaften kämpfte Cyrill Scheiwiller mit den weltbesten Fahrern auf dem schwierigen Parcours in Frauenfeld vor 30000 Zuschauern um Ruhm und Ehre. Als aktuell Dritter in der nationalen Meisterschaft könnte er rechnerisch Schweizer-Meister werden.

Um seine Chancen auf den Meistertitel zu wahren, durfte er sich am Weltmeisterschafts-Wochenende vom vergangenen Wochenende nicht verletzen. Darauf angesprochen meint Cyrill Scheiwiller: «Man sollte sich sowieso nicht verletzen, denn sonst ist die Saison gelaufen.» Top motiviert legte der Toggenburger also im ersten Lauf einen Blitzstart auf den griffigen Boden hin.

Durch seine clevere Spurwahl kam er als Zwölfter aus der zweiten Kurve und beendete als 18. von 36 gestarteten Fahrern seine erste Runde. Ein harmloser Sturz über einen Anlieger kostete ihn in Runde drei jedoch gleich mehrere Plätze. Aufholen bei der extrem starken Konkurrenz war für den Toggenburger unmöglich.

An die Box und ein Verlust von drei Runden

Ein weiterer Fahrfehler mit anschliessendem Sturz in Runde sieben katapultierte ihn zurück in die hintersten Ränge des Feldes. Ein leicht zerknirschter Cyrill Scheiwiller beendete den ersten Lauf auf dem 31. Rang.

Im zweiten Lauf behauptete sich Cyrill Scheiwiller in der Meute der Profis erneut und kam als 17. aus der ersten Kurve. Leider stürzte er schon in der ersten Runde, dadurch verklemmte sich die Vorderbremse seines Motorrades. Er musste an die Box und verlor drei Runden. Wieder auf der Piste, konnte er nicht mehr ins Geschehen eingreifen und beendete den zweiten Lauf als 30.

Vor dem Start ermutigt Aushilfsmechaniker Pascal Müller seinen Freund per Handschlag für das Rennen. (Bild: Rolf Lüthi)

Vor dem Start ermutigt Aushilfsmechaniker Pascal Müller seinen Freund per Handschlag für das Rennen. (Bild: Rolf Lüthi)

«Ich bin nicht zufrieden. Doch das Gefühl, mit den Weltbesten zu kämpfen, war einzigartig. So eine grossartige Zuschauerkulisse haben wir in der Schweizer Meisterschaft nicht. Die Anfeuerung durch tobende Fans war eine Motivation für mich. Allerdings will ich immer das Beste geben und fahre darum stets am Limit», erklärte Cyrill Scheiwiller seine Strategie.

Andere Bedingungen als die der Profis

Gerechterweise muss erwähnt werden, dass Cyrill Scheiwiller nicht dieselben Voraussetzungen hat, wie die Mehrzahl seiner Konkurrenten, die Halb-oder Vollprofis sind.

Denn nebst seinem Vollzeit-Job als Zimmermann hat er keine Gelegenheit, schwierigste Pistenverhältnisse, wie sie an der Weltmeisterschaft üblich sind, zu trainieren. «Für mich ist ein solches Rennwochenende quasi das Training dazu. Ich fahre eine käufliche, leicht modifizierte Yamaha, doch das ist nicht mein Hauptnachteil zu den Fahrern auf Werksmaschinen. Mir fehlen die Trainingsstunden auf Pisten mit dem Schwierigkeitsgrad einer Weltmeisterschaft. Während ich arbeite, trainieren die andern».

Zudem war sein Bruder Roman Scheiwiller, der ihn sonst mental und auch handwerklich betreut, krankheitshalber nicht anwesend. Cross-Kollege Pascal Müller übernahm diesen wichtigen Job.

Nur als Zuschauer auf Platz in Frauenfeld war der Lütisburger Nico Seiler. Bandscheibenprobleme, die Folge eines Rennunfalles in Muri, zwangen Seiler zu einer Rennpause. Nico Seiler beendete deswegen auch die Schweizer-Meisterschaft vorzeitig, und wird sich einer mehrmonatigen Therapie unterziehen müssen.