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Unbekümmert vorwärts – Theatermann Martin Sailer will ins nationale Parlament

Martin Sailer politisiert oft mit Augenzwinkern. Mit der Kandidatur für den Nationalrat ist es ihm aber ernst.
Ruben Schönenberger
Der SP-Politiker Martin Sailer betreibt das Kleintheater Zeltainer in Unterwasser. (Bild: Ruben Schönenberger)

Der SP-Politiker Martin Sailer betreibt das Kleintheater Zeltainer in Unterwasser. (Bild: Ruben Schönenberger)

Martin Sailer hat geschafft, was nicht viele der Nationalratskandidierenden schaffen. Schon gar nicht jene, die auf der nationalen Bühne Neulinge wären. Er hat im Wahlkampf Medienpräsenz weit über die Kantons-, ja gar über die Landesgrenzen hinaus erhalten. Und das mit einer einzigen Interpellation, die er in der unlängst zu Ende gegangenen Kantonsratssession eingereicht hat.

In dieser fragt der SP-Politiker die Regierung, wie sie zu einer Fusion des Kantons St.Gallen mit Vorarlberg stünde.

Zeitpunkt der Interpellation nicht zufällig gewählt

«Das war sehr, sehr augenzwinkernd gemeint», sagt Sailer. «Aber es war mir natürlich bewusst, dass das Thema provoziert.» Auf die Idee gekommen sei er, als diesen Mai viele Medien über das 100-Jahr-Jubiläum der Vorarlberger Volksabstimmung zur Aufnahme von Beitrittsverhandlungen zur Schweiz berichtet haben.

«Das hat sich bei mir eingebrannt. Da wusste ich, dass ich dazu etwas machen will.»

Der Zeitpunkt in der jetzigen Session sei natürlich nicht ganz zufällig gewählt gewesen, sagt Sailer. Aber auch: «Es ist etwas aus dem Ruder gelaufen.» In den letzten Tagen habe er mit unzähligen, vor allem österreichischen Medien gesprochen.

Der ORF berichtete auf seiner Website und «Der Standard» bezeichnete Sailer als «Gegenteil eines Berufspolitikers, eher was man landläufig einen bunten Hund nennen würde». Auch in der Schweiz wurde die Idee vielerorts aufgenommen. «Öxit», hiess das dann etwa beim «Blick».

Angstmachende Briefe und E-Mails

Und auch bei Bürgerinnen und Bürgern, vor allem aus dem Vorarlberg, hat er mit der Interpellation Reaktionen hervorgerufen. «Ich erhalte ganz unschöne Briefe und E-Mails, die weh tun, zum Teil fast Angst machen», sagt Sailer.

«Ich habe mich schon gefragt, ob das jetzt schlau war. Aber das ist bei mir halt manchmal so.» Und vielleicht beschreibt diese Episode sowohl den Politiker wie auch den Menschen Sailer am besten. Wenn er eine Idee hat, verfolgt er sie. «Unbekümmert», wie er selbst sagt. Blauäugig, wie andere vermutlich einwerfen würden.

Kultur ist sein grosses Thema

Auch den Titel, den er sich im Wahlkampf selbst gegeben hat, versteht er mit einem Augenzwinkern. Als «Kulturminister» preist er sich an, obwohl es einen solchen sowohl im Kanton St.Gallen als auch beim Bund schon gibt und Sailer sowieso für die Legislative und nicht für die Exekutive antritt. «Viele im Kantonsrat begrüssen mich so, das habe ich aufgenommen», sagt Sailer.

Die Kultur ist denn auch sein grosses Thema. «Wo es ein reichhaltiges Kulturangebot gibt, da will man sein», erklärt Sailer, warum ihm das Thema so wichtig ist. Kultur sei ein Standortfaktor wie Mietzinse und die Qualität der Schulen. Und damit Kultur vielfältig sein könne, brauche sie auch Subventionen. «Ohne Förderung gäbe es einen Einheitsbrei», sagt er. «Tanz zum Beispiel würde völlig verschwinden.»

Kultur sei aber nicht einfach ein Fass ohne Boden. Sie habe einen volkswirtschaftlichen Nutzen. Als Gründer der IG Kultur, der 28 Kantonsratsmitglieder angehören, führe er diese Diskussion oft. Jeder eingesetzte Franken komme mehrfach zurück. «Aber halt nicht in die gleiche Kasse.»

