Unerwartet kommt sie doch: Marla Glen tritt in Kirchberg auf

Marla Glen hält auf ihrer «Unexpected-Tour» in der Kirchberger «Eintracht». Das Konzert ist bereits ausverkauft.

Michael Hug
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Marla Glen bei einem Auftritt in Degersheim.

Marla Glen bei einem Auftritt in Degersheim.

Bild: Michael Hug

Ein Senkrechtstarter, ein Weltstar, eine Ausnahmeerscheinung – die Maximen überschlugen sich im Jahr 1993, als Marla Glen aus dem Nichts ins Licht des europäischen Musikbusiness trat. Platin in Deutschland für das Debutalbum «This Is Marla Glen», Platin für selbiges auch in der Schweiz. Zwei Jahre darauf, «Love And Respect»: Gold in D, Gold in CH. 1997: «Our World», dann ein «The Best Of».

Nach der Jahrtausendwende kamen die Alben im Fünfjahresturnus, dazwischen wurde mit «Greatest Hits Live» nochmals abgesahnt. Genau das ist das Stichwort: Die Künstlerin Marla Glen aus Chicago/Illinois, die in Europa zu Ruhm kam, wurde in Europa ab dem ersten Tag ihrer Karriere tüchtig abgezockt. Ihr blieb nichts, sagte sie in jedem Interview, Tantiemen hätte sie selten gesehen und verdient hätten andere. Selbst von den Einnahmen aus Werbeverträgen für Männerdüfte und ein Bekleidungshaus sei nichts für sie hängengeblieben.

Mit Comebacks immer wieder aufrappeln

Doch Marla Glen rappelte sich immer wieder auf. Unternahm Comebackversuche, nahm Platten auf (2003 «Friends», 2008 «Dangerous», 2011 «Humanology»), gab Konzerte in Clubs und kleinen Hallen, sang auf Kreuzfahrten im Mittelmeer. Sie kam immer wieder mal in die Schweiz, auch in die Ostschweiz nach Herisau, Lichtensteig, Arbon oder Degersheim. Doch der «Weltstar» war schon lange keiner mehr. Glen wurde vielmehr zum Geheimtipp für Soul- und Bluesfans, registrierte eine kleine Fangemeinde in Deutschland und der Schweiz.

Die Frau mit der Männerstimme und dem exzentrischen Habitus, die Stimme hinter «The cost of Freedom» und «Beliefer», musste unten durch, wie man so treffend sagt. 2008 sagte sie in einem Interview eines deutschen Online-Portals: «Mein Management hat mein Leben zerstört. Ich habe Millionen verloren.» Gerade weil viele Fans von damals Marla Glen nicht vergessen hatten und trotzdem nicht viele neue dazukamen – sie gab nicht auf und kehrte immer wieder auf die Bühne zurück.

Heute singt sie: «Ich sorge mich nicht»

Die Künstlerin verarbeitete ihre Gedanken zu Songs. «I don’t care» – «Ich sorge mich nicht» - heisst der Vorabzug der Ende Januar erscheinenden CD «Unexpected». Unerwartet kommt sie auch nach Kirchberg. In der «Eintracht» gibt sie, exakt eine Woche nachdem sie ihren sechzigsten Geburtstag feiert, ein Konzert. Vorher in die neue Single «I don’t care» oder in ihre früheren Songs hineinhören lohnt sich und man wird feststellen: Das ist immer noch die gleiche Marla Glen. Cool, rauchig, emotional ihre Stimme.

Ist das überhaupt eine Frau, eine Frauenstimme, fragte sich das Publikum früher. Diese Frage stellt sich eigentlich überhaupt nicht, denn wichtig ist doch, dass die Musik einen packt. Glen ist eine exzellente Performerin, optisch wie akustisch, sie ist sowohl eine charismatische Sängerin wie eine exzentrische Künstlerin. Ihre amerikanisch-jamaikanischen (mütterlicherseits) und amerikanisch-mexikanischen (väterlicherseits) Wurzeln und die Inspirationen ihrer Vorbilder Nina Simone, B.B.King und Bi Diddley vereinigen sich zu dem, was Marla Glen ausmacht: eine lebensfreudige, funky-soulige, höchst lebendige, ehrliche und verletzliche Künstlerin.

Hinweis

Das Konzert mit Marla Glen in der «Eintracht» Kirchberg am 10. Januar ist ausverkauft.