Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Umstrittene Kirchberger Schulreform

Die Stimmberechtigten können am 23. August darüber entscheiden, wie es mit der Schule in der Fünf-Dörfer-Gemeinde weitergeht.
Beat Lanzendorfer
Die Traktandenliste der ausserordentlichen Bürgerversammlung umfasst nur einen Punkt. Trotzdem müssen sich die Stimmberechtigten möglicherweise auf eine längere Versammlungsdauer in der katholischen Kirche einstellen.Bild: Beat Lanzendorfer

Die Traktandenliste der ausserordentlichen Bürgerversammlung umfasst nur einen Punkt. Trotzdem müssen sich die Stimmberechtigten möglicherweise auf eine längere Versammlungsdauer in der katholischen Kirche einstellen.Bild: Beat Lanzendorfer

«Die Führungsstruktur der Schulen der Gemeinde Kirchberg ist nicht mehr zeitgemäss.» So steht es im Gutachten, das die Gemeinde Kirchberg erstellen liess und im Juli in den Briefkästen lag.

Aufgrund dieses Gutachtens will der Gemeinderat nun Gegensteuer geben und die aus seiner Sicht veraltete Führungsstruktur der Schule, die wenig praxisnah und kompliziert sei, den heutigen Anforderungen anpassen.

Eine Geschäftsleitung soll es richten

Gemeinderat und Schulrat schlagen deshalb vor, eine Geschäftsleitung zu installieren, um strategische und operative Themen zu trennen. Dieser würden der Schulpräsident sowie zwei Geschäftsführer angehören. Einer dieser würde die Schulen in Bazenheid leiten, der andere wäre für die übrigen Schulen auf Kirchberger Gemeindegebiet zuständig. Total zählt die Gemeinde sechs Schuleinheiten in den Dörfern Bazenheid, Kirchberg, Gähwil und Dietschwil.

Im Gegenzug soll der Schulrat von heute neun auf fünf Mitglieder reduziert und die Schulleiterkonferenz aufgehoben werden. Dazu ist aber eine Änderung der Gemeindeordnung nötig. Die Aufgaben des reduzierten Schulrates sollen dann auch gar nicht mehr in dieser, sondern in der Schulordnung festgelegt werden.

Mehrkosten werden mit 130'000 Franken veranschlagt

Die geplanten Änderungen sind das Ergebnis des vor zwei Jahren angestossenen Projekts «Weiterentwicklungen der Schuleinheiten der Schulen Kirchberg». Sie stossen nicht überall auf Gegenliebe. Die Meinungen, wie die Neuorganisation der Schule aussehen soll, gehen weit auseinander. Der Vorschlag, der nun zur Abstimmung kommt, wurde an der Informationsversammlung vom 5. Juni eingebracht und wird seither kontrovers diskutiert.

So sprechen die einen von einem Verwaltungsapparat, der weiter aufgeblasen werde und sich weiter von der Basis entferne. Weiter wird moniert, dass die Schulleitungen nach diesen Änderungen zu wenig Entscheidungskompetenzen hätten, was zu trägen Abläufen führe. Ähnlich argumentiert wird beim Schulrat, in dem häufig Vertreter sässen, welche vielfach über Geschäfte entscheiden müssten, bei denen ihnen das fachliche Wissen abgehe. Uneins ist man sich auch bezüglich der wiederkehrenden Mehrkosten. Während im Gutachten 130'000 Franken vermerkt sind, rechnen die Gegner der Reform mit einem höheren Betrag.

Andere können dem Vorschlag des Gemeinderates durchaus Positives abgewinnen: Die Lehrkräfte könnten sich wieder vermehrt ihren Kernaufgaben widmen, weil sie sich weniger mit administrativen Aufgaben zu beschäftigen hätten. Weiter käme es zu einer Entlastung der Schulräte, die heute oftmals operative Aufgaben übernehmen müssten, wofür sie eigentlich nicht vorgesehen seien.

Alternativen werden ausgearbeitet

In welche Richtung es gehen soll, darüber müssen die Stimmberechtigten an der ausserordentlichen Bürgerversammlung befinden. An dieser geht es vorerst darum, die Gemeindeordnung anzupassen, um die Voraussetzungen zu schaffen, den Schulrat zu verkleinern und eine Geschäftsleitung zu installieren. Wird der Antrag gutgeheissen, kommt es in einem zweiten Schritt zur Anpassung der Schulordnung, die dem fakultativen Referendum unterstellt wird.

Es zeichnet sich schon jetzt ab, dass seitens der Ortsparteien Alternativen ausgearbeitet und mittels Antrag dem Stimmvolk am 23. August vorgelegt werden. Sollte dies der Fall sein, müssten die Stimmberechtigten darüber befinden, welcher in die finale Abstimmung mit jenem Antrag seitens der Gemeinde kommt.