Anfrage kam überraschend

Ganz ohne Augenzwinkern spricht er über seine Ambitionen. Die Nationalratskandidatur ist ihm durchaus ernst. «Ich trete nicht an, um den Hampelmann zu spielen. Das Ziel ist ein dritter Sitz für die SP und den dritten Sitz will ich», sagt Sailer deutlich.

Dieses Ziel ist mit ein Grund, warum er mittlerweile der Partei beigetreten ist. Zwar wurde er schon auf einer SP-Liste in den Kantonsrat gewählt, er war aber noch parteilos. «Ich wurde damals überraschend angefragt, ob ich auf die Liste wolle. Ich war zwar politisch interessiert, aber die Parteispiele haben mich immer genervt», sagt er rückblickend.

Die ersten zwei Jahre als Teil der Fraktion von SP und Grünen und seine Ambitionen auf den Sitz in Bern haben ihn dann aber doch dazu gebracht, beizutreten.

«Es ging mir aber auch darum, etwas zurückzugeben. Ich konnte von den Strukturen der Fraktion und der Partei profitieren, bezahlt haben aber nur die anderen.»

Politisieren würde er in Bern wie schon in St.Gallen. «Ich rede im Rat so, wie ich sonst rede. Das wird geschätzt.» Und auch deshalb hält er sich nicht zurück, wenn die Gesundheitspolitik zur Sprache kommt. Er findet es eine «Schweinerei», dass das Spital Wattwil nicht fertig gebaut wurde, schliesslich habe das Volk die Gelder bewilligt. Ein «Skandal» sei es, dass die zwei «nigelnagelneuen Operationssäle» nicht verwendet würden. Trotzdem sagt er, Wattwil habe eine gute Ausgangslage: «Wir haben einen Neubau. Da wird sich niemand getrauen, den vergammeln zu lassen.»

Den Bauern nicht den Traktor verbieten

Dass er nicht in allen Bundesthemen schon so versiert sei, gibt er unumwunden zu. Die Landwirtschaft beispielsweise ist so ein Thema. Er ist aber überzeugt, dass viele Landwirte einen guten Job machen. «Natürlich, das sind nicht alles meine Wähler, aber sie machen, dass das Toggenburg so schön aussieht», sagt Sailer. Dass es öffentliche Gelder braucht, scheint für ihn klar. «Ausser, wir zahlen für die Milch, was sie wirklich wert ist.»

Und er findet denn auch, dass man für die Landwirte Wege finden müsste, wie sie sich ihren Einsatz für die Natur anrechnen lassen können, ohne dass sie unter Klimaschutzmassnahmen leiden. «Ich kann einem Bauer nicht sagen, er dürfe seinen Traktor nicht fahren. Das ist sein Arbeitsgerät.»

Trotzdem ist Sailer der Ansicht, dass es beim Klimaschutz auch einschneidende Massnahmen brauche. An die Leute zu appellieren, reiche nicht. Die Schweiz müsse hier vorangehen. «Wer, wenn nicht wir?», fragt Sailer rhetorisch.

Zur Person

Der 48-jährige Martin Sailer ist in St.Gallen aufgewachsen, wohnt aber schon lange in Unterwasser. Er brauche das Land, sagt der SP-Politiker. Er ist Betreiber des Kleintheaters Zeltainer, arbeitet in der Klangwelt Toggenburg und erfindet Intelligenzspiele für Hunde und Katzen. Seit 2016 sitzt der ausgebildete Lehrer im Kantonsrat. Er ist verheiratet und hat einen Sohn. Seine Frau brachte einen Sohn in die Beziehung mit.

Welche Fahne würden Sie sich vor das Haus hängen?
Eine Toggenburger Fahne, ich bin Herzblut-Toggenburger.

Welches Buch nehmen Sie auf eine einsame Insel mit?
Ich bin Zeitungsleser: das «Toggenburger Tagblatt».

Was sagt Ihre Frau, wenn Sie gewählt werden?
«Bitte erfinde nicht gleich wieder etwas Neues.» (rus)

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