«Unseren Beruf so gut und modern wie möglich verkaufen»

Jasmin Bernegger ist Leiterin Ökonomie im Seniorenzentrum Solino in Bütschwil und Mitglied im Vorstand des Regionalverbandes OdA Hauswirtschaft Ostschweiz (OdA HWO). Dort kämpft sie im Bereich Marketing für das Image des Berufsstandes Hauswirtschaft. Denn auch im «Solino» ist es schwieriger geworden, offene Stellen zu besetzen.

Urs M. Hemm
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Jasmin Bernegger, Leiterin Ökonomie im Seniorenzentrum Solino in Bütschwil. (Bild: Urs M. Hemm)

Jasmin Bernegger, Leiterin Ökonomie im Seniorenzentrum Solino in Bütschwil. (Bild: Urs M. Hemm)

Jasmin Bernegger, in Ihrem Verantwortungsbereich Ökonomie sind mit der Hauswirtschaft, der Gastronomie und dem Technischen Dienst drei völlig unterschiedliche Berufe zusammengefasst. Wo liegen dennoch die Gemeinsamkeiten?

Im Rahmen der Reorganisation der operativen Ebene vom «Solino» wurden 2015 die fünf Aufgabenbereiche auf drei Bereiche reduziert. Nebst der Pflege und Betreuung, unserem Kerngeschäft, und den Zentralen Diensten für die Administration/Finanzen, wurden alle verbleibenden Aufgabenbereiche in der Ökonomie zusammengefasst. Das heisst, wir sind für alles zuständig, was nicht Pflege und Betreuung oder Administration/Finanzen ist. Oder anders gesagt, wir sind für die Pensionsleistungen für unsere Bewohnenden sowie für externe Gastroleistungen zuständig. Mit dieser Reorganisation ergab sich eine schlankere und fittere Führungs- und Organisationsstruktur mit weniger Schnittstellen. Die Gemeinsamkeiten liegen in der Tatsache, dass wir alles Dienstleister sind und zwar für unsere Kunden, die Bewohnenden, die Angehörigen und externen Gäste sowie für die Mitarbeitenden. Wir machen alle Querschnittsaufgaben und müssen sehr vernetzt denken und handeln, damit das Kerngeschäft Pflege und Betreuung gute Rahmenbedingungen hat und unsere Kunden qualitativ sehr gute Pensionsleistungen erhalten.

Die Bezeichnung Hauswirtschaft klingt sehr veraltet. Ist dieses Berufsbild so verstaubt, wie es tönt?

Wir sind in der OdA HWO ein junges, dynamisches Team, das bestrebt ist, den Beruf innovativ zu vermarkten. Über einen anderen Namen aber wurde bisher, auch im Dachverband, nicht diskutiert. Wichtiger als die Benennung erscheint mir, dass wir unseren Beruf gut und modern verkaufen. Man muss den vielfältigen, zukunftsorientieren Beruf inhaltlich gut verständlich darstellen können und zeitgemässe Kommunikationsplattformen, wie beispielsweise die neuen Medien oder Berufsmessen nutzen, um diesen Beruf an die Basis, sprich an die Jugendlichen und Eltern zu bringen.

Sie sind in der OdA Hauswirtschaft Ostschweiz im Vorstand für den Bereich Marketing tätig. Welche Strategien wenden Sie an, um insbesondere auch im «Solino» Stellen in ihrem Verantwortungsbereich zu besetzen?

Die wichtigste Erkenntnis der Vergangenheit ist, dass wir alle, insbesondere die Eltern, im Boot haben müssen. Bei den Eltern herrscht oft noch immer eine falsche Meinung über unseren Beruf vor. Ändern können wir das − wie bereits erwähnt − an Messen, aber auch über unsere Webseite, Soziale Netzwerke und über Mund zu Mund Propaganda. Wichtige Akteure sind zudem Berufsberater und Lehrer, die gut informiert und auf dem neuesten Entwicklungsstand im Bereich Hauswirtschaft sein müssen. Ausserdem müssen wir vermehrt über die Presse aktiv werden, wie wir es letzthin mit einer Werbekampagne in den Printmedien gemacht haben.

Welches waren die einschneidenden Veränderungen im Bereich Hauswirtschaft in den vergangenen Jahren?

Sicherlich hat sich das gesamte Berufsbild verändert. Als ich mich für den Beruf entschieden habe, war er noch sehr traditionell geprägt, heute steht die Qualität im Vordergrund. Ich durfte mich dann früh in der IG Thurgau, eine Art OdA, einbringen, die damals noch von gestandenen Hauswirtschafterinnen geleitet wurde, die den Berufsstand mit Herzblut vertraten, die Führung aber in jüngere Hände übergeben wollten. Diese leiteten schliesslich die Fusion mit St. Gallen ein, was ein wertvoller Schritt für alle war, denn hier waren auch die Kantone Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden sowie das Fürstentum Lichtenstein vertreten. Es stärkte nicht nur unser Bewusstsein und Know-how. Auch in den Betrieben nimmt heute die Hauswirtschaft einen anderen, höheren Stellenwert ein. Dies hat sich auch insbesondere dadurch gezeigt, dass wir bereits zweimal an den SwissSkills, den Schweizer Berufsmeisterschaften, teilnehmen konnten.

Wie gross ist jeweils die Nachfrage bei offenen Lehrstellen im Bereich Ökonomie?

Wir haben immer zwei Lernende − aktuell eine im ersten, die andere im zweiten Lehrjahr − so, dass es in diesem Jahr im «Solino» keine offene Stelle gibt. Die vergangenen Jahre haben aber gezeigt, dass es schwierig ist, offene Stellen zu besetzen. Wenn in der Pflege längst alle Stellen besetzt sind, sind wir von der Hauswirtschaft noch immer auf der Suche. Aufgrund der sinkenden Zahlen bei den Jahrgängen haben aber auch andere Bereiche Mühe.

Mit welchen konkreten Herausforderungen müssen Sie sich sonst als Leiterin Ökonomie im «Solino» auseinandersetzten?

Die Anforderungen an die Dienstleistungen von Alters- und Pflegeheimen steigen laufend, auch betreffend Pensionsleistungen, wie Wohnen und Gastronomie. In den nächsten fünf bis zehn Jahren kommt eine andere Generation ins Alter mit anderen Bedürfnissen und Erwartungen. Da müssen wir Schritt halten und uns rechtzeitig darauf ausrichten. Das «Solino» beschäftigt sich intensiv mit möglichen zukünftigen Angeboten und ist bereits in der Planung für die Anpassung der Infrastruktur. Wir haben auch hohe qualitative Ansprüche für unsere Dienstleistungen der Ökonomie. Wir müssen Qualität und Wirtschaftlichkeit unter einen Hut bringen, was nicht immer so einfach ist. Aber gerade all diese Herausforderungen machen unsere Tätigkeit so spannend.