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«Und dann sehe ich das Bild vor mir» - Malen ist Teil von Walter Grässlis Leben

Künstler, Lehrer und Vater - Walter Grässlis Leben ist bunt gemischt, genau wie seine Kunst. Seine Leidenschaft zur Malerei führte ihn von Buchs in die französische Hauptstadt und schlussendlich ins Toggenburg.
Emilie Jörgensen
Typisch Grässli: eine kunterbunte Mischung aus Farben und Formen. (Bild: Emilie Jörgensen)

Typisch Grässli: eine kunterbunte Mischung aus Farben und Formen. (Bild: Emilie Jörgensen)

Das Malen sei ein Teil von ihm, etwas, ohne das er heute gar nicht mehr leben könnte. Schon als 13-Jähriger sei Walter Grässli völlig davon angefressen gewesen. «So sehr, dass meine Mutter teilweise am liebsten meine Staffelei und meine Farben aus dem Fenster geworfen hätte», sagt er.

Grässli ist ob dem Städtli Werdenberg aufgewachsen. Nachdem die Familie nach Buchs umgezogen war, besuchte er während neun Jahren die obligatorische Schule. In Buchs hat er auch eine Lehre zum Maler, Dekorations- und Schriftenmaler gemacht. Mit abgeschlossener Lehre arbeitete Walter Grässli in Zürich, wo er parallel an vier Abenden in der Woche die Kunstgewerbeschule besuchte. Wieder zurück in Buchs arbeitete er zuerst als Maler und machte anschliessend ein Grafikerpraktikum.

Pariser Menschen direkt auf die Leinwand

«Es war jedoch zu eng in der Schweiz, zu wenig Luft und Freiraum, um Inspiration zu finden», sagt Walter Grässli. Er musste dringend weg und raus in die Welt. Mit 350 Franken, die er lange zusammengekratzt hatte, machte er sich auf den Weg nach Paris, um mehr über die französische Malerei zu lernen. Auch wenn er dort verhungert wäre, für ihn gab es nichts anderes, dass er lieber machen wollte und musste. Schon am ersten Tag stellte er auf der Strasse seine Staffelei auf und fing an zu malen. Szenerien, Baumgruppen, bettelnde Hände, Städtedetails -einfach alles inspirierte ihn.

Es folgte eine Aufnahme an die Kunstakademie Ecole supérieure nationale des Beaux-Arts. «Nach anderthalb Jahren in Paris erhielt ich einen Brief von einer alten Freundin aus Buchs. Sie arbeitete zur Zeit als Aupair in London bei einer jüdischen Millionärsfamilie. Das Haus sollte restauriert werden und der Vater wollte diese Aufgabe nur einem Schweizer anvertrauen. Ich habe die ganze Arbeit selber gemacht und bin danach wieder zurück in die Schweiz», sagt Walter Grässli.

Vom Strassenkünstler zum Gestaltungslehrer

Pädagogisch sei er begabt, hiess es immer wieder laut verschiedenen Meinungen. Mit einem Unterrichtspraktikum im Kinderdorf Pestalozzi in Trogen, wo er auch viele grafische Arbeiten übernehmen durfte, setzt er diese Begabung unter Beweis. Es folgte eine Ausbildung zum Lehrer für Bildnerisches Gestalten an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Diese schliesst er mit einem Diplom für das Höhere Lehramt für Bildnerisches Gestalten ab, mit dem er auf gymnasialer Stufe unterrichten darf. Im Jahr 1972 wurde er als Gestaltungslehrer an der Kantonsschule in Wattwil angestellt und unterrichtete während 35 Jahren Bildnerisches Gestalten. Parallel dazu unterrichtete Walter Grässli eine Zeit lang Farbenlehre an der ZHdK.

Unzählige Projektwochen, Theateraufführungen und Ausstellungen, die er alleine oder in Zusammenarbeit mit Niklaus Müller, ebenfalls ehemaliger Gestaltungslehrer der Kantonsschule Wattwil, organisierte, folgten. Künstler aus Italien, Deutschland und Österreich reisten im Rahmen eines Arge-Alp-Künstlersymposiums nach Wattwil, um die Projekte zu unterstützen. Mit seinem grossen Aufwand und vielen Bemühungen kann Walter Grässli sogar die unmotiviertesten und unkreativsten Schüler erfolgreich zur intensiven und konzentrierten Arbeit bringen.

Walter Grässli in seinem Atelier an der Wilerstrasse in Wattwil. (Bild: Emilie Jörgensen)

Walter Grässli in seinem Atelier an der Wilerstrasse in Wattwil. (Bild: Emilie Jörgensen)

Parallel dazu gestaltete Walter Grässli Bühnenbilder für die Werdenberger Schlossfestspiele, nach der Pension noch eines für das Chössi Theater in Lichtensteig und ein weiteres für die Kantonsschule Sargans. Sogar ein Buch über Farbenlehre wurde von ihm veröffentlicht.
Wo genau er die Inspiration holt, kann er selber nicht beantworten. «Mir kommt einfach ein Bild in den Sinn. Es ist wie ein Film, der plötzlich stoppt, und dann sehe ich das Bild vor mir, das ich malen muss», sagt Walter Grässli. Der Lyriker Franz Schubert, Eichendorfs Taugenichts und noch viele weitere Lyriker helfen ihm jedoch immer wieder auf den Weg in die Welt voller Farben und Formen.

Die Kunst bleibt in der Familie

Immer an seiner Seite mit dabei ist Theresia, seine Frau. Die Textilgestalterin hilft mit, wo sie nur kann. Auch wenn dies nur etwas Freiraum für ihren kreativen Ehemann bedeutet, auf Theresia Grässli-Müller ist Verlass. Das Paar hat zusammen vier Kinder - zwei Töchter und zwei Söhne. Einer der Söhne, Michael Grässli, der ausgebildeter Theatermaler ist, wird ab dem 5. August zusammen mit seinem Vater eine Ausstellung durchführen. Die Schwarz-Weiss-Bilder von Michael Grässli sind eine starke Abgrenzung von der Arbeit des väterlichen Farbenpoeten.

Bis Ende August in Werdenberg

Die Ausstellung «Walter Grässli & Michael Grässli - Vater und Sohn, Zwei Künstler - Zwei Generationen» findet vom 5. bis 31. August in der Galerie L33, Staatsstrasse 3 in Werdenberg statt. Weitere Informationen: www.waltergraessli.ch

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