Bei einer Ablehnung bleibt alles wie gehabt

Sollte der Nachtrag zur Gemeindeordnung abgelehnt werden, bleibt alles wie bisher. Der Schulrat stünde wieder am Anfang und würde einen neuen Vorschlag zur Weiterentwicklung ausarbeiten. Sollte der Nachtrag hingegen angenommen werden und käme es zu einem Referendum gegen die danach ausgearbeitete Schulordnung, käme es am 9.Februar 2020 zu einer Urnenabstimmung. Im Falle einer Ablehnung durch das Volk könnte ein neuer Vorschlag für die Schulordnung ausgearbeitet werden.

Die ausserordentliche Bürgerversammlung findet am Freitag, 23. August, 19.30 Uhr, in der katholischen Pfarrkirche in Kirchberg statt.

Parteien zu den geplanten Änderungen

FDP: Der Reformbedarf der Schulen Kirchberg ist für die FDP Kirchberg unbestritten. Die Vorlage sei ausgewogen und passend für die Gemeinde. Die Einführung der Geschäftsleitung gewährleiste eine professionelle Schulführung, was in Zeiten stetig steigender Anforderungen wichtig sei. Im Weiteren kenne der Schul- und Gemeinderat die Herausforderungen der Schule und hätten diese in die aktuelle Reform einfliessen lassen. Eine kurzfristige Abschaffung des Schulrats sehen die Freisinnigen als überhastet und verantwortungslos an. Die Schule sei heute nicht bereit für diesen Schritt. Die FDP könne sich auch durchaus vorstellen, dass in einem weiteren Schritt die Gesamtstrukturen der Gemeinde überarbeitet werden. Die Partei sagt deshalb klar Ja zur Neuorganisation der Schulen Kirchberg.

SVP: Die SVP hält das von der politischen Gemeinde vor gut zwei Monaten vorgestellte Konzept für eine «Hauruck-Übung». Die Lösung mit einer Geschäftsleitung lehnt die Partei nicht komplett ab, könnte sich aber auch zwei andere Modelle vorstellen. Als Beispiele nennt sie einen professionellen Gemeinderat, der in erster Linie für die Schule zuständig ist, oder einen Abteilungsleiter – vergleichbar mit jenem des Bauleiters. Eine Geschäftsleitung mit Schulrat lehnt die SVP hingegen ab, weshalb sie an der ausserordentlichen Bürgerversammlung auch den Antrag stellen wird: «Der Schulrat sei auf das Ende der laufenden Legislaturperiode komplett abzuschaffen. Die Organisation und Berufung der obersten Schulführung sowie die politische Verantwortung obliege dem Gemeinderat.»

SP: Die SP Alttoggenburg empfiehlt die Schulreform (und die damit verbundene Änderung der Gemeindeordnung) in der vorliegenden Form abzulehnen und stellt an der ausserordentlichen Bürgerversammlung den Antrag, dass der Gemeinderat die Reform auf die ganze Gemeinde ausweitet und so den eingeleiteten Prozess hin zur Einheitsgemeinde abschliesst. Begründet wird dies mit dem Argument, dass Kirchberg mehr als eine Schulreform benötige – eine Gemeindereform müsse her. Die von Schul- und Gemeinderat vorgeschlagene Reform gehe zwar viele der existierenden Schwachstellen an, werfe aber gleichzeitig neue Fragen auf, welche auch die Vereinbarkeit der Reform mit der Gesamtstruktur der Gemeinde betreffen. Durch das bisherige Vorgehen und den verspäteten Einbezug der Bevölkerung und der Parteien habe es der Gemeinderat verpasst Zweifel und Bedenken auszuräumen. Als Resultat stehe die Gemeinde vor einem Flickenteppich, anstatt endlich die vielpropagierte Einheitsgemeinde umzusetzen.

CVP: Die Partei lehnt den Antrag des Schul- und Gemeinderat ab und hat ihrerseits einen Antrag ausgearbeitet: «Der Schulrat sei auf Ende der laufenden Legislatur per 31. Dezember 2020, aufzuheben. Im Gutachten unter «8. Umsetzung, Seite 8» werde aufgezeigt, dass aufgrund der Reduktion des Schulrates personelle Engpässe entstehen könnten. Diesem werde damit begegnet, dass abtretende Schulräte über die Amtszeit hinaus auf Mandatsbasis weiterbeschäftigt werden könnten. Diese Tatsache ermögliche die Abschaffung des Schulrates auf das Ende der Legislatur. Die CVP sei bestrebt einen aktiven Beitrag zu leisten und will bei der Weiterbearbeitung mitarbeiten. Hierzu stünden Vertreter des Vorstandes und der Parteibasis den beiden Räten zur Verfügung. Der Vorstand erachtet die Einführung einer unabhängigen Rekursinstanz (Ombudsstelle mit Befugnissen) als prüfenswert. (bl)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.