Unfälle auf der Piste: Wenn der Retter auch Polizist spielt

Pistenpatrouilleure und Retter informieren bei Ski- oder Snowboardunfällen die Polizei von sich aus, wenn es Verletzte gibt. Massgebend sind die Richtlinien der Kommission für Unfallverhütung auf Schneesportabfahrten.

Martin Knoepfel
Drucken
Teilen
Bei Pistenunfällen mit Schwerverletzten oder Toten muss die Polizei informiert werden. (Bild: Rega)

Bei Pistenunfällen mit Schwerverletzten oder Toten muss die Polizei informiert werden. (Bild: Rega)

Wohl jedem Ski- und Snowboardfahrer ist es schon einmal passiert. Er oder sie fährt gemütlich auf einer markierten Piste. Plötzlich der Schock: Man sieht einen anderen Sportler, welcher sich bei einem Sturz oder einer Kollision verletzt hat und stöhnend sowie mit schmerzverzerrtem Gesicht im Schnee liegt.

Dass man in einem solchen Fall die Rettung alarmiert, wenn das nicht schon jemand getan hat, liegt auf der Hand. Doch wie verhält es sich mit der Polizei? Gilt auf Skipisten gleich wie auf der Strasse die Regel, dass man Unfälle mit Verletzten der Polizei melden muss?

SKUS-Richtlinien in vielen Fällen massgebend

Das «Toggenburger Tagblatt» fragte bei der Medienstelle der Kantonspolizei St.Gallen nach. Hanspeter Krüsi, Leiter Kommunikation und Mediensprecher, weist in seiner Antwort mehrfach auf einschlägige Richtlinien der schweizerischen Kommission für Unfallverhütung auf Schneesportabfahrten (SKUS).

Nach diesen Richtlinien würden die Pisten- und Rettungsdienste in der Schweiz handeln. «Diese Richtlinien besagen, dass bei Unfällen mit schwerverletzten oder gar toten Personen die Polizei informiert wird. Wenn es um einen Strafantrag geht wird die Polizei unter Umständen bereits bei einer Kollision und bei Unfällen mit leicht Verletzten informiert. Weiter ist dies auch dann der Fall, wenn Geschädigte gegen den Betreiber klagen möchten, denn dieser hat Verkehrssicherungspflichten, die er wahrnehmen muss», schreibt Hanspeter Krüsi.

Zwei Meter ausserhalb beginnt das eigene Risiko

Ob sich ein Unfall auf oder ausserhalb der markierten Piste ereignet, spielt durchaus eine Rolle. «Auf der Piste gibt es Pflichten, welche die Skigebiete gemäss SKUS-Richtlinien einhalten müssen», antwortete Hanspeter Krüsi. Als Beispiele nennt er die Dicke und das Material der Markierungspfosten. Gefährliche Gegenstände wie Pfosten oder Schneekanonen müssten bis zu zwei Meter ausserhalb der Piste mit Sicherungsmaterial geschützt werden. Weiter draussen, also im freien Gelände, würden sich die Skifahrer auf eigenes Risiko bewegen, schreibt Hanspeter Krüsi.

Retter informieren von sich aus die Polizei

Pistenpatrouilleure oder Retter dürfen nicht nur von sich aus die Polizei über einen Unfall informieren, Personalien der daran beteiligten Personen aufnehmen und Informationen über den Hergang des Unfalls sammeln. Sie müssten das sogar unverzüglich tun, erklärt Hanspeter Krüsi. Dies, wenn es sich um einen Unfall mit Verletzten handelt.

«Die prompte Information der Polizei dient der Sicherung von Beweismitteln.» Pisten- und Rettungsdienste übernähmen ebenfalls polizeiliche Aufgaben, beispielsweise die Aufnahme der Personalien der an einem Unfall Beteiligten oder Fotoaufnahmen der Unfallspuren.

Gemeinsame Ausbildungsanlässe

Die Pistenpatrouilleure sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schweizer Seilbahnen nähmen darüber hinaus auch immer wieder an Ausbildungstagen zusammen mit den Polizeikorps teil, erklärt Hanspeter Krüsi. «Kommt es zu einem Unfall, so können die Rettungskräfte über die SOS-Nummern der jeweiligen Bergbahnen, über die 144 (Rettung), die 112 (internationaler Notruf) oder die 1414 (Rega) informiert werden.»

Im Kanton St.Gallen verzeichnete die Polizei im Jahr 2017 zehn Skiunfälle. Im Jahr 2018 ging diese Zahl auf sieben zurück. Im laufenden Jahr waren es bisher zwei Unfälle, war von Hanspeter Krüsi zu erfahren.

Leichte Zunahme von 2016 auf 2017

Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva) mit Hauptsitz in Luzern ist laut eigenen Angaben die grösste Unfallversicherung der Schweiz. Sie versichert die Arbeitnehmer der angeschlossenen Betriebe sowohl gegen Arbeits- als auch gegen Freizeitunfälle.

Im Jahr 2016 wurden der Suva insgesamt 263'987 Freizeitunfälle gemeldet. Davon waren 12'491 Ski- und 2333 Snowboardunfälle. Das war von Natascha Obermayr von der Medienstelle der Suva zu erfahren. 2017 waren es mehr – genau genommen 268'934 – Freizeitunfälle. Eine leichte Zunahme gab es ebenfalls bei den Kategorien Ski- und Snowboardunfälle. Die Zahlen lauten 12'706 und 2345 Ereignisse. Die Ski- und Snowboardunfälle machten also rund 5,6 Prozent der Freizeitunfälle aus.

Natascha Obermayr weist darauf hin, dass sich alle genannten Zahlen auf die gemeldeten Unfälle beziehen. Ob Unfälle in die Statistik aufgenommen würden, entscheide sich nach der Anerkennung, schreibt sie. Die Zahlen für 2018 sind laut Natascha Obermayr noch nicht verfügbar. Allerdings werden nicht alle Ski- und Snowboardunfälle der Suva gemeldet. (mkn